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NDB-Artikel

<< Pleyel, Ignaz Joseph     Plieningen, Dietrich von >>

Pleyer, Kleo (Kleophas) Franz

Historiker, politischer Schriftsteller, * 19.11.1898 Eisenhammer (Kreis Kralowitz, Westböhmen), 26.3.1942 bei Staraja Russa/Ilmensee (Rußland).


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Joseph ( 1930), Hammerschmied; M Barbara Löser ( 1928); 9 Geschw, u. a. Wilhelm (1901–74), Dr. phil., Schriftst., 1926-28 Gaugeschäftsführer d. Dt.-Nat. Partei d. ČSR (s. L); – Luitgard N. N.; K .

Leben  
Der Ausbruch des 1. Weltkriegs verhinderte P.s Absicht, nach dem Besuch der Handelsschule die Hochschulreife autodidaktisch nachzuholen. 1916 eingezogen, kam er Ende 1917 von der Italienfront ins Lazarett nach Innsbruck. Den Zusammenbruch der Habsburger Monarchie erlebte er felddienstunfähig in einer Garnison in Ungarn. Nach dem Krieg war P. als Jugendfunktionär in die deutsch-tschech. ethnischen Auseinandersetzungen verwickelt. Seit 1919 besuchte er die Egerländer Volkshochschule in Dölitz, wo er sich unter dem Einfluß der Jugendbewegung zum nationalistischen Lyriker im Dienst der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei der Tschechoslowakei (DNSAD) entwickelte. 1920 ging er als Parteiredner für die DNSAP nach Prag, holte das Abitur nach und studierte seit 1922 an der dortigen Deutschen Universität Germanistik, Slawistik und Philosophie. Als Führer der Deutschen Studentenschaft in Prag organisierte P. einen Studentenstreik gegen den jüd. Universitätsrektor Samuel Steinherz (1857–1942) und setzte sich – nach herausfordernden Attacken gegen marxistische und jüd. Hochschullehrer seiner Universität relegiert – im Okt. 1923 nach München ab, wo er an Hitlers Putschversuch teilnahm. Er agitierte als Leiter des völkischen „Hochschulringes Deutscher Art“ und redigierte u. a. die „Deutschen Akademischen Stimmen“. Als politischer Agitator 1924 aus Bayern ausgewiesen, studierte P. bei Johannes Haller in Tübingen, wo er 1925 über „Die Politik Nikolaus' V.“ (1927) promoviert wurde. Nach Beteiligung an politischen Pöbeleien gegen den Pazifisten Emil Gumbel (1891–1966) stand er dort unter der Anklage des Landfriedensbruchs auch vor Gericht. 1926 ging P. als Assistent von Max Hildebert Boehm (1891–1968) an das Berliner Institut für Grenz- und Auslandsstudien, gründete den Volkswirtschaftlichen Arbeitskreis des „Vereins für das Deutschtum im Ausland“ (VDA), war seit 1928 Assistent von Martin Spahn (1875–1945), 1930-33 Dozent an der Berliner Hochschule für Politik, anschließend an der Berliner Universität. Nach Studienaufenthalten 1928 und 1931 in Frankreich habilitierte er|sich 1934 bei Hermann Oncken (1969–1945) und erhielt 1937 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte in Königsberg; 1939 wurde er an die Univ. Innsbruck berufen. Bereits seit 1935 war P. Mitarbeiter und Beiratsmitglied des Reichsinstituts für die Geschichte des neuen Deutschlands. Unmittelbar vor Kriegsausbruch meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht. Er fiel als Oberleutnant und Kompaniechef. Tagebuchaufzeichnungen über seine Kriegserlebnisse gingen in sein letztes Buch „Volk im Feld“ (1943) ein.
Der Begriff des Volkes war für den in den ethnischen Spannungen der Tschechoslowakei aufgewachsenen, „großdeutsch" denkenden Deutsch-Böhmen einer der zentralen Punkte seiner wissenschaftlichen Bemühungen. Ergänzend zur Erforschung der Oberschichten forderte er von der Geschichtswissenschaft die Einbeziehung der „Arbeiter- und Bauerngeschichte" in die bisherigen Denkkategorien von „Staatsnation" und „Kulturnation". Im üblichen Stil antisemitischer Argumentation stellte er dabei der „wahren“ „Volks“-Demokratie und dem anständigen Kapitalismus der Krupp, Siemens und Borsig die angeblich vom jüd. Kapital beherrschte „falsche“ parlamentarische Demokratie und den schädlichen Kapitalismus der Rotschild, Tietz und Wertheim gegenüber, gegen die es das überlegene deutsche Volkstum kämpferisch durchzusetzen gelte.

Werke  
Weitere W Weiße Sturmglocken, Ein völk. Buch, 1921; Wintersonnenwende, Ein völk. Zeitwerk, 1922; Sudetenraum u. Dt.-Österr., in: Zs. f. Geopol. 5, 1928, S. 394-402; Die Landschaft im neuen Frankreich, Stammes- u. Volksgruppenbewegung im Frankreich d. 19. u. 20. Jh., 1935 (Habilschr.); Hochschullehrer im gesamtdt. Kampf, in: Volksdt. Gestaltung, 1935, S. 63-67; Friedrich d. Gr., Maria Theresia u. Katharina II. in ihrer volksgeschichtl. Verbundenheit, in: Vergangenheit u. Gegenwart 25, 1935, S. 466-79; Großdt. Bauern- u. Arbeitergesch., ebd., 11. Erg.-H., 1939, S. 78-83; Die Reichweite d. dt. Ref., in: HZ 153, 1936, S. 272-305; Prinz Eugen in gesamtdt. Sicht, in: Dt. Arbeit, 1936, S. 157-68; Die Kräfte d. Grenzkampfes in Ostmitteleuropa, 1937; Das Judentum in d. kapitalist. Wirtschaft, in: Forsch, z. Judenfrage 2, 1937, S. 154-69; Stein u. Stadion, in: FS Srbik, 1938; Wesen u. Notwendigkeit d. gesamtdt. Gesch.betrachtung, in: Dt. Volkserziehung, 1938/39, S. 2-5; Gezeiten d. dt. Gesch., 1939; Die kapitalist. Wirtsch. im Dorf, in: Die Arbb. d. XIV. Internat. Soziologen-Kongresses Bukaresti, hg. v. D. Gusti, 1940/41, S. 59-72.

Literatur  
H. Steinacker, in: Dt. Archiv f. Landes- u. Volksforsch. 6, 1942, S. 1-4; R. v. Kracht, in: Sudetendt. Mhh., 1942, S. 212-15; W. Frank, K. P., Ein Kampf um d. Reich, in: HZ 166, 1942, S. 507-53; M. H. Böhm, in: Nat.kirche u. Staat 15, 1941/42, S. 372- 75; Th. Schieder, in: Jomsburg 6, 1942, S. 133-37; A. Ernstberger, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in d. Sudetenländern 81, 1943, S. 101; H. Heiber, Walter Frank u. sein Reichsinst. f. d. Gesch. d. neuen Dtld.s, 1966; G. Oberkofler, Die geschichtl. Fächer an d. Univ. Innsbruck, 1969, S. 151-53; W. Oberkrome, Volksgesch., Method. Innovation u. völk. Ideologisierung in d. dt. Gesch.-wiss. 1918-1945, 1993; ders., Historiker im „Dritten Reich“, Zum Stellenwert volkshist. Ansätze zw. klass. Pol. u. neuerer Sozialgesch., in: GWU 50, 1999, S. 74-98; M. Fahlbusch, Wiss. im Dienst d. nat.soz. Pol.? Die Volksdt. Forsch.gemeinschaften v. 1931 bis 1945, 1998; Kürschner, Gel.-Kal. 1940/41; Giebisch-Gugitz; Kosch, Biogr. Staatshdb.; ÖBL; Biogr. Lex. Böhmen; W. Weber, Biogr. Lex. z. Gesch.wiss., 21987; H. Weiß (Hg.), Biogr. Lex. z. Dritten Reich, 21998 (auch zu Wilhelm).

Autor  
Hermann Weiß
Empfohlene Zitierweise  

Weiß, Hermann, „Pleyer, Kleo Franz“, in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 541 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116245263.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 20 (2001), S. 541 f.

PND: 116245263
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Index

Pleyer, Kleo

Name: Pleyer, Kleo
Namensvariante: Pleyer, Kleophas Franz
Lebensdaten: 1898 bis 1942
Geburtsort: Eisenhammer (Kreis Kralowitz, Westböhmen)
Beruf/Lebensstellung: Historiker; NS-Agitator
Konfession: keine Angabe
Autor NDB: Weiß, Hermann
PND: 116245263

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Pleyer, Kleo

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116245263

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