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Angern, Ferdinand Ludwig Friedrich von >>
Anger, Rudolf
Leben
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Leben ↑
Anger: Rudolf
A.
, ordentl. Professor der Theologie, außerordentl.
Prof. der Philosophie, geb. 2. Juni
1806 zu Dresden als Sohn des
Rectors der Stadtschule, † 10.
Oct. 1866. Er wurde, nachdem ihn der Vater vorbereitet
hatte, von 1821—1824 in dem Gymnasium zum h. Kreuz zu Dresden
gebildet. Von Ostern 1824 an studirte er an der Universität
Leipzig Philosophie und Theologie, indem er vorzüglich die
Professoren Niedner, Theile, Tittmann und Tzschirner hörte. Im J.
1829 wurde er zum Doctor der Philosophie promovirt, und erlangte
1830 die theologische Licentiatur mit der Schrift: "De temporum in actis apostolorum ratione caput
I.", welche vollständig, und unter bedeutender Umarbeitung
des ersten Capitels, 1833 erschien.
Im J. 1846 wurde er außerordentlicher Professor der Philosophie
und Theologie, nachdem er 1845 die theologische Doctorwürde mit
der Dissertation: "De Onkelo, chaldaico, quem
ferunt, pentateuchi paraphraste, et quid ei rationis intercedat
cum Akila, graeco Veteris Testamenti interprete, Part. I. De
Akila
|"
erlangt hatte. Mit der Particula II. "De Onkelo
quid memoriae sit proditum" trat er am 26. Mai 1846 seine
Professur an. Zur ordentlichen Professur der Theologie wurde
A.
befördert im J. 1856.
Er umfaßte mit den Vorlesungen, die er hielt, ein weites
Gebiet, theils der biblischen Wissenschaft, theils der
systematischen Theologie, indem er sowol
|alttestamentliche Bücher, wie Jesaia, kleine Propheten,
Hiob und Psalmen erklärte und die biblische Theologie des
A.
T. vortrug, als auch Hermeneutik und
historisch-kritische Einleitung in das N. T. las, das Evangelium
Matthäi, die Briefe an die Galater, Epheser, Philipper, an die
Hebräer, den Brief Jacobi erklärte. Außerdem hielt er regelmäßige
Vorlesungen über vergleichende Darstellung der kirchlichen
Lehrbegriffe, je und je auch über Glaubenslehre nebst
Dogmengeschichte. Vorzüglich aber wirkte er auf die Studirenden
durch exegetische Gesellschaften, welche er leitete, und zwar
meist ihrer zwei in einem und demselben Semester, eine der
Auslegung des Alten, und die andere der Auslegung des Neuen
Testaments gewidmet, so wie durch ein Examinatorium über Dogmatik
und Dogmengeschichte. Die Studirenden schätzten an ihm nicht nur
die ausgebreitete und gründliche Gelehrsamkeit, die kritische
Schärfe und die Klarheit seines Vortrags, sondern auch die
liebreiche Hingebung, mit welcher er sich ihnen im Amt wie im
Leben widmete. Als
A.
1863 an den Augen zu leiden anfing, und 1866 im Bade
Elster starb, ward er von Freunden und Schülern schmerzlich
betrauert. Eine Anzahl früherer und späterer Schüler hat das
Andenken des geliebten Lehrers durch eine
"Angerstiftung" für Studirende der Theologie
geehrt.
Werke ↑
Außer den bereits angeführten Schriften und einigen
Abhandlungen und Programmen hat
A.
noch herausgegeben: "Ueber den Laodicenerbrief", 1843.
"Chronologie des Lehramts Christi", Abth. I.
1848. "Synopsis evangeliorum Matthaei, Marci, Lucae". 1852
(eine Frucht ungemeinen Fleißes und musterhafter Akribie). Mit
Dindorf gab er den "Hermas", 1856, und 4 Hefte "Nachträgl.
Bemerkungen" dazu, 1856—58 heraus.
Autor ↑
G. Lechler.
Empfohlene Zitierweise ↑
Lechler, Gotthard, „Anger, Rudolf“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
458-459
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd103157697.html?anchor=adb