Lebensdaten
1884 oder 1885 bis 1940
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
im Atlantik
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Journalist ; Rechtsanwalt
Konfession
jüdische Familie
Normdaten
GND: 118915363 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oppenheim, Rudolf (bis 1891)
  • Olden, Rudolf
  • Oppenheim, Rudolf (bis 1891)
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Zitierweise

Olden, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118915363.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Balder (s. 1);
    Halb-B Peter (* 1905), Historiker (s. W);
    1) 1920 Marie-Christine Furtwängler, Psychoanalytikerin, 2) 1926 Isolde Boguth, Modeschöpferin, 3) 1933 Ika Halpern (1908–40, s. W), Psychoanalytikerin;
    T aus 3) Mary Elisabeth.

  • Leben

    Nach Abitur und juristischem Studium trat O. in ein Dragonerregiment ein und erlebte das Ende des 1. Weltkriegs als Oberleutnant. Erfahrungen im Krieg und der Zusammenbruch der alten Gesellschaftsordnung gaben auch O.s Leben eine radikale Wendung. Er wurde Journalist in Wien bei der pazifistischen Zeitschrift „Der Friede“, arbeitete mit Benno Karpeles, Alfred Polgar, Egon Erwin Kisch, Joseph Roth und Arnold Höllriegel beim „Neuen Tag“ zusammen und gründete nach dessen wirtschaftlichem Niedergang mit Hugo Bettauer (1877–1925) das libertäre Journal „Er und Sie – Wochenzeitschrift für Lebenskultur und Erotik“. 1926 engagierte Theodor Wolff (1868–1943) ihn für sein „Berliner Tageblatt“, wo O. bald zum stellvertretenden Chefredakteur aufstieg. Neben seinen politischen Leitartikeln, die ihn zu einem der bekanntesten Journalisten Berlins machten, schrieb O. zeitkritische Beiträge für pazifistische und radikal-demokratische Blätter wie „Die Weltbühne“, „Das Tagebuch“ und „Die Menschenrechte“.

    Der seit 1926 auch als Rechtsanwalt zugelassene O. wurde Rechtsberater und 1931 Vorstandsmitglied der Liga für Menschenrechte. Aufsehen erregte seine Verteidigung Carl v. Ossietzkys gegen den Vorwurf des Landesverrats, die mit der Verurteilung des Herausgebers der „Weltbühne“ endete, und gegen die Anklage wegen Beleidigung der Reichswehr, die zum Freispruch führte. Je mehr er Demokratie und Menschenrechte bedroht sah, desto stärker engagierte sich O. für sie. Am 17.2.1933 sprach er auf der letzten Versammlung des Schutzbundes Deutscher Schriftsteller, und zwei Tage später folgten über tausend Wissenschaftler, Künstler und Politiker O.s Einladung zum Kongreß „Das freie Wort“ in die Berliner Kroll-Oper. Am Morgen nach dem Reichstagsbrand entging O. nur knapp der Verhaftung. Prag, Paris und London waren Stationen seines Exils. In Prag veröffentlichte er 1933 anonym die Broschüre „Hitler der Eroberer, Entlarvung einer Legende“ (dass. Amsterdam 1935, Neudr. 1981, Nachdr. 1984), in Paris 1934 die Dokumentation „Schwarzbuch über die Lage der Juden in Deutschland“. Im selben Jahr übernahm O. die Chefredaktion der in Saarbrücken erscheinenden Zeitung „Das Reich“ und engagierte sich im „Saarkampf“ gegen den Anschluß des Saarlandes an Nazi-Deutschland. Er schrieb für verschiedene Exil-Zeitungen wie „Das Neue Tage-Buch“, „Pariser Tageblatt“, „Argentinisches Tageblatt“, „Die Sammlung“ und „Das Wort“. Daneben hielt er auf Einladung des Völkerrechtlers G. Murray Vorlesungen über deutsche Geschichte und Innenpolitik an der London School of Economics sowie an der Univ. Oxford. Seit 1934 arbeitete O. für den „Deutschen PEN-Club im Exil“ und wurde, ohne je gewählt oder ernannt worden zu sein, dessen Sekretär. Er schrieb hunderte von Bettelbriefen um Einladungen, Visa und materielle Unterstützung für bedrohte Schriftsteller in Deutschland und rettete damit manchem, darunter Robert Musil, das Leben. Dennoch wurde der Staatenlose – 1936 war ihm die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden – bei Kriegseintritt Großbritanniens als „feindlicher Ausländer“ interniert. Der enttäuschte und in der Haft schwer erkrankte O. nahm daraufhin einen Ruf an die New Yorker School for Social Research an. Der zum Abschied in den Paß gestempelte Vermerk „no return“ wurde zum Menetekel. Das Schiff, welches O. und seine Frau in die USA bringen sollte, wurde von deutschen U-Booten versenkt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Stresemann, 1929;
    Das Wunderbare od. Die Verzauberten, 1931;
    Warum versagten d. Marxisten, 1934;
    Hindenburg od. d. Geist d. Preuß. Armee, 1935, Neudr. 1982;
    Die Gesch. d. Freiheit in Dtld., 1948;
    In tiefem Dunkel liegt Dtld. (mit Ika Olden), hg. v. Ch. Brinson u. M. Malet, 1994;
    R. O. – Peter Olden, Briefe aus d. J. 1935–36, hg v. dens., 1987;
    Rettet Ossietzky! Dokumente aus d. Nachlaß v. R. O., hg. v. dens., 1990.

  • Literatur

    K. Hiller, in: Köpfe u. Tröpfe, 1950, S. 353 ff.;
    R. Greuner, in: Gegenspieler, Profile linksbürgerl. Publizisten, 1969, S. 249 ff.;
    W. Berthold, Vorworte zu „Hindenburg“ (1982) u. „Hitler“ (1984);
    E. Wehrmann, Einheit v. Vernunft u. Sinnlichkeit, in: Die Zeit, Nr. 9 v. 24.2.1984;
    M. Finetti, „Niemand hörte zu, niemand glaubte uns“, ebd. Nr. 39 v. 21.9.1990;
    Ingo Müller, R. O. – Journalist u. Anwalt d. Rep., in: Red. krit. Justiz (Hg.), Streitbare Juristen, 1988, S. 180 ff.;
    H. Göppinger, Juristen jüd. Abstammung im „Dritten Reich“, 21990;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy (P in XI, S. 446).

  • Autor/in

    Ingo Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Ingo, "Olden, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 505 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118915363.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA