<< Andreae, Lambert
Andreas. >>
Andreas von Regensburg
Chorherr und Chronist,
* 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts,
† bald nach 1438 Regensburg.
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Andreas besuchte ab 1393 die Schule in Straubing, trat 1401 in das Kloster
St. Mang zu Regensburg ein, wurde in der Pfingstwoche 1405 zu Eichstätt zum Priester geweiht und brachte sein ganzes weiteres Leben in dem genannten Kloster als Chorherr zu, wo er als Chronist eine reiche Tätigkeit entfaltete. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die „Chronica pontificum et imperatorum Romanorum" (= A-Chronik), die er 1422 beendete, aber später bis 1438 fortsetzte; die 1425/28 verfaßte, zur gleichen Zeit ins Deutsche übertragene und bis 1436 fortgesetzte „Chronica de principibus terrae Bavarorum" (= B-Chronik); ferner die große Aktensammlung zum Konstanzer Konzil, das in sieben Bücher eingeteilte und 1422 zusammengestellte "Concilium Constanciense"; und schließlich die „Chronica Husitarum", in der Andreas die Hussitenkriege bis 1429 beschreibt. Zu den kleineren Werken sind zu rechnen der fast wertlose Auszug aus der A-Chronik, das „Compendium de condicione civitatis Ratisponensis et de diversis haereticis"; ferner eine kleine Aktensammlung zu den Salzburger und Regensburger Synoden von 1418/19, das „Concilium provinciale", und schließlich der 1430 verfaßte „Dialogus de haeresi bohemica" und der nicht erhaltene „Stammbaum der wittelsbachischen Fürsten". Einen Einblick in seine Arbeitsweise gibt uns das „Diarium sexennale", tagebuchartige Aufzeichnungen aus den Jahren 1422–27, die Andreas für die „Chronica Husitarum“ benutzte. Nach 1438 exzerpierte ein unbekannter Verfasser aus der A-Chronik Mitteilungen über Klostergründungen, die als „Fundationes monasteriorum Bavariae“ lange Zeit dem Andreas
bzw. Veit Arnpeck zugeschrieben worden sind.
Werke ↑
Fast
vollst. Ausg. v. G. Leidinger, in:
Qu. u. Erörterungen
z. bayer. u.
dt. Gesch.,
NF I, 1903; F. Palacky, Urkundl.
Btrr. z. Gesch. d. Husitenkrieges
v. J. 1419 an, 2
Bde., Prag 1873
(f. d. v. Leidinger in d. Chron. Husitarum nicht gedr. Urkk.); Monumenta Palaeographica, Denkmäler d. Schreibkunst d.
MA,
hrsg. v. A. Chroust, 1.
Abt., 1. Serie, Lieferung VI, Tafel 6
(drei Abb. aus d. Notizbuch A.s).
Literatur ↑
ADB I;
A. F. Oefele, in: Scriptores rerum Boicarum I, Augsburg 1763, S. 1-14; J. Wahl,
A. v. R., Ein Gesch.schreiber d. 15. Jh.s, Ein
Btr. z. Qu.kde. d. hussit.
Ref.,
Diss. Göttingen 1882;
Lorenz I,
31886 S. 189-93
u. ö.;
Potthast I,
21896, S. 44 f., 610; G. Leidinger, Fundationes monasteriorum Bavariae, in:
NA 23, 1898, S. 248-59, 24, 1899, S. 671-717;
Jöcher I, 1750,
Sp. 395;
A. M. Kobolt, Baier. Gelehrten-
Lex., 1795,
Sp. 41; B. Schmeidler, in:
Vf.-Lex. d. MA I, 1933,
Sp. 74-79
(L).
Autor ↑
Helmut PlechlEmpfohlene Zitierweise ↑
Plechl, Helmut, „Andreas von Regensburg“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
283
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11951737X.html
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Andreas, Valerius >>
Andreas von Regensburg
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Andreas von
Regensburg, Geschichtschreiber, geboren am
Ausgang des 14. Jahrhunderts, † um die Mitte des 15., hat außer
seinen Werken wenige Spuren seines Lebens zurückgelassen. Nach
einer Angabe Aventin's, gegen deren Richtigkeit jedoch manche
Gründe sprechen, wäre er ein geborener Böhme, Namens von Broda.
Nachdem er in seiner Jugend die Schule zu Straubing besucht und in
der Pfingstwoche des Jahres 1405 zu Eichstädt die Priesterweihe
empfangen hatte, trat er 1410 im Kloster St. Mang in einer
Vorstadt von Regensburg in den Orden der regulirten Chorherren.
Regensburg stand damals noch unter dem Einflusse der von Albert
dem Großen angeregten, von Konrad
|von Megenberg
fortgepflanzten, auf Polyhistorie gerichteten literarischen
Rührigkeit, deren Vorbilder auf
A.
gewirkt haben werden. Aus dem Jahre 1422 rühren seine
Erstlingswerke, eine kleine Schrift, betitelt: "De statu urbis Ratisbonensis antiquo et de variis
haeresibus" und ein "Chronicon
generale" in welchem er hauptfächlich den Martinus Polonus,
um mit seinem eigenen Worte zu sprechen, "ausgepluet," aber auch
manche brauchbare eigenthümliche Nachrichten gesammelt hat. Durch
diese Werke zog der Verfasser die Aufmerksamkeit des Herzogs
Ludwigs des Gebarteten von Baiern-Ingolstadt auf sich, der ihn mit
der Abfassung seines Hauptwerkes beauftragte, des "Chronicon de ducibus Bavariae", und so der
Geschichtschreibung jene Förderung angedeihen ließ, welche für die
Wittelsbachischen Fürsten fortan traditionell geworden ist. Das
Werk, das als "Chronickh von den Fürsten zu Bayrn" von
A.
selbst ins Deutsche übertragen wurde, zeigt in der
Darstellung ganz die Unbehilflichkeit, aber auch Treuherzigkeit
der Zeit; in den älteren Abschnitten enthält es zahlreiche
Fabeleien, wie es denn z. B. die Baiern aus Armenien einwandern
läßt und den Namen des baierischen Nordgaues von einem baierischen
Fürsten Norix, Sohn des Hercules, ableitet; für die jüngeren
Zeiten aber ist es eine unserer werthvollsten Quellen, so daß
Aventin dadurch veranlaßt wurde, dem
A.
den Ehrentitel eines baierischen Titus Livius zu
geben. Die deutsche Chronik der baierischen Fürsten reicht bis zum
Jahre 1452, die lateinische nur bis 1439, bei welchem Jahre die
bis 1486 geführte Fortsetzung eines anderen Regensburger
Priesters,
Leonhard Pauholtz von
Osterchoven, anknüpft. Dem "Chronicon
generale" hat
A.
selbst durch das sogenannte "Diarium sexennale", das die Jahre 1422—1427
umfaßt, eine Fortsetzung gegeben. Um ein Jahr weiter reicht ein
ebenfalls von
A.
verfaßtes "Chronicon episcoporum
Ratisbonensium" 1431 ging
A.
als Gesandter seines Klosters zu Herzog Ernst nach
Straubing und wußte dort, wie er selbst mit großem Behagen
erzählt, dessen Interesse an seiner Chronik mit mönchischer
Schlauheit zu Gunsten eines Rechtsanspruches seines Klosters zu
verwerthen.
A.
eröffnet die Reihe der Vorgänger Aventin's, jener
Chronisten, welche in Baiern im Laufe des 15. Jahrhunderts, meist
von den Fürsten angeregt oder unterstützt, so zahlreich auftraten,
wie um diese Zeit kaum in einem anderen deutschen Lande. Sein
Todesjahr ist unbekannt. Von seinen Werken sind die meisten im
ersten Bande von Oefele's "Scriptores rerum
Boicarum", die deutsche Chronik der baierischen Fürsten im
zweiten Bande der Sammlung historischer Schriften von v. Freyberg
gedruckt.
Autor ↑
Riezler.
Empfohlene Zitierweise ↑
Riezler, Sigmund Ritter von, „Andreas von Regensburg“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
448-449
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11951737X.html?anchor=adb
Andreas von Regensburg
Name: Andreas von Regensburg
Lebensdaten: 2. Hälfte 14. Jahrhundert bis 1438
Sterbeort: Regensburg
Beruf/Lebensstellung: Chronist; Chorherr
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Plechl, HelmutAutor ADB:
Riezler, Sigmund Ritter vonPND: 11951737X