Lebensdaten
1708 - 1755
Geburtsort
Fulda
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Jesuit
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100696538 | OGND | VIAF: 52042417
Namensvarianten
  • Widenhofer, Franz Xaver
  • Widenhofer, Francisco X.
  • Widenhofer, Francisco Xaver
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Zitierweise

Widenhofer, Franz Xaver, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100696538.html [20.09.2021].

CC0

  • Leben

    Widenhofer: Franz Xaver W., katholischer Theologe, geboren zu Fulda am 13. April 1708, zu Würzburg am 11. Februar 1755. Am 12. Juli 1729 in den Jesuitenorden eingetreten, absolvirte er in Rom die theologischen Studien und studirte zugleich die orientalischen Sprachen. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er in Würzburg zuerst Professor der Philosophie, trat aber (nach 1740) in die theologische Facultät über, an welcher er zuerst polemische Theologie, dann alttestamentliche Exegese und Hebräisch lehrte. 1748 gab er seinen Lehrstuhl auf, übernahm ihn aber schon im folgenden Jahre wieder, nachdem er am 20. Mai 1749 zum Doctor der Theologie promovirt worden war, und bekleidete ihn bis zu seinem Tode. — In der Zeit seiner philosophischen Lehrthätigkeit verfaßte er außer einigen kleineren Abhandlungen einen Abriß der Logik: „Ars recte cogitandi, sive Logica Aristotelicae philosophiae pars prima“ (Wirceburgi 1741). Seine litterarische Hauptthätigkeit liegt aber auf dem Gebiete der alttestamentlichen Wissenschaft. Zur Beförderung der exegetischen Studien verfaßte er zunächst eine kurze hebräische Grammatik, einen praktischen und seiner Zeit sehr geschätzten, wenn auch nach heutigen Begriffen etwas dürftigen Grundriß zur ersten Einführung in die Kenntniß der Sprache: „Rudimenta hebraica paucis ad linguam sacram facile addiscendam praeceptionibus comprehensa; plurimis et utilissimis ad tuendam fidem orthodoxam, ad heterodoxorum bibliorum corruptelas e textu originali confutandas exercitationibus illustrata, brevi lexico ... aucta“ (Wirceburgi 1747, 2. Aufl. 1770). Die Exercitationes, der umfangreichste mittlere Theil des Schriftchens zwischen Grammatik und Wörterverzeichniß, stellen zugleich einen Abriß der alttestamentlichen Theologie dar, eine Zusammenstellung der wichtigsten Belegstellen nach der Ordnung des Katechismus, wie seinen exegetischen Studien immer eine dogmatische Tendenz zu Grunde liegt. Unter einer Reihe kleinerer akademischer Abhandlungen, die er in den nächsten Jahren veröffentlichte, sind als die bemerkenswerthesten die beiden gegen den Tübinger Kanzler Chr. Matth. Pfaff gerichteten Schriften zu nennen: „Sanctissimum Missae sacrificium a Malachia c. I, v. 11 praedictum“ (Wirceburgi 1750, in deutscher Uebersetzung: Das heiligste Meß-Opffer ..., Wirtzburg 1751); und „Sacrificium incruentum Jesu Christi sacerdotis in aeternum secundum ordinem Melchisedech a Davide Psalmo 109 (Hebr. 110) v. 4 praedictum“ (Wirceburgi 1751, in deutscher Uebersetzung: Das unblutige Opffer Jesu Christi ..., Wirtzburg 1752). Sein Hauptwerk ist: „Sacrae Scripturae dogmatice et polemice explicatae Pars prima sive Testamentum Vetus“ (2 Bde., Augsburg u. Würzburg 1749 bis 53; 2. Aufl. 1755; neue Titelausgabe 1803). Das umfangreiche Werk behandelt nach der Reihenfolge der alttestamentlichen Bücher die dogmatisch wichtigen Stellen derselben nach dem hebräischen Text, mit besonderer Betonung der polemischen Gesichtspunkte gegenüber der protestantischen Dogmatik und Exegese. Die 2. Auflage ist vermehrt durch einen ausführlichen dogmatischen Index, der das Material nach dem dogmatischen System zusammenordnet, eine ausführliche chronologisch-historische Tabelle und eine Zusammenstellung über die Münzen und Maaße der Hebräer. W. verfaßte auch eine Bearbeitung des kleineren Katechismus des Canisius: „V. P. Petri Canisii Catechismus minor, nunc in gratiam studiosae iuventutis ex eiusdem V. Patris majore opere catechistico sacris sententiis atque exemplis auctus“ (Würzburg 1750, Köln 1777 und öfter); eine deutsche Uebersetzung desselben: Auszug Christlicher Lehre, wie solchen vormals der ehrwürdige Mann Petrus Canisius herausgegeben (Augsburg 1769, mit dem Lateinischen zusammen Augsburg 1796 und öfter; eine französische Uebersetzung erschien noch 1838 zu Freiburg in der Schweiz); ferner auf Grundlage des Canisius einen „Catholischen Catechismus“ für die Volksschulen (Würzburg 1752 und oft von neuem gedruckt), der bis 1823 im Bisthum Würzburg als Diöcesankatechismus im Gebrauch war. — W. hat sich als Begründer der wissenschaftlichen alttestamentlichen Studien an der Universität Würzburg ein unbestreitbares und bleibendes Verdienst erworben. Aus seiner Schule gingen eine Anzahl von Theologen hervor, die auf dem Gebiete der alttestamentlichen Wissenschaft in seinem Geiste weiter arbeiteten, wie sein nächster Nachfolger Nik. Zillich.

    • Literatur

      Ant. Ruland, Series et vitae professorum SS. Theologiae, qui Wirceburgi docuerunt (1835), p. 131—137. — De Backer, Bibliothèque des écrivains de la Compagnie de Jésus, IIIe série (1856), p. 760—762. — Chr. Bönicke, Grundr. e. Gesch. d. Univ. Würzburg. 2. Thl. (1788), S. 127—129. —
      K. Werner, Gesch. d. kath. Theol. (1866), S. 136 f. — F. X. v. Wegele, Gesch. d. Universität Würzburg. Bd. I (1882), S. 441. — H. Hurter, Nomenclator, T. II (ed. 2. 1893), p. 1373—1376.

  • Autor/in

    Lauchert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lauchert, Jakob, "Widenhofer, Franz Xaver" in: Allgemeine Deutsche Biographie 42 (1897), S. 341-342 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100696538.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA