Lebensdaten
1829 bis 1877
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11725942X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lucae, Richard

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Zitierweise

Lucae, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11725942X.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V August (1800–48), Dr. phil. h. c., Bes. d. Apotheke „Unter d. Linden“ u. e. Mineralwasserfabrik in B., S d. Apothekers Joh. Christian Friedrich ( 1806) in B. u. d. Charlotte Lange;
    M Caroline (1803–70), T d. Joh. Georg Wendel (1754–1834), Prof. d. Zeichenkunst am Gymnasium in Erfurt, u. d. Regina Kaufhold;
    Tante-m Friederike Wendel ( August Soller, 1805–53, Architekt in B., s. ThB);
    B August (1835–1911), Prof. d. Ohrenheilkde. in B. (s. BLÄ);
    - Berlin 1874 Marie Emilie Luise (1846–75), T d. Julius Eduard Schacht (1804–71), Dr. phil. h. c., Geh. Medizinalrat, Bes. d. „Poln. Apotheke“ in B., u. d. Marie Louise Dorothee Löser; Schwager Carl Schacht (1836–1905), Dr. phil., Medizinalrat, Apotheker, Vorsitzender d. Berliner Apothekerver.

  • Leben

    L.s vielfältige künstlerische Neigungen wurden durch seinen Onkel, den Schinkel-Schüler August Soller, zur Architektur gelenkt. Nach einer praktischen Ausbildung (Feldmesserlehre 1847–49, Kölner Dombau 1853–55), dem Studium an der Bauakademie 1850-52 und 1855-59 sowie einer Italienreise 1859 schuf L. zunächst als Privatarchitekt Wohnhäuser in Berlin (im 2. Weltkrieg sämtlich zerstört). Seine malerische Begabung verwirklichte er in Innenausstattungen (z. B. Villa Kitsche 1860, Tanzsaal-Anbau der Villa Siemens 1874–76); sie zeigt sich in den noch erhaltenen fein durchgeführten dekorativen Teilen seiner Entwürfe. Er gewann die Wettbewerbe für das Magdeburger Stadttheater (1873–76) und die Oper in Frankfurt/Main (1873, Ausführung bis 1888, Restaurierung 1972). Zugleich lehrte L. seit 1859 an der Berliner Bauakademie, deren Direktor er 1873 wurde. Er erhielt die Aufgabe, die Gebäude der aus Bauakademie und Gewerbeschule neu gebildeten Technischen Hochschule zu planen. Die kurz vor seinem Tod vollendeten Entwürfe veränderte Friedrich Hitzig zum Teil bei der Ausführung. L. war Geh. Regierungsrat, Mitglied der Technischen Baudeputation, der Kunstakademie und des Kunstvereins. Theodor Fontane, sein Freund aus der gemeinsamen Zeit im literarischen Verein „Tunnel über der Spree“, schildert in „Von Zwanzig bis Dreißig“ L.s phantasievolle Persönlichkeit und seinen fast brüsk wirkenden geraden Charakter.

    L., dem auf der Bauakademie sowohl der phantastisch-reiche Historismus Wilhelm Stiers als auch die strenge, „tektonische“ Schinkelnachfolge Carl Boettichers vermittelt wurde, steht mit seinem Frühwerk noch ganz in der Schinkelschule. Seine Bauten vor 1870 haben straffe Umrisse, spätklassizistischen Schmuck und gelegentlich die Türme oder asymmetrischen Trakte des „ital. Villenstils“. Doch zeigen die drei im Stil verschiedenen Entwürfe zur Villa v. Heyden 1873/74, daß er in dieser Zeit bereits nach lebhafteren, stärker repräsentativen Formen als Ausdruck der Macht des neuen Kaiserreiches suchte. Dies führte L. dem allgemeinen Zug der Zeit entsprechend zur Neurenaissance. Mit seinem monumentalen Palais Borsig (1875–77), dessen Wände mit plastischen Fenster-Ädikulen belebt sind, markierte L. diesen Stilumbruch für die Berliner Baugeschichte. Mit den Entwürfen zur Technischen Hochschule seit 1876 gestaltete er das damals größte Neubau-Projekt Berlins. Die Wucht der Formen ist der Größe des Baues angemessen; ihre klare Reihung ist noch ein Element der Disziplin der Berliner Schinkelschule. Daneben treten aber auch einzelne phantastische Züge hervor, wie überkuppelte Türme, die aus dem massiven Baublock herausragen. Sie offenbaren eine (von Hitzig erkannte und eliminierte) Divergenz verschiedener künstlerischer Impulse. Diese tritt nicht in den Theaterbauten auf, die im Ganzen reicher und bewegter sein konnten. Theoretisch äußerte sich L. über den Stilwandel in der Berliner Architektur sehr klar in seinen Schinkel-Reden 1865 und 1873 in der Zeitschrift für Bauwesen, wo er neben prinzipiellen Überlegungen auch seine Bauten publizierte.

  • Werke

    Weitere W Bauten in Berlin: eigenes Wohnhaus u. Villen in d. Viktoriastraße, 1857-59;
    Villa Soltmann, 1861;
    Villa A. Heckmann (Urbild d. „Villa Treibel“ bei Fontane), 1862;
    Wohnhaus Fleitmann, 1868;
    Villa Joseph Joachim, 1871/72;
    Wohnhaus Dr. A. Lucae am Lützowplatz, 1873. -
    Auswärtige Bauten: Kirche in Kattowitz, 1855-58;
    Grabkapelle v. Lepel in Wieck, um 1859;
    Villa Prieß in Rostock, 1866;
    Villa Henschel in Kassel, 1868-70;
    Villa Dr. Lucae in Marburg, 1868;
    Villa Lucius in Erfurt, um 1869;
    Villa Friderici in Leipzig, 1872. - Schrr.:
    Schinkels Bedeutung f. d. Nachwelt, in: Zs. f. Bauwesen, 1865;
    Über d. Macht d. Raumes in d. Baukunst, ebd., 1869;
    Über d. ästhet. Ausbildung d. Eisenkonstruktion, ebd., 1870;
    Warum wir Schinkel feiern, ebd., 1873.

  • Literatur

    A. Woltmann, Die Baugesch. Berlins, 1872, S. 292;
    W. Lübke, in: Zs. f. Bild. Kunst 1878, Kunstchronik, S. 204-09, 239-43;
    H. Ende, in: Dt. Bauztg. 12, 1878, S. 51-54, 63-66;
    Th. Fontane, Von Zwanzig bis Dreißig, 1898 (71913, S. 217-25, P);
    E. Dobbert u. A. G. Meyer, Chronik d. Kgl. TH in Berlin, 1899 (P);
    E. Stromeyer, Die Wohnbauten R. L.s, 1941 (mit Kat. d. damals vorhandenen Entwürfe);
    I. Wirth, Die Bauwerke u. Kunstdenkmäler v. Berlin, Bez. Tiergarten, 1955;
    dies., Stadt u. Bez. Charlottenburg, 1961;
    E. Börsch-Supan, Berliner Baukunst n. Schinkel, 1840–70, 1977, S. 620-24 (L, Kat. d. erhaltenen Entwürfe);
    St. Waetzoldt (Hrsg.), Bibliogr. z. Architektur im 19. Jh., 1977;
    G. Peschken, Zur Baugesch. d. TU Berlin, in: Wiss. u. Ges., Btrr. z. Gesch. d. TU Berlin, 1879–1979, hrsg. v. R. Rürup, 1979, Bd. 1, S. 171-86;
    I. Schade, Die Bauplanung d. Hauptgebäudes d. TH zu Berlin-Charlottenburg, in: 100 J. TU Berlin, Kat. z. Ausst., 1979, S. 199-206;
    H. Geisert, D. Radicke, I. Schade, Charlottenburg u. d. TH, Kat. z. Ausst., 1980;
    W. Ehrlich, Alte Oper, Neues Haus, Ber. üb. e. Frankfurter Ereignis, 1981 (P);
    ThB.

  • Autor/in

    Eva Börsch-Supan
  • Empfohlene Zitierweise

    Börsch-Supan, Eva, "Lucae, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 268-269 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11725942X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA