<< Plöchl, Willibald Maria
Plößl, Simon >>
Ploennies, Erich Philipp von
Baumeister, Mathematiker, Kartograph,
* 1.3.1672 Speyer,
† 28.7.1751 Siegen. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus Lübecker
Patrizierfam.;
V Friedrich (1631–86),
Dr. iur.,
fürstl. zell. u.
hann. Rat, Advokat u. Prokurator am Reichskammerger. zu Speyer,
S d. Friedrich (1607–86), Ratsherr in Lübeck, u. d. Anna Gruels;
M Euphrosina Brunner;
⚭ 1707 Anna Magdalena Ernst, aus Wesel; 6
K ,
u. a. Georg Friedrich (1708–62,
kaiserl. Bestätigung d. Adels- u. Ritterstandes 1740),
Dr. iur.,
kaiserl. Kammarger.advokat in Wetzlar;
Ur-E August (1796–1847,
⚭ Luise Leisler, 1803–72, Dichterin, s.
ADB 26);
Urur-E Wilhelm (1828–71), Mil.schriftst. (s.
L).
Leben ↑
Nach dem Studium in Halle, Leipzig und Jena, das vor allem der Mathematik gegolten hatte, begab
P. sich auf eine dreijährige Studienreise nach Holland, England und Frankreich. 1698 kehrte er nach Darmstadt zurück, wo
Lgf. Ernst Ludwig von Hessen Darmstadt (1667–1739) ihn bereits 1695 zum Baudirektor ernannt hatte. Dort befaßte er sich mit Planung und Bau der „Neuen Vorstadt“, die nach dem Vorbild von Erlangen Immigranten
|anziehen sollte. Seit 1701 war er auch Professor für Mathematik an der
Univ. Gießen und unterhielt im Auftrag des Landgrafen ein chemisches Laboratorium, in dem er
v. a. Heilmittel herstellte. 1705 mußte
P. Gießen aus unbekannten Gründen fluchtartig verlassen, blieb aber mit dem Landgrafen bis an dessen Lebensende in Kontakt. Nach einem Aufenthalt in Holland ließ sich
P. 1706 oder 1707 in Wesel nieder. 1708 oder 1709 erhielt er von
Kf. Johann Wilhelm von der Pfalz (1658–1716) den Auftrag, die
rhein. Herzogtümer erstmals topographisch aufzunehmen. Die dazu nötigen Kenntnisse hatte er von dem Jenaer Mathematiker Erhard Weigel (1625–99) erworben. Die 1715 fertiggestellte „Topographia Ducatus Montani“ enthält eine Übersichtskarte, Karten der einzelnen Verwaltungsbezirke (Ämter), eine knappe, systematische Landesbeschreibung sowie Stadt- und Gebäudeansichten. Das Werk sollte politisch-administrativ und fiskalisch genutzt werden, wurde jedoch nie gedruckt und wenig verwendet. Die anschließende Vermessung des
Hzgt. Jülich wurde 1716 vorzeitig abgebrochen. Im Frühjahr ernannte
Gf. Friedrich Wilhelm Adolf von Nassau-Siegen (1691–1722)
P. zum „Geographo und Baudirektor“ mit der Aufgabe, eine Generallandesvermessung vorzunehmen. Auch hierfür waren fiskalische, wirtschaftliche und verwaltungsreformerische Motive maßgebend. Das Kartenwerk, an dem
P. bis 1726 arbeitete und in dem
ca. ein Drittel des Landes erfaßt wurde, enthält die vier Ämterkarten des Fürstentums, 19 Gomarkungskarten von Dorfschaften (davon 16 erhalten) und Akten über die Bergbauwirtschaft (Haubergsverz., Markbeschreibungen, Markbücher). Besonderen Wert legte
P. auf genaue Grenzbeschreibungen. Besitzverzeichnisse und Listen von Steuer- und Abgabearten. Seit 1726 war er ausschließlich als Baudirektor tätig (
u. a. Hofkirche u. Vollendung d. Unteren Schlosses in Siegen). Bis zu seinem Lebensende blieb
P. in brieflichem Kontakt mit
engl. Quäkergemeinden.
Werke ↑
In rebus mathematicis bene versatis geometris, geometrae amatoribus, mechanicis etc. solutionem problematis diu desideratam, nempe: peripheriae circuli tam integrii […] communicat, 1724;
Topographia Ducatus Montani (1715), 2 T., 1988,
hg. u.
bearb. v. B. Dietz.
Literatur ↑
W. Güthling, in: Nassau.
Lb. III, 1948, S. 153-64
(W, L);
ders., in: Siegerland 45, 1968, S. 13-21;
B. Dietz,
P., Leben u. Werk e. Baumeisters,
Math. u. Kartographen in d. Frühaufklärung,
Diss. Siegen 1993;
ders., E. P.
P., Leben u. Werk e.
math. Praktikers d. Frühaufklärung, 1996,
ders. Staatsbeschreibung u. spezielle Geographie, Werke u. Konzeptionen d.
math. Praktikers E. P.
P. (1672-1751), in: Der „mathematicus“, Zur Entwicklung u. Bedeutung e. neuen Berufsgruppe in d. Zeit Gerhard Mercators,
hg. v. I. Hantsche, 1996, S. 281-301;
Nassau Biogr. -
Zu Wilhelm: K. Noack, in: Hess.
Biogr. III, 1934, S. 48-53;
L. Clemm, in: Vom Geist e. Stadt, 1956, S. 243-50;
K. Esselborn, in: Hess.
Ll., 1979, S. 364-80.
Autor ↑
Uta LindgrenEmpfohlene Zitierweise ↑
Lindgren, Uta, „Ploennies, Erich Philipp von“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
546 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119153807.html