Lebensdaten
erwähnt 1479, gestorben 1501
Geburtsort
Straßburg
Sterbeort
Köln (?)
Beruf/Funktion
Drucker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102359229 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Quentel, Heinrich
  • Quentel, Heinrich
  • Quentell, Henricus

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Zitierweise

Quentell, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd102359229.html [30.03.2017].

CC0

Quentel (Quentell), Heinrich (Henricus, Hinricus)

Druckerverleger, zwischen 31.8. und 27.10.1501 Köln (?).

  • Genealogie

    V N. N.; M N. N.; Köln 1478 Elisabeth, T d. Johann Helinan ( 1509), Notar, Münzmeister u. Verleger in K., u. d. Greta v. Wyckroed; 5 K, u. a. Peter ( 29.2.1546), übernahm 1520 als Alleininh. d. väterl. Untern., nachdem es nach Q.s Tod zunächst in Erbengemeinschaft weitergeführt worden war. publizierte v. a. gegenreformator. Schrr. (s. ADB 27; Benzing, Buchdrucker2), Johann, Severin; Schwager Paul Vunffer, Bürger v. Leipzig; E Johann(es) ( wohl 1551, Sophia, T d. Buchhändlers Arnold Birckmann, 2] Gerwin Calenius, 1600, Lic. iur., Senator in K.), führte d. väterl. Geschäft weiter (s. L); Ur-E Arnold ( 1621), führte die Buchhandlung in K. weiter (s. ADB 27; L), Peter, Lic. iur., Assessor am kaiserl. Kammerger.; Urur-E Johann Peter ( 1656), auf Linzenich, Dr. iur. utr. , Greve d. Hohen Gerichts in K.; Ururur-E Gottfried v. Q. ( 1700, 1686 Reichsadel), kurköln. Vizekanzler. Geh. Rat; Urururur-E Johann Peter v. Q. (1650-1710), Weihbf. v. Münster, Propst an St. Andreas, Domherr in K. (s. Gatz II).

  • Leben

    Q. stammte aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Hessischen, erlernte die Buchdruckerei aber in Straßburg. 1476/77 kam er nach Köln, wo er 1478 das Bürgerrecht erwarb. Die Eheschließung bekräftigte nach den Bräuchen der Zeit auch die geschäftlichen Beziehungen zwischen Q. und seinem Schwiegervater und ermöglichte ihm die Gründung einer Offizin mit dazugehörigem Buchhandel. In einem Schreiben vom 8.9.1483 wird die Gesellschaft „Helman & Quentel“ erwähnt, mit der die Stadt Köln in Paderborn für das Unternehmen eintrat und darum bat, diesem bei der Wiederbeschaffung von Büchern zu helfen, die der verstorbene „Diener“ der Gesellschaft Robert Venroed hinterlassen habe. Im Vorjahr war Q. auf der Rückreise von der Leipziger Herbstmesse von den in einer Fehde mit Köln stehenden Herren v. Hatzfeld ergriffen und auf der Wildenburg (b. Altenkirchen, Westerwald) gefangengesetzt worden. Erst am 2.5.1483 konnte er unter Vorbehalt freikommen. Um im Falle einer ausbleibenden endgültigen Einigung zwischen den Fehde-Parteien nicht wieder auf die Burg zurückkehren zu müssen, verzog Q. nach Antwerpen. Hier leitete er 1483-86/87 eine Filiale seiner Kölner Firma in einem Haus gegenüber dem Hospital St. Julian. In Köln, wohin er spätestens 1487 zurückkehrte, wohnte und arbeitete er im Haus „Zum Palas“ am Domhof, das seinem Schwiegervater gehörte, nach einer Schreinsbucheintragung vom 4.9.1500 aber an Q. überging.

    Schon die Anfangsproduktion 1479-81 weist Q. als einen wagemutigen und den Markt klug abschätzenden Drucker aus. In knapp drei Jahren produzierte er auf zwei für Großformate geeigneten Pressen 17 Werke in Folio mit insgesamt 4828 Blatt, darunter das große Beichthandbuch des Astesanus in zwei Auflagen, beide unter dem Datum 31.8.1479. Der für einen Anfänger ganz ungewöhnliche Start wurde dadurch ermöglicht, daß Q. mit Letternmaterial aus zweiter Hand setzte, also auf das Gießen eigener Typen zunächst verzichtete, und ausschließlich bereits im Druck vorliegende Titel herausbrachte. Die Kosten für das in großer Menge benötigte Papier übernahm weitgehend Helman. Später verfügte Q. über einen umfangreichen Typenapparat, der auch zwei Antiquaschriften und griech. Lettern umfaßte. Das Verlagsprogramm hatte seine Schwerpunkte in theologischer und philosophischer Literatur, durchweg in lat. Sprache. Er stellte sich auch auf die Bedürfnisse der Universität ein und brachte für die Vorlesungen verwendete Texte heraus. Die an den beiden führenden Bursen benutzten und von deren Leitern verfaßten kommentierten Textausgaben der Autoritäten („Kopulate“) hat Q. immer wieder gedruckt und damit deren Verbreitung an anderen Universitäten ermöglicht. Sie waren häufig mit der Darstellung einer Schulszene ausgestattet (sog. „Accipies-Holzschnitte“), die viel nachgeahmt wurden. Zu den mehr als 400 Ausgaben, die Q. gedruckt hat, gehören auch Breviere und Meßbücher, die von dem hohen technischem Niveau der Offizin Zeugnis geben. Dagegen sind die um 1478 entstandenen „Kölner Bilderbibeln“, mit Holzschnitten reich ausgestattete niederdeutsche Bibeln in zwei Dialektfassungen, entgegen früherer Annahme aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Q. gedruckt worden. Die fragwürdige Zuschreibung erfolgte anhand eines dogmatisch angewendeten Typenvergleichs. Die Umstände sprechen vielmehr dafür, daß die Bibeln von einem Verlegerkonsortium, an dem auch Johann Helman beteiligt war, herausgebracht worden sind.

  • Werke

    (immer noch maßgeblich) E. Voulliéme, Der Buchdruck Kölns bis z. Ende d. 15. Jh., 1903, Neuausg. 1978, S. XLIV-LVI, CXVI-CXXVI.

  • Literatur

    ADB 27; S. Corsten, Die Anfänge d. Kölner Buchdrucks, 1955, S. 66-89; ders., Die Kölner Bilderbibeln v. 1478, Neue Stud. zu ihrer Entstehungsgesch., in: Gutenberg-Jb. 1957, S. 72-93; ders., Stud. z. Kölner Frühdruck, 1985, S. 123-35; F. Geldner, Die dt. Inkunabeldrucker l, 1968, bes. S. 100 f.; L. Hepding, Die Kölner Frühdruckerfam. Q., in: Mitt. d. Westdt. Ges. f. Fam.kde. 58, 1970, S. 197-208; K. Militzer, Die Hatzfeldsche Fehde gegen d. Stadt Köln, in: Jb. d. köln. Gesch.ver. 53, 1982, S. 41-86; Der Buchdruck im 15. Jh., Eine Bibliogr., hg. v. S. Corsten u. R. W. Fuchs, 2 T., 1988-93, S. 314 f., 317 f., 751; Benzing, Buchdrucker; Lex. MA; NDBA; LGB; – zu Johann(es): W. Schmitz, Ein genealog. Verz. als buchgeschichtl. Qu., in: Jb. d. Köln. Gesch.ver. 58, 1987; Benzing, Buchdrucker; – zu Arnold: O. Zaretzky, Ein Q.sches Rechenbuch aus d. zweiten Hälfte d. 16. Jh., in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 93, 1912.

  • Autor

    Severin Corsten
  • Empfohlene Zitierweise

    Corsten, Severin, "Quentell, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 40-41 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd102359229.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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