<< Plieninger, Theodor
Plischke, Hans Hermann Joseph >>
Plievier (bis 1933 Plivier), Theodor Otto Richardis
Romancier, Publizist,
* 17.2.1892 Berlin,
† 12.3.1955 Avegno (Tessin). (konfessionslos)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Theodorus Roulof (1850 ?-1918), Feilenhauer in
B.;
M Albertine Luise Auguste Thing (1855 ?-1928 ?);
⚭ 1) Berlin 1920 (
⚮) Maria Stoz, 2) 1931 (
⚮) Hildegard
N. N. (1900–70,
⚭ 1] Erwin Piscator, 1893–1966, Theaterleiter, Regisseur, s.
NDB 20), aus Königshütte (Oberschlesien),
Schausp.,
Schriftst. (s.
Kosch, Lit.-Lex.;
Killy;
Oberschles. Lit.-Lex.), 3) 1950 Margarete Grote (
* 1920); 2
S aus 1), 1
T aus 1) (früh +), 1
T aus 3).
Leben ↑
Im Berliner Arbeiterviertel Wedding wuchs
P. in einer Handwerkerfamilie auf. Früh begann er sich für Literatur und Philosophie zu interessieren; 1909 publizierte er erstmals in einem anarchistischen Blatt, brach eine Ausbildung zum Stukkateur ab und fuhr als Matrose zur See. Im 1. Weltkrieg diente er in der Marine, die er 1918 nach der Teilnahme am Wilhelmshavener Matrosenaufstand verließ. Nach Kriegsende engagierte sich
P. vor allem publizistisch. Von Friedrich Nietzsche und Michael Bakunin inspiriert, setzte er sich für einen individualistischen Anarchismus ein, an den sich indes kaum konkrete politische Ziele knüpften. Er betrieb einen Flugschriftenverlag und betätigte sich als unabhängiger Wanderredner. Seit der Mitte der 20er Jahre schränkte
P. die agitatorischen Tätigkeiten ein, um sich vermehrt der literarischen Arbeit zu widmen. Sein erster Roman, den Erwin Piscator mit
P. als Darsteller auf die Bühne brachte, wurde ein großer Erfolg; „Des Kaisers Kulis“ (1930) erinnert in lakonischem Stil und unter Verwendung von authentischem Material an die Kujonierung und Revolte der Marinematrosen in der Kriegs- und Nachkriegszeit. Auch der Roman „Der Kaiser ging, die Generäle blieben“ (1932) befaßt sich in einer Mischung aus Fiktion und Dokumentation mit dem Untergang des Kaiserreichs.
Hitlers Machtübernahme zwang
P. zur Emigration, die ihn über die Tschechoslowakei, Frankreich und Schweden in die Sowjetunion führte. Konflikten mit der kommunistischen Zensur entging
P., indem er seine literarische Produktion auf Abenteuererzählungen beschränkte. Als sich die
sowjet. Literaturpolitik gegen Ende des Krieges wandelte, entstand auf der Grundlage von Aussagen und Aufzeichnungen von Wehrmachtssoldaten der dokumentarische Roman „Stalingrad“ (1945). Das später als Theaterstück und Fernsehspiel inszenierte Buch, das anhand zahlreicher Einzelschicksale an den Untergang der 6. Armee erinnert, wurde zu
P.s erfolgreichstem Werk. Seit 1943 Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland, ging
P. 1945 in die Sowjet. Besatzungszone. Da er die dortigen politischen Verhältnisse zunehmend als autoritär erlebte, übersiedelte er nach zweijähriger Tätigkeit als Verlagsleiter, Landtagsabgeordneter und Landesleiter des Kulturbundes zunächst in die Westzonen und nach 1953 in die Schweiz. Hier vollendete
P. die Romane „Moskau" (1952) und „Berlin" (1954), die er mit „Stalingrad“ zur Trilogie „Der große Krieg im Osten“ zusammenfaßte.
Ohne sich einer Partei anzuschließen oder einer Ideologie unterzuordnen, trat
P. zeitlebens für die Würde des Individuums ein. Vor allem in den schonungslosen Kriegsschilderungen seiner Dokumentarromane gelang ihm die aufrüttelnde Anklage gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Opferung des einzelnen.
Werke ↑
Weitere W
Anarchie, 1919;
Weltwende, 1923;
Zwölf Mann u. e. Kapitän,
Erz., 1929;
10.
Nov. 1918, 1935;
Das
gr. Abenteuer, 1936;
Im letzten Winkel d. Erde, 1941;
Haifische, 1946;
Ich bin d. Weg, Revolutionäre Flugschrr. 1922–25, 1983.
Literatur ↑
H. Wilde, T.
P., Nullpunkt d. Freiheit,
Biogr., 1965;
H.-H. Müller u. W. Schernus, T.
P., Eine
Bibliogr., 1987;
A. M. Stein, The Anarchist Writer and Communist Politics, Conflict and Continuity in the Work of T.
P., 1998;
W. Sternfeld,
Dt. Exil-Lit.;
Lex. sozialist. Lit.;
BHdE II;
Killy;
Kürschner, Lit.-Kal.;
Kosch, Lit.-Lex.3.
Portraits ↑
Totenmaske, Terracotta (Marbach,
Dt. Lit.archiv),
Abb. in:
Archiv d. Gesichter, Toten- u. Lebendmasken aus d. Schiller-
Nat.mus., 1999, S. 221 u. 357;
Klimesch.
Autor ↑
Tom KindtEmpfohlene Zitierweise ↑
Kindt, Tom, „Plievier, Theodor Otto Richardis“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
544 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118641719.html
Plievier, Theodor
Name: Plievier, Theodor
Namensvariante: Plivier, Theodor Otto Richardis
Namensvariante: Plievier, Theodor Otto Richardis
Namensvariante: Plivier, Theodor
Lebensdaten: 1892 bis 1955
Geburtsort: Berlin
Sterbeort: Avegno (Tessin)
Beruf/Lebensstellung: Schriftsteller
Konfession: keine Angabe
Autor NDB:
Kindt, TomPND: 118641719