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NDB-Artikel

<< Roehl, Wilhelm     Röhm, Ernst Julius Günther >>

Roehler, Klaus

Schriftsteller und Lektor, * 25.10.1929 Königsee (Thüringen), 9.2.2000 Darmstadt.


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V N. N.; M N. N.; 1958 Gisela (1937–92, 2] Hans Platschek, 1923–2000, Maler, Kunstschriftst., s. NDB 20), aus Nürnberg, Schriftst. in München, Mitgl. d. westdt. PEN-Zentrums (s. Munzinger; W, L), T d. Richard Elsner, Dir. b. Siemens, u. d. Gertrud Buch; 1 S Oskar (* 1959), Journalist, Filmregisseur in Berlin, erhielt 2000 d. Dt. Filmpreis in Gold f. d. dokumentar. Spielfilm über seine Mutter „Die Unberührbare“ (s. L).

Leben  
R., der am Ende des Krieges noch zum Volkssturm eingezogen worden war, siedelte 1947 nach Westdeutschland über und arbeitete seit 1949 als Porzellandreher. 1955-57 studierte er in Erlangen Geschichte und Philosophie und debütierte erfolgreich im Okt. 1955 in Bebenhausen in der „Gruppe 47“. Seine erste Buchveröffentlichung, „Die Würde der Nacht“ (1958), zeigte R. als einen in allen modernen Techniken versierten Erzähler, der in Nahaufnahmen westdt. Alltagsszenen „die miserablen Wunden der Gesellschaft“ (Hans Magnus Enzensberger) aufzudecken verstand. In „Ein angeschwärzter Mann und andere Geschichten“ (1966) richtete der „dt. angry young man“ (Peter Härtling) seinen Blick auf „unauffällige Bürger mit ihrem auffällig gestörten Verhältnis zur geschichtlichen Wirklichkeit“ (Lothar Baier), v. a. zur NS-Vergangenheit. 1978 verband er in „Ein Blick in die Zukunft jetzt gleich, im Oktober“ Erinnerungsbilder aus den Zeiten des Kriegsendes und der antiautoritären Revolte 1968, so daß „Nazideutschland und sein Zusammenbruch als Modellfall der dt. Geschichte“ erschien (Gert Ueding). Weiterer Ausdruck seines politischen Engagements waren R.s führende Rolle als Sekretär im „Wahlkontor dt. Schriftsteller“ 1965 sowie seine Mitarbeit an der Materialsammlung „Klassenbuch, Ein Lesebuch zu den Klassenkämpfen in Deutschland“ (3 Bde., 1972). R.s letzter zu Lebzeiten veröffentlichter größerer Text, die Erzählung „Achtung Abgrund“ (1985), zog eine tief resignative Summe aus seinen Erfahrungen mit dem Literatur- und Kulturbetrieb.
Obwohl er von Richter als „hochbegabt“ geschätzt wurde, konnte R. als Schriftsteller keine anhaltende Bedeutung gewinnen. Dies ist z. T. seiner kontinuierlichen Arbeit als Verlagslektor geschuldet. Zunächst freiberuflich als persönlicher Lektor u. a. für Richter und Günter Grass tätig, trat R. 1965 in die Dienste des Luchterhand Literaturverlags in Berlin. Hier baute er ein modernes Literaturprogramm auf, für das er viele Autoren der „Gruppe 47“ gewann: R. betreute bis 1990 u. a. Ursula Krechel, Günter Herburger, Peter Schneider und Peter Bichsel. Er war ein wichtiger Organisator und Vermittler dt. Nachkriegsliteratur.

Werke  
Weitere W Triboll, Leben e. erstaunl. Mannes, 1956 (mit G. Eisner); Gisela Elsner – K. R., Wespen im Schnee, 99 Briefe u. ein Tageb., hg. v. F. Günther-Herold u. A. Drescher, 2001 (P).Hg.: Geschichten aus d. Gesch. d. BRD 1949-1979, 1980; Liebesgedichte, 1983; Das Wahlkontor dt. Schriftst. in Berlin 1965, Versuch e. Parteinahme, 1990 (mit R. Nitsche). – Drehbuch: Der 18. Geb.tag (Regie: P. Lilienthal), 1962 (mit Th. Kotulla). – Teilnachlaß: Dt. Lit.archiv, Marbach.

Literatur  
P. Härtling, Vier Debütanten u. e. Könner, in: Lit. Rdsch. 13 v. 10.12.1958; H. M. Enzensberger, in: Frankfurter Hh., 1959, H. 1; G. Blöcker, in: Tagesspiegel v. 8.3.1959; Alm. d. Gruppe 47 1947-1962, hg. v. H. W. Richter, 1962; H. Piwitt, in: K. Nonnenberg (Hg.), Schriftst. d. Gegenwart, 1963; L. Baier, in: FAZ v. 1.9.1966; G. Ueding, Loch im Zahn, ebd. v. 21.11.1978; Lothar Müller, ebd. v. 16.2.2000 (P); Dichter u. Richter, Die Gruppe 47 u. d. dt. Nachkriegslit., Ausst.kat. d. Ak. d. Künste Berlin, 1988 (P); H. W. Richter, Briefe, hg. v. S. Cofalla, 1997; K. Siblewski, in: SZ v. 15.2.2000 (P); Ch. Bartmann, ebd. v. 1.12.2001 (P); P. Bichsel, Meine Reisen mit K. R., in: Frankfurter Rdsch. v. 17.2.2000; R. Moritz, in: NZZ v. 5./6.1.2002 (P); Kürschner, Lit.-Kal. 1998; Lex. dt.sprach. Schriftst., 21974; Kosch, Lit.-Lex.3; Kussmaul; Killy.

Portraits  
Fotos v. I. Ohlbaum, in: L. Müller (s. L) u. R. v. Mangoldt, in: K. Siblewski (s. L).

Autor  
Stephan Braese
Empfohlene Zitierweise  

Braese, Stephan, „Roehler, Klaus“, in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 713 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116581883.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 21 (2003), S. 713
Erwähnungen: 
NDB 20 (2001), S. 515*

PND: 116581883
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Index

Roehler, Klaus

Name: Roehler, Klaus
Lebensdaten: 1929 bis 2000
Geburtsort: Königsee (Thüringen)
Sterbeort: Darmstadt
Beruf/Lebensstellung: Schriftsteller
Konfession: keine Angabe
Autor NDB: Braese, Stephan
PND: 116581883

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Roehler, Klaus

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116581883

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