Lebensdaten
1703 bis 1756
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 12973229X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krohne, Gottfried Heinrich
  • Cron, Gottfried Heinrich
  • Crone, Gottfried Heinrich
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Zitierweise

Krohne, Gottfried Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12973229X.html [21.07.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christoph Crune (Gruhne, n. 1731), Stallknecht, später kursächs. Wagenhalter;
    M Anna Margarethe ( 1732), T d. Georg Hauptmann;
    Meißen 1729 Eusebia Dorothea (1705–93), T d. Joh. Benedikt Sillig (1668–1745), Prof. u. Konrektor a. d. Fürstenschule St. Afra in Meißen, u. d. Magdalena Stempel (T d. Martin St., Rechtskonsulent u. Stiftssyndikus in Meißen);
    1 S, 6 T.

  • Leben

    Über Jugend und Ausbildung K.s sind keine Angaben überliefert. Richtungweisend dürfte die Wahl der Taufpatin gewesen sein: Maria Magdalena Bähr, die Frau des Erbauers der Dresdner Frauenkirche, George Bähr, durch den der junge K. wohl gefördert wurde. Auch zu dem in Dresden, Gera und Leipzig tätigen Baumeister David Schatz dürften Beziehungen bestanden haben. 1726 ist K. als hzgl. Baumeister am Weimarer Schloßturm tätig. Hzg. Ernst August sandte ihn im|Sommer 1729 studienhalber nach Wien. Im selben Jahr übersiedelte K. nach Weimar. Hier war sein Vorgesetzter Oberlandbaumeister Joh. Adolf Richter, den K. immer mehr zurückdrängte. Außer im Hzgt. Sachsen-Weimar wirkte er 1727 im kurmainz. Großvargula, um 1731 in Gera, 1731/32 in Großkochberg und 1735-43 im fränk. Zisterzienserkloster Langheim.

    Entscheidend für das Wirken K.s war die Baulust seines Landesherrn. Ernst August weilte im Sommer 1727 in Wien. Unter dem Eindruck des Belvedere des Prinzen Eugen entschloß er sich, gleichfalls ein Belvedere aufzubauen. Große Schloßbauten als Dokumentation politischen Anspruchs lagen ihm nicht, statt dessen stellte er sein Bauwesen auf seine persönlichen Neigungen ab: die Jagd und militärische Ambitionen. Als Verbindung von Lustschloß und Feldlager entstand seit 1736 Schloß Dornburg über dem Saaletal; Bastionen wurden ihm vorgelegt. Auch die Projekte für Kaltensundheim sahen kleine Bastionen vor. Der Herzog fand immer neue Plätze, an denen K. Lust- und Jagdhäuser bauen mußte; nie ging ihm die Ausführung schnell genug, meist wurde hastig in verputztem Fachwerk gebaut, die Räume wurden tapeziert und stukkiert. Manche Schlößchen wurden nie fertig, andere wegen Baufälligkeit nach wenigen Jahren abgetragen. Stets fehlte Geld, und oft mußten die Handwerker unter Strafandrohung ohne Bezahlung arbeiten. Hatte der Herzog zunächst die Waldgebiete des Weimarer Landes mit Jagdschlössern und -häusern versehen lassen, so eröffneten sich neue Möglichkeiten, als 1741 zusätzlich die Regentschaft des Hzgt. Eisenach an ihn fiel. Seit Sommer 1741 war K. auch Landbaumeister für das Hzgt. Eisenach, seit 1743 – ohne daß von dieser Tätigkeit, von einem Projekt abgesehen, sichtbare Resultate bekannt wären – für alle Kirchen-Neubauten im Eisenachischen zuständig. Mit jährlichem Entgelt wirkte K. ferner seit 1743 für (Schwarzburg-)Rudolstadt, 1747-51 für Gotha. 1744, nach dem Ausscheiden Richters, wurde K. Oberlandbaumeister für Sachsen-Weimar und Eisenach.

    K.s beste Leistungen sind Fassadendekorationen und bequeme, gefällige Innenräume, meist Salons mit abgeschrägten oder ausgerundeten Ecken. Seiner dekorativ bestimmten Kunst lagen komplizierte Raumschöpfungen fern. Ovale und Kreise wirken in Grundrissen K.s ornamental, räumlich aber entfalten sie keine überzeugende Wirkung. Die freundlichen Pavillon-Kombinationen der Lust- und Jagdhäuser gelangen K., bei großen Baukörpern hingegen geriet er in Schwierigkeiten. Auch größere Gewölbe wagte er nicht. Sein Vierzehnheiligenprojekt im Auftrag des Zisterzienserklosters Langheim (1738/39, Bauleitung nach Neumanns Entwurf 1743) zeigt außen eine große Kuppel, die innen nicht in Erscheinung tritt. K. hat seinen Vorschlag für Vierzehnheiligen um 1743/48 im Projekt einer protestant. Pfarr- und Hofkirche auf dem Marktplatz von Eisenach wiederholt. Sein Stil wird vorwiegend von der Ornamentik geprägt, erst das Spätwerk der Orangerie in Gotha, seit 1747 in Planung, zeigt eine Abkehr von der reichen Dekoration, was erstmals in den unter seiner Leitung seit 1743 ausgestatteten Räumen der Heidecksburg ob Rudolstadt sichtbar wird. Anregungen empfing K., der bedeutendste Architekt Thüringens im 18. Jh., aus Dresden, vor allem von Pöppelmann und Knöffel. Die Wiener Reise führte zur Kenntnis von Bauten Hildebrandts und Fischers v. Erlach. Französische, teils über Publikationen, teils über Knöffel vermittelte Einflüsse traten hinzu. Auch Werke der Dientzenhofer dürften K. bekannt geworden sein. Die Architektur Balthasar Neumanns, der in Vierzehnheiligen sein erfolgreicher Rivale wurde, war ihm wesensfremd.

  • Werke

    Weitere W u. a. Weimar, Schloß Wilhelmsburg, Turmaufsatz 1726–32, unausgef. Ausbaupläne 1732-36;
    Großvargula b. Langensalza, kurmainz. Amtshaus 1727-29;
    Belvedere auf d. Eichenleite b. Weimar, Fasanenhaus (1726 v. J. A. Richter) umgestaltet 1727/28, erweitert 1731-32, Orangerie ab 1740;
    Jagd- u. Lusthaus Troistedt b. Weimar, 2 Jagdpavillons 1728–32, Corps de Logis 1736-37 Rohbau, 1748 abgetragen;
    Ilmenau, Schloß, ab 1730 nach Planung J. A. Richters unter wachsendem Einfluß K.s, vollendet 1746 (1752 mit Ausnahme d. Seitenflügel ausgebrannt, letzte Reste 1927 beseitigt);
    Kloster Langheim/Oberfranken, Teile d. Klostergebäude 1735-43;
    Apolda, Badehäuser am Gesundbrunnen u. Lustschloß seit 1737 (1750 abgebrochen);
    Lust- u. Jagdschloß Wilhelmsthal b. Eisenach (1712–19 v. J. Mützel), innere Umbauten 1741–43, Umgestaltung d. Gesamtanlage seit 1743/44;
    Jagdschloß Hohe Sonne b. Eisenach 1741-45 (bis auf Küchenpavillon u. Jägerhaus abgetragen);
    Eisenach, Neues Schloß, Umbau d. Hauses Metius z. Einbeziehung in d. Residenz 1742–43, ebenso Umbau angrenzender Häuser, Vereinheitlichung d. Fassade gegen d. Marktplatz 1743, Erweiterung z. Vierflügelbau, Vereinheitlichung d. Dächer, erneute Umgestaltung d. Fassade u. Ausbau 1744-51;
    Eisenach, Projekte f. d. Marktplatz mit Neubau v. Kirche, Wachgebäuden u. Marstall um 1743/48 (nur d. beiden Wachgebäude wurden ausgeführt, abgebrochen);
    Molsdorf b. Erfurt, Schloß (Gf. Gotter, Mitwirkung an Umgestaltung ab 1744;
    Ilmenau, Wiederaufbau d. Stadt nach Brand 1752, dabei Änderungen d. Straßenführung vor allem am Marktplatz u. b. d. Stadtkirche, Ausführung seit 1753.

  • Literatur

    H.-H. Möller, G. H. K. u. d. Baukunst d. 18. Jh. in Thüringen, 1956 (W-Verz., L), Besprechung v. R. Teufel, in: Zs. f. Kunstgesch. 21, 1958, S. 63-66;
    H. Baier-Schröcke, Der Stuckdekor in Thüringen v. 16. b. z. 18. Jh., 1968;
    W. Götz, Dt. Marställe d. Barock, 1964;
    J. Hotz, Entwürfe f. d. Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, in: Kat. d. German. Nat.mus. Nürnberg, Die Dt. Handzeichnungen IV, 1969, S. 365-85;
    H. Stüve, Qu. z. Planungs- u. Baugesch. v. Vierzehnheiligen, in: 108. Ber. d. Hist. Ver. Bamberg, 1972, S. 364-491;
    R. Teufel, Vierzehnheiligen, 21957;
    ders., Der Einfluß d. Markgrafenstiles auf d. kirchl. Baukunst d. Coburger Landes, in: Jb. d. Coburger Landesstiftung 1964, S. 131 f. (Unterlauter);
    ThB.

  • Werke

    P Vermutl. d. Architektenbild (mit Bauplan) v. J. E. Heinsius, 1762 (Heidecksburg Rudolstadt, Grüner Saal), Abb. b. Möller, s. L. (Das Bildnis e. Mannes mit Altarentwurf in d. Städt. Slg. Lichtenfels/Oberfranken zeigt nicht K., sondern wohl e. Angehörigen d. in Langheim u. Vierzehnheiligen tätigen, in Mistelfeld ansässigen Schreinerfam. Weiß.)

  • Autor/in

    Joachim Hotz
  • Empfohlene Zitierweise

    Hotz, Joachim, "Krohne, Gottfried Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 69-71 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12973229X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA