Lebensdaten
1529 bis 1567 oder 1568
Geburtsort
Antwerpen
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119331535 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Quickelberg, Samuel
  • Guiccheberg, Samuel
  • Quiccheberg, Samuel
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Zitierweise

Quicchelberg, Samuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd119331535.html [30.03.2017].

CC0

Quicchelberg (Qui[c]che[l]berg[s], Quicke[l]berg[s]), Samuel (van)

Arzt und Bibliothekar, * 1529 Antwerpen, 1567 München. (zuletzt katholisch)

  • Genealogie

    Aus Antwerpener Kaufmannsfam.; V Jakob ( 1559), emigrierte aus konfessionellen Gründen um 1539 über Gent nach Nürnberg, wo er 1544 d. Bürgerrecht erhielt, Genannter d. Gr. Rats, Hauswirt auf d. Rathaus ebd.; M N. N. ( vor 1540); B u. a. Leo (* 1542), Genannter d. Gr. Rats zu Nürnberg; – wohl ledig.

  • Leben

    Q. kam um 1539 mit seinem Vater nach Nürnberg. 1548/49 immatrikulierte er sich an der Univ. Basel und wechselte 1550 nach Ingolstadt, wo er zugleich als Präzeptor Jakob Fuggers (1542–98) fungierte. Neben den artes studierte er auch Medizin. 1553 vollendete er in Nürnberg ein von dem Apotheker Georg Öllinger (1487-1557) initiiertes umfangreiches Herbarium (Magnarum Medicine partium herbariae et zoographiae imagines), dessen beabsichtigter Druck jedoch nicht zustande kam (Univ.bibl. Erlangen, Ms. 2362). 1555 fand Q. eine Anstellung als Leibarzt bei Anton Fugger, die er zwei Jahre später wieder aufgab, da ihm von Johann Jakob Fugger (1516–75) die Betreuung seiner Bibliothek und seiner weiteren Sammlungen übertragen wurde. Bedingt durch die Verbindungen Johann Jakob Fuggers zu Hzg. Albrecht V. von Bayern (1528–79) verlagerte sich auch der Schwerpunkt von Q.s Tätigkeit zunehmend an den Münchener Hof, so daß er in seinen letzten Lebensjahren fast ausschließlich mit Aufgaben für den Herzog betraut war. 1563 besichtigte Q. in Italien berühmte Sammlungen (z. B. Ulisse Aldrovandi in Bologna u. Marco Mantova Benavides in Padua) und erwarb neue Objekte für die hzgl. Kunstkammer. Ob er für Albrecht V. auch als Arzt tätig war, ist nicht zweifelsfrei zu belegen. Ebenso sind von seinen genealogischen und heraldischen Arbeiten nur spärliche Reste in einer Abschrift überliefert (Univ.bibl. München, 2° Cod. ms. 700).

    Eindeutig faßbar ist Q.s Beteiligung an den für den Herzog angefertigten Prachthandschriften der Motetten Cipriano de Rores (Bayer. Staatsbibl. München, Mus. Ms. B) und der Bußpsalmen Orlando di Lassos (ebd., Mus. Ms. A), die von Hans Müelich (Mielich, 1516–73) illuminiert wurden. Zu beiden Illustrationszyklen verfaßte Q. jeweils separate, 1564 bzw. 1565 abgeschlossene Erläuterungsbände. Wegen seines frühen Todes konnte er die Erläuterungen zum zweiten Band der Bußpsalmen nicht mehr selbst fertigstellen. Darüber hinaus ist Q. der Autor der frühesten Biographie des Orlando di Lasso (1530/32-94), die er neben weiteren Viten zu Heinrich Pantaleons (1522–95) „Prosopographia heroum atque illustrium virorum totius Germaniae“ (1566, dt. u. d. T.: Teutscher Nation Heldenbuch, 1571) beitrug, worin|auch seine eigene, von Pantaleon nach Q.s Angaben verfaßte Biographie enthalten ist.

    Q.s Hauptwerk bilden jedoch die „Inscriptiones vel tituli theatri amplissimi“ (1565), die, ausgehend von der Münchener Kunstkammer, deren Einrichtung von dieser Konzeption maßgeblich beeinflußt wurde, die Idealform eines Museums mit dazugehöriger Bibliothek entwerfen. In ihrem Schlußteil geben sie einen Überblick über die damals bestehenden Sammlungen v. a. des süddt. Raums, die Q. zumeist selbst gesehen hatte. Auch wenn er Anregungen etwa durch Giulio Camillo oder Conrad Gesner erhielt, stellt seine Schrift als erste sammlungstheoretische Abhandlung eine Pionierleistung dar, durch die er als frühester Museologe Deutschlands gilt. Von den „Inscriptiones“ ging eine nachhaltige Wirkung auf die Errichtung späterer Kunst- und Wunderkammern wie die Ferdinands II. in Ambras oder Rudolfs II. in Prag aus.

  • Werke

    Weitews W Apophthegmata biblica, 1571.

  • Literatur

    O. Hartig, Die Gründung d. Münchener Hofbibl. durch Albrecht V. u. Johann Jakob Fugger (Abhh. d. Bayer. Ak. d. Wiss., phil.-philol. u. hist. Kl. 28/3), 1917; ders., Der Arzt S. Q., d. erste Museologe Dtld.s, am Hofe Albrechts V. in München, in: Das Bayerland 44, 1933, S. 630-33 (P); H. Hell u. H. Leuchtmann, Orlando di Lasso, 1982 (P); W.-D. Müller-Jahncke, Die „Magnarum Medicine partium herbariae et zoographiae imagines“ v. Georg Öllinger u. S. Q., in: Btrr. z. Gesch. d. Pharmazie, Beil. d. Dt. Apotheker Ztg. (122), 31, 1982, Nr. 17, S. 129-33 (P); H. Leuchtmann u. H. Schaefer, Orlando di Lasso, Prachthss. u. Qu.überlfg., 1994; H. Roth, Der Anfang d. Mus.lehre in Dtld., Der Traktat „Inscriptiones vel Tituli Theatri Amplissimi“ v. S. Q., 2001 (L, P).

  • Portraits

    Medaille v. E. Delaune (?), 1563 (Staatl. Münzslg. München); Miniatur v. H. Müelich, 1565 (Bayer. Staatsbibl. München).

  • Autor

    Helmut Zäh
  • Empfohlene Zitierweise

    Zäh, Helmut, "Quicchelberg, Samuel" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 44-45 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119331535.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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