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Pfemfert, Franz (Pseudonym U. Gaday, Dr. S. Pulvermacher, August Stech)
politischer Publizist und Schriftsteller,
* 20.11.1879 Lötzen (Ostpreußen),
† 26.5.1954 Mexico City. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V N. N. (
† um 1892), Feinkosthändler;
M Bertha
N. N.;
⚭ Sfera Chaja (
gen. Alexandra) Ramm (
* 1883), aus Staradub (Rußland),
Übers.,
Publ.; 1
T .
Leben ↑
Aufgewachsen in Berlin, absolvierte
P. nach einem – vermutlich nicht zu Ende geführten – Gymnasialbesuch eine Ausbildung zum Fotografen, betrieb autodidaktische Studien und war seit
ca. 1904 publizistisch tätig. Bis 1907 zählte er mit Senna Hoy (1883–1914) zu den Mitarbeitern der anarchistischen Zeitschrift „Der Kampf. Hierbei machte er die Bekanntschaft von Else Lasker-Schüler, Erich Mühsam und Herwarth Walden. Mit seinen für den „Kampf und die Wochenschrift „Das Blaubuch“ verfaßten Gedichtbeiträgen erstrebte er eine Aktualisierung der Vormärztradition. 1910 wurde
P. Schriftleiter des „Demokrat, Zeitschrift für freiheitliche Politik und Literatur", im Februar 1911 Gründer und Leiter der antiklerikalen und antimilitaristischen Zeitschrift „Die Aktion" sowie des gleichnamigen Verlags mit Sitz in Berlin-Wilmersdorf. Seine Frau eröffnete 1917 in Berlin die „Aktions“-Buchhandlung. Die „Aktion“, die sich als Sammelforum der verschiedenen oppositionellen linken Gruppen verstand und sich um ein Zusammenführen von Kunst und Politik bemühte, wurde zu einem wichtigen Organ des literarischen und künstlerischen Expressionismus. Entsprechend unterhielt
P. Kontakte zu Gruppen expressionistischer Künstler – wie Georg Heym und Jakob van Hoddis – und zu prominenten Politikern – wie Sophie und Karl Liebknecht, dessen Briefe und Schriften er aus dem Nachlaß herausgab. Nach dem Krieg traten literarische Themen in der „Aktion“ zurück, die von P zunehmend als politisches Forum genutzt wurde. Die Zeitschrift verlor deshalb zusehends an Bedeutung und mußte 1932 aus finanziellen Gründen eingestellt werden.
1915 gehörte
P. zu den Gründern der Antinationalen Sozialistenpartei (ASP), später unterstützte er die Politik des Spartakusbundes und der
KPD. Im Januar 1920 kam es jedoch zum Bruch mit der Partei. Noch im Frühjahr desselben Jahres war
P. an der Gründung der Kommunistischen Arbeiter-Partei (KAPD) beteiligt, aus der er jedoch 1921 wieder ausgeschlossen wurde;
u. a. hatte er ein Zusammengehen mit der Komintern abgelehnt. 1922-26 unterstützte er die Allgemeine Arbeiter-Union und sympathisierte danach mit trotzkistischen Positionen. Dadurch isolierte er sich politisch immer mehr. Im März 1933 emigrierte
P. mit seiner Frau zunächst in die ÈSR, 1936 nach Frankreich und schließlich 1940 über die USA nach Mexico City. Dort bestritt er seinen Lebensunterhalt seit 1941 als Inhaber eines Fotoateliers.
Werke ↑
Zahlr.
Aufss. u. a. in „Die Aktion“;
Gedächtnisschr. f. Rosa Luxemburg u. Karl Liebknecht, 1919;
Moskau u. wir, 1920;
Vor zehn Jahren, 1924;
Karl Liebknecht (Biografie), 1931;
Meine Erinnerungen u. Abrechnungen, 1951. –
Hg. u. a.: Aktions-Bücher d. Aeternisten.
Bde. 1-10, 1914-21;
Eine
Anthol., 1916;
Jüngste
tschech. Lyrik, Eine
Anthol., 1916;
Das Aktionsbuch, 1919;
K. Liebknecht, Briefe aus d. Felde, aus d. Unters.haft u. aus d. Zuchthaus, 1919;
K. Liebknecht,
Pol. Aufzeichnungen aus seinem Nachlaß, Geschrieben in
d. J. 1917-1918, 1921;
J. Most, Für d. Einheitsfront d. revolutionären Proletariats, Mit Einleitungen
v. R. Rocker u. F.
P., 1921.
Literatur ↑
M. George, Ein Berliner in Mexiko, In memoriam F.
P. in:
Dt. Rundschau H. 80, 1954, S. 803 f.;
O. Ihlau, Die roten Kämpfer, Ein
Btr. z. Gesch. d. Arbeiterbewegung in d. Weimarer
Rep. u. im Dritten Reich, 1969;
P. Raabe, Ich schneide d. Zeit aus, Expressionismus u.
Pol. in F.
P.s „Aktion“, 1964;
P. Lothar,
Lit. Intelligenz u. Klassenkampf, „Die Aktion“ 1911-1932, 1972;
J. D. Halliday. Karl Kraus, F.
P. and the First World War, A comparative Study of „Die Fackel“ and „Die Aktion“ between 1911 and 1928, 1986;
P. Raabe, Die Autoren u. Bücher d.
lit. Expressionismus, Ein bibliograph.
Hdb., 1992, S. 373 f.
(W-Verz., P);
C. Müller-Stratmann, Wilhelm Herzog u. „Das Forum“, „
Lit.-
Pol.“
zw. 1910 u. 1915, Ein
Btr. z. Publizistik d. Expressionismus, 1997;
M. G. Patka, Zu nahe der Sonne,
Dt. Schriftst. im Exil in Mexiko, 1999;
E.-M. Lenz, in:
FAZ v. 11.5.1999;
Altpreuß. Biogr. III;
Benz-Graml,
Biogr. Lex. z. Weimarer
Rep., 1988;
BHdE I;
Lex. sozialist. Lit., 1994
(W, P);
Dict. of Art. – Nachlaß u. d. umfangreiche Archiv d. „Aktion“ wurden 1933 beschlagnahmt u. gelten, ebenso wie d. Materialien aus d. Nachlaß nach d. Emigration, als verschollen. Einzelne Briefe u.
Dok.,
insbes. e.
unveröff. Ms. d. Schwägerin, Maria Schaefer, f. d. WDR in:
Dt. Lit.-archiv, Marbach, sowie in d. (Teil-) Nachlässen
v. Maximilian Harden (
u. a. BA Koblenz), Gottfried Kölwel (
Stadtbibl. München), Heinrich Mann (
Österr. Nat.bibl., Wien), Arthur Roessler, Else Lasker-Schüler (
u. a. in d. Wiener
Stadtbibl.).
Autor ↑
Karin BrunsEmpfohlene Zitierweise ↑
Bruns, Karin, „Pfemfert, Franz“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
330
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118812645.html