<< Dibelius, Martin Franz
Dibler, Michel >>
Dibelius, Otto Franz Wilhelm
Anglist,
* 23.4.1876 Berlin,
† 28.1.1931 Berlin.
Genealogie
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| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Otto (1842–1926),
Geh. Regierungsrat,
S des
Wilh. s. Genealogie (1);
M Marg.,
T des Pfarrers Moritz Käuffer in Gerlachsheim;
Ov Franz
s. (1);
B Otto (
1880-1967),
ev. Bischof von Berlin,
Mitgl. des Präsidiums des Weltkirchenrats
u. des Ökumenischen Rates der Kirchen,
Vors. des Rates der
ev. Kirche Deutschlands, Franz
|(
gef. 1916), Privatdozent der Archäologie in Bonn;
Vt Martin
s. (2);
⚭ 1907 Martha (
* 1884),
T des Superintendenten Johannes Daniels (
† 1931) in Eickel
u. der Bertha Nieden; 2
S, 1
T.
Leben ↑
Vorwiegend in Berlin als Schüler Alois Brandls ausgebildet, wozu der Einfluß von Lehrern wie Erich Schmidt, Paulsen und Treitschke kam, habilitierte sich Dibelius 1901 in Berlin und wurde 1903 Professor an der Königlichen Akademie in Posen, 1911 Professor am Kolonialinstitut in Hamburg. Seine weitere Laufbahn führte ihn als Ordinarius nach Bonn (1918) und schließlich nach Berlin (1925). Als Literaturhistoriker galt sein Hauptinteresse der Geschichte des englischen Romans. Seine „Englische Romankunst“ (1910,
21922) ist trotz gewisser methodischer Unvollkommenheiten eine noch heute nicht zu entbehrende Behandlung eines wenig bearbeiteten Gegenstandes. Voll gereift ist seine wissenschaftliche Auffassung dann in der ausführlichen Monographie über Charles Dickens (1916,
21926), die als eine der nicht eben zahlreichen, über das Biographische hinausgehenden abgerundeten Gesamtdarstellungen einer englischen Dichterpersönlichkeit zu den Meisterleistungen der deutschen Anglistik gehört. Seit seiner Jugend an politischen Dingen interessiert, hatte Dibelius durch seine Tätigkeit beim Kriegspresseamt während des ersten Weltkrieges Gelegenheit, Stoff für eine politische Landeskunde Englands zu sammeln, die dann 1923 erschien (England,
51929, englische Übersetzung New York und London 1930). Obwohl naturgemäß durch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte in den Einzelheiten überholt, bleibt das fesselnd geschriebene Werk der bisher gelungenste Versuch, alle Lebensbereiche eines führenden Landes der Gegenwart im Zusammenhang und aus ihren historischen Voraussetzungen zu erfassen und so zu einer Gesamtcharakteristik einer Nationalkultur zu gelangen. Dibelius wurde dadurch zum Hauptexponenten der kulturkundlichen Richtung der deutschen Anglistik. Bei einem Studienaufenthalt in Kanada, 1928, sammelte er Material für ein ähnliches Werk über dieses Land, dessen Vollendung jedoch durch seinen Tod verhindert wurde. Die Manuskripte gingen 1945 verloren.
Werke ↑
Weitere W John Capgrave
u. d. engl. Schriftsprache, in: Anglia 23
u. 24, 1901 (zuerst 1899 als
phil. Diss.); Bismarck
u. d. Aufgaben unserer Zeit, 1904; Zur Stoffgesch. d. Titus Andronicus, in: Shakespeare-
Jb. 48, 1912, S. 1-80; Zu d. Pickwick Papers, in: Anglia 35, 1912, S. 101-10; Engl.
Berr. üb. Hamburg
u. Norddtld. aus d. 16. bis 18.
Jh., in:
Zs. d.
Ver. f. hamburg.
Gesch. 19, 1917; Zum Jubiläum d. Robinson Crusoe, in: Velhagen
u. Klasings
Mhh. 33, 2, 1919, S. 209-13; Die Selbständigkeitsbewegung d. engl. Kolonien, in: Anglica, Unters,
z. engl.
Philol., A. Brandl … überreicht, = Palästra 147, 1925, S. 104-57; Mehr als 30 meist kleinere verstreute Aufsätze
zw. 1912
u. 1931; -
Hrsg.: The Cobbler's Prophecy
v. R. Wilson, in: Shakespeare-
Jb. 33, 1897, S. 3-48; seit 1922
Hdb. d. engl.-amerikan. Kultur.
Literatur ↑
Nachrufe:
A. Brandl, in: Archiv f. d.
Stud. d. neueren Sprachen 159, 1931, S. 1;
R. J., in: Die
Lit.,
Mschr. f.
Lit.-freunde 33, 1930/31, S. 393 f.
(L);
J. Albani, in: Allg. Münchener
Rdsch. 31, 1931, S. 662;
- A. Ehrenteich, W.
D. u. d.
dt.-engl. Jugendbewegung, in:
Zs. f.
franz. u. engl. Unterricht 30,1931, S. 317-20;
H. Lehmann, in: Dt.
Arb., Sudetendt.
Mschr. 30, 1931, S. 190;
-
Zu B Franz: DBJ I (
Tl. 1916,
L).
Portraits ↑
H. O. Dibelius, Köln-Riehl, Heimstätten, Haus I.
Autor ↑
Ludwig BorinskiEmpfohlene Zitierweise ↑
Borinski, Ludwig, „Dibelius, Otto Franz Wilhelm“,
in: Neue Deutsche Biographie
3
(1957), S.
632-633
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116096039.html