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NDB-Artikel

<< Diestel, Bernhard     Diesterweg, Friedrich Adolf Wilhelm >>

Diestel, Georg Heinrich

lutherisch Theologe, * 30.7.1785 Belgard (Pommern), 20.7.1854 Königsberg (Preußen).


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Gg. Ludw., Superintendent in Belgard; ledig; N Ludwig (1825–79), ev. Theologe, Alttestamentler, Ernst (1830–1903), Pädagoge in Königsberg u. Dresden; Großneffe (Sohn v. Ernst) Kurt (1862–1946), Prof. für Architektur in Dresden (s. ThB).

Leben  
Diestel studierte seit 1801 in Königsberg die Rechte und nach Unterbrechung durch eine Zeit als Hauslehrer von 1809-12 Theologie, wurde 1814 Pfarrer, 1818 Militärpfarrer und Lehrer an der Divisionsschule in Königsberg und 1827 Pfarrer an einer Stadtkirche. - Die Bedeutung Diestels liegt nur in seinem engen Verhältnis zu dem viel umstrittenen Johann Wilhelm Ebel, dem er als einziger der Königsberger Geistlichen bis zuletzt die Treue hielt. Diestel spielte wegen seiner derben Art im Kreise der Anhänger Ebels nur eine Nebenrolle. Sowohl Ebel wie Diestel, beide fraglos religiöse Anliegen verfolgend, waren seiner Zeit durch die eigentümliche Persönlichkeit und Weltanschauung des Königsberger autodidaktischen Theosophen Johann Heinrich Schönherr (1770–1826) beeinflußt worden, der durch eine dualistische Deutung des Schöpfungsvorgangs (2 „Urwesen“: „Licht und Wasser“) die volle Harmonie zwischen Vernunft und biblischer Wahrheit gefunden zu haben|glaubte. Eben diese Harmonie in Lehre und Leben zu erweisen, war auch das Anliegen Ebels, Diestels und ihres Kreises, nicht ohne daß es darin zu schwärmerischen Auswüchsen, ja auch unerfreulichen persönlichen Zwistigkeiten kam. In letzteren trat Diestel durch seine Streitschriften hervor, die sich ebenso gegen orthodoxe Buchstabengläubigkeit wie gegen pietistische Gefühlsseligkeit richteten. Die Diestel'schen Angriffe richteten sich vor allem gegen den Königsberger Theologieprofessor Hermann Olshausen, der dem Ebelschen Kreise den Rücken gekehrt hatte, und führten schließlich zur Eröffnung des berühmten Königsberger Religionsprozesses von 1835 bis 1842 (sogenannter Muckerprozeß). Der Prozeß, der wegen der Hineinziehung angesehener Persönlichkeiten viel Staub aufwirbelte, sprach zwar Ebel und Diestel von dem Vorwurf der Sektenstiftung frei, kam auch nicht zum Erweis der behaupteten sittlichen Verfehlungen, endete aber mit der Amtsenthebung der beiden Geistlichen wegen Verletzung ihrer Amtspflicht „aus grober Fahrlässigkeit“. Während Ebel mit einem Teil seiner Anhänger später nach Ludwigsburg (Würrtemberg) übersiedelte, hielt sich Diestel bis zu seinem Tode 1854 in Königsberg ruhig.

Werke  
Verstand u. Vernunft im Bunde mit d. Offenbarung Gottes, 1837 (mit J. W. Ebel); Ein Zeugenverhör im Zivilprozeß gegen d. Prediger Ebel u. D., 1838.

Literatur  
ADB V (in Art. Ebel); P. Konschel, Der Königsberger Religionsprozeß geg. Ebel u. D. auf Grund d. bis ca. 1900 versiegelten Prozeßakten, 1909; PRE. - Zu N Ludwig: ADB XLVII; PRE; Altpreuß. Biogr. I, 1941, S. 132 (L); zu N Ernst: A. Reichardt, in: BJ VIII, S. 289 f. (Tl. 1903); Altpreuß. Biogr. I, 1941, S. 132 (L).

Autor  
Bruno Schumacher
Empfohlene Zitierweise  

Schumacher, Bruno, „Diestel, Georg Heinrich“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 665 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd100106471.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 3 (1957), S. 665 f.
Erwähnungen: 
ADB 5 (1877), S. 521 in Artikel Ebel

PND: 100106471
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Index

Diestel, Georg Heinrich

Name: Diestel, Georg Heinrich
Lebensdaten: 1785 bis 1854
Geburtsort: Belgard (Pommern)
Sterbeort: Königsberg (Preußen)
Beruf/Lebensstellung: lutherischer Theologe; Schriftsteller
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Schumacher, Bruno
PND: 100106471

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Diestel, Georg Heinrich

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100106471

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