Lebensdaten
1781 bis 1869
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Architekt ; Architekturschriftsteller
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 119047365 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Langhans, Karl Ferdinand

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Zitierweise

Langhans, Karl Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119047365.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Gotthard (s. 1);
    - 1) Breslau 1817 Juliane Seile ( 1828), 2) Berlin 1857 Henriette (* 1833), T d. Bierschänkers u. Viktualienhändlers Friedrich Winckel in Berlin u. d. Charlotte Henriette Wilhelmine Rohde; kinderlos.

  • Leben

    L. war Zeitgenosse von Schinkel und zeitweise sein Mitschüler bei David Gilly, dem er neben seinem Vater seine Ausbildung verdankt. Schon 1797 zum Baukondukteur|ernannt, wurde er infolge der Kriegswirren 1806 als Oberhofbauinspektor auf Wartegeld gesetzt, nahm dann seinen Abschied und bereiste Italien. In Wien war er beim Bau des Theaters an der Wien tätig. Bereits 1800-02 war er bei der Ausführung des von seinem Vater entworfenen Berliner Schauspielhauses mit dem Theaterbau in Berührung gekommen. Seit Herbst 1808 in Breslau als Privatarchitekt wirkend, wurde L. 1819 als Baurat erneut in den Staatsdienst berufen und unternahm 1828/29 eine Reise nach Frankreich und Italien. Seine Übersiedlung nach Berlin 1834 wurde durch den Auftrag zum Bau des Palais für Prinz Wilhelm ausgelöst (Unter den Linden, zerstört 1945). Seitdem erhielt er Aufträge für Theaterbauten in Liegnitz (1841 f.), Stettin (1846–49), Dessau (1855 f.) und für das Neue Theater in Leipzig (1864–68), nachdem er beim Neubau des brandzerstörten Berliner Schauspielhauses 1817 gegen Schinkel und 1833 beim Königsstädtischen Theater in Berlin gegen Karl Theodor Ottmer (s. ThB) unterlegen war. Nach dem Brand der 1741-43 von Knobelsdorff erbauten kgl. Oper in Berlin führte er seit 1845 den Wiederaufbau mit Neugestaltung des Zuschauerraumes aus. L.s Schaffen steht zwischen dem ausklingenden Klassizismus und den Anfängen des Historismus in der Berliner Architektur. Neben der Bautätigkeit hat er sich auch intensiv mit technischen Erfindungen und der Bauakustik, vornehmlich beim Theater, auseinandergesetzt. In seinen Breslauer Bauten ließ er bei der Elftausend-Jungfrauen-Kirche (1820–23), einem zwölfeckigen Kuppelbau mit Fassadenturmpaar, ital.-romanisierende Formen einfließen, die schon dem Rundbogenstil verwandt sind, und bei der Alten Börse (1822–24) traten Renaissanceelemente in Erscheinung. In Berlin hat sich L. dagegen beim Palais für Prinz Wilhelm ganz dem Schinkelschen Klassizismus verpflichtet gefühlt und bei der Grundrißgestaltung geschickt zylindrische Räume (Tanzsaal und Treppenhaus) eingefügt, die er auch bei anderen Grundrissen bevorzugte (Breslau, Loge Friedrich zum goldenen Zepter, 1816–19). Mit gleichem Stilempfinden entwarf er das Neue Theater in Leipzig mit einem Portikus über rustiziertem Erdgeschoß, breiten Flügelbauten und harmonisch aufgesetztem Bühnenhaus. Beim Zuschauerraum hatte er hier, ausgehend von der Auffassung des 18. Jh., das Logenhaus auf einen gestelzten Hufeisengrundriß gesetzt, ein Gestaltungsmittel, das in seinen meisten Theaterbauten angewandt ist. Eine besondere Bedeutung als Theaterarchitekt erlangte er mit seinem Entwurf von 1859 für das Berliner Viktoriatheater, der von Eduard Titz leider verändert ausgeführt wurde: zwei halbkreisförmige Zuschauerräume, einer als Logenhaus gedacht, der andere amphitheatralisch als Sommertheater mit zwei Rängen ausgestattet, begrenzen jede der beiden Schmalseiten eines rechteckigen Bühnenhauses, so daß das Gebäude auch zu einem großen Festsaal umgewandelt werden konnte. – Vor allem in den Theaterbauten des Wiener Büros von Friedrich Fellner und Hermann Helmer fanden die Ideen L.s seit 1873 eine Weiterentwicklung und große Verbreitung.

  • Werke

    Von den Bauten L.s wurden d. meisten im 2. Weltkrieg zerstört. - Zeichner. Nachlaß:
    TU Berlin, Planslg. d. Univ.bibl.

  • Literatur

    ADB 17;
    W. Th. Hinrichs, C. G. Langhans, 1909, S. 35, 51;
    H. Schmitz, Berliner Baumeister v. Ausgang d. 18. Jh., 21925;
    W. Rohe, K. F. L., e. Theaterbaumeister d. Klassizismus, 1934 (P);
    (E. Meffert), Das Haus d. Staatsoper u. s. Baumeister, 1942 (P);
    G. Schulz, L.s Pläne z. Nat.-Theater auf d. Gendarmenmarkt, 1954, S. 15-21;
    H. Lasch, Architekten-Bibliogr., 1962, Nr. 1753-55;
    E. Börsch-Supan, Berliner Baukunst nach Schinkel 1840–70, 1977, S. 13, 18, 612-16 (W-Verz., vorwiegend üb. Theaterbau u. deren Akustik);
    Wasmuths Lex. d. Baukunst;
    ThB.

  • Portraits

    Holzschn. in: LIZ v. 15.1.1870;
    Stich v. F. Krüger, Abb. b. Rohde u. Meffert, s. L.

  • Autor/in

    Hans Reuther
  • Empfohlene Zitierweise

    Reuther, Hans, "Langhans, Karl Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 600-601 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119047365.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Langhans: Karl Ferdinand L., Baumeister, geb. den 14. Jannar 1781 zu Breslau, Sohn des Erbauers des Brandenburger Thores in Berlin. Durch den Vater und in der Schule Friedrich Gilly's zu seinem Berufe erzogen, begab er sich zur weiteren Ausbildung auf Reisen. In Italien empfing er bestimmenden Einfluß auf seinen künstlerischen Entwickelungsgang durch das Studium der Monumentalbauten der Renaissance. 1819 zum königlichen Baurath ernannt, führte er in seiner Vaterstadt mehrere ansehnliche Bauten, vornehmlich die Börse (1824) aus. Bald nach Berlin berufen, errichtete er nach einem meisterhaft disponirten Grundrisse in den Jahren 1834—1836 das einfache, durch edle und stattliche Verhältnisse ausgezeichnete Palais des Prinzen Wilhelm von Preußen, jetzigen deutschen Kaisers, eine Schöpfung, in der sich L., ohne Schinkel's Schüler zu sein, demselben ebenbürtig erwies. Seine beim großen Theaterbau in Breslau gewonnenen Specialkenntnisse fand er Gelegenheit bei Erweiterung des Opernhauses in Berlin, welches im J. 1843 bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt war, zu verwerthen; die innere Ausstattung suchte er durch heiteren Rococoschmuck zu beleben. In Anerkennung der namhaften Verdienste, die sich L. als Theaterbaumeister erworben, wurde er in der Folge beauftragt, die Theater zu Stettin, Liegnitz, Dessau und Breslau theils neu zu errichten, theils wiederherzustellen. Die von ihm zum Victoriatheater in Berlin entworfenen Pläne|(veröffentlicht im Jahrgang 1860 der Zeitschrift für Bauwesen), welche die Möglichkeit der Umwandlung zweier Bühnen und Zuschauerräume in einen einzigen großartigen Festsaal zuließen, erlitten in der späteren Ausführung einige unerhebliche Abänderungen. Der bedeutsamste Monumentalbau von L. ist das Stadttheater zu Leipzig, welches namentlich durch den phantasievollen, mit der Parkanlage organisch verbundenen Bau der Rückseite die schöpferische Kraft des Architekten trotz seines hohen Alters bezeugte. Nachdem L. zu Anfang des Jahres 1867 das 70jährige Jubiläum seines Dienstantritts gefeiert hatte, starb er beinahe 89 Jahre alt zu Berlin am 22. November 1869.

  • Autor/in

    v. Donop.
  • Empfohlene Zitierweise

    Donop, von, "Langhans, Karl Ferdinand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 686-687 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119047365.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA