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Dernburg, Heinrich >>
Dernburg, Bernhard Jakob Ludwig
Kolonialpolitiker,
* 17.7.1865 Darmstadt,
† 14.10.1937 Berlin-Grunewald. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Friedrich (1832–1911), Hofgerichtsadvokat in Darmstadt, Gegner Dalwigks im hessischen Landtag,
nat.-
lib. Reichstagsabgeordneter 1871-81, Chefredakteur des Berliner Tagblattes
u. der Nationalzeitung 1875-91, Schriftsteller,
S des Jakob
s. Genealogie (2);
M Louise (
* 1842),
T des Pfarrers
Frdr. Ludw. Stahl, aus hessischer Pfarrersfamilie,
u. der Mathilde Huth aus Frankfurt/Main;
Ov Heinr. s. (2);
B Hermann (1868–1935), Architekt in Berlin (
s. Rhdb.,
P);
Schwester Emma (
⚭ Johannes Biermann [
gef. 1915],
Prof. der Rechte in Gießen,
s. DBJ I [
Tl. 1915,
W,
L]);
⚭ Berlin 1891 Emma (1860–1941),
T des Gutsverwalters Franz Seliger in Bublitz (Pommern), aus Pfarrersfamilie,
u. der Betty Jantzen;
Schwager Prof. Max Seliger (1865–1920),
Dir. der
Ak. für graphische Künste
u. Buchgewerbe in Leipzig (
s. DBJ II [
Tl. 1920,
L]); 3
S, 4
T,
u. a. Dorothea (
⚭ Aug. Vetter [
* 1887],
Prof. der Psychologie in München), Friederike (
⚭ Walther Wieland [
* 1888],
GenDir. im Stinnos-Konzern
u. Stumm-Konzern).
Leben ↑
Nach seiner Schulzeit in einem Berliner Gymnasium ging Dernburg bei der Berliner Handelsgesellschaft in die Lehre. Anschließend war er mehrere Jahre in einem New Yorker Bankhaus tätig. Nach Deutschland zurückgekehrt wurde Dernburg Sekretär der Deutschen Bank und 1889-1901 Direktor der Deutschen Treuhandgesellschaft. 1901 übernahm er einen Posten als Direktor der Bank für Handel und Industrie in Berlin. Die Berufung dieses prononcierten Vertreters des Bankwesens zum Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes 1906 war eine Konzession an die liberalen Elemente des Reiches und leitete
|eine neue, stärker von kaufmännischem Geist erfüllte Ära deutscher Kolonialpolitik ein. Die Ablehnung des Planes auf Verselbständigung des Kolonialamtes und die Attacken des linken Zentrumflügels auf die Kolonialverwaltung, die Dernburg mit Energie und großem Geschick verteidigte, gaben den äußeren Anlaß zur Reichstagsauflösung vom 13.12.1906, den „Hottentottenwahlen“ und die anschließende Neugruppierung der Innenpolitik des Reiches im „Bülow-Block“, einer Zusammenarbeit konservativer und liberaler Kräfte unter Ausschaltung des Zentrums. 1907 wurde Dernburg der erste Staatssekretär des neugebildeten Reichskolonialamtes. Seine Politik einer stärkeren Heranziehung des Finanzkapitals zur Erschließung der Kolonien hatte ein Sinken der Reichszuschüsse und eine Steigerung des Exportes der Kolonien zur Folge. Die Privilegierung großer Kapitalgesellschaften führte aber auch zu heftigen politischen Angriffen des Zentrums und konservativer und nationalliberaler Kreise, die Dernburg 1910 zum Rücktritt zwangen. Dernburgs Einführung kaufmännischer Gesichtspunkte in die deutsche Kolonialverwaltung beendete eine Periode der Stagnation in der Entwicklung der deutschen Kolonien und war der erste Ansatz zu einer rationelleren ökonomischen Erschließung des deutschen Kolonialbesitzes. Nach dem Zusammenbruch 1918 war Dernburg im inneren Führungsring der Demokratischen Partei, Mitglied der Nationalversammlung und vom April bis Juni 1919 Reichsfinanzminister und Vizekanzler im Kabinett Scheidemann. Aus Protest gegen den Versailler Vertrag von seinem Posten zurückgetreten, war Dernburg 1920-30 Reichstagsabgeordneter, um sich dann vom aktiven politischen Leben zurückzuziehen.
Werke ↑
u.a. Koloniale Finanzprobleme, Vortrag, 1907; Zielpunkte d.
dt. Kolonialwesens, 2 Vorträge, 1907; Südwestafrikan. Eindrücke, 1909.
Literatur ↑
G. Stresemann, in: Magdeburger
Ztg. v. 11.6.1910;
F. Pinner, in: Dt. Wschft.sführer, 1924, S.135 bis 141;
Th. Heuss,
Frdr. Naumann, 1937, S. 321 f.;
G. F. Hallgarten, Imperialismus vor 1914, 1951, II, S. 37
ff., 60
ff., 172 f.;
Rhdb.;
Stark polemisch sind: M. Erzberger, Millionengeschenke, Die Privilegienwschft. in Südwestafrika, 1910;
P. Rohrbach,
D. u. d. Südwestafrikaner, 1911. -
Zu V Frdr.: BJ XVI (
Tl. 1911,
L);
Kosch, Lit.-Lex.Autor ↑
Gerhard A. RitterEmpfohlene Zitierweise ↑
Ritter, Gerhard A., „Dernburg, Bernhard Jakob Ludwig“,
in: Neue Deutsche Biographie
3
(1957), S.
607 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118677861.html
Dernburg, Bernhard
Name: Dernburg, Bernhard
Namensvariante: Dernburg, Bernhard Jakob Ludwig
Lebensdaten: 1865 bis 1937
Geburtsort: Darmstadt
Sterbeort: Berlin-Grunewald
Beruf/Lebensstellung: Kolonialpolitiker
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Ritter, Gerhard A.PND: 118677861