<< Plettenberg von, Wolter
Plettner, Bernhard >>
WilhelmFerdinand Graf zu Plettenberg und Wittem (Reichsgraf 1724)
kurkölnischer Minister und Obristhofmeister,
* 27.7.1690 Lenhausen bei Plettenberg (Westfalen),
† 18.3.1737 Wien. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Literatur
| Quellen
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Adolph
Frhr. v. P. zu Lehnhausen u. Bergstrasse (1655–1695),
kurköln. Kämmerer u.
GR,
S d. Bernhard (1615–81) u. d. Odilia
v. Fürstenberg zu Schnellenberg u. Waterlap (1617–83);
M Franziska Theresia Gundula (1667–1722),
T d. Degenhardt Adolph
Frhr. v. Wolff-Metternich zur Gracht (1616–68),
kurköln. GR u. Oberstallmeister, u. d. Margaretha Alexandrina
v. Honsbrock zu Oistham (1630–77);
Ov Friedrich Christian (1644–1706), seit 1688
Bf. v. Münster (s.
ADB 53;
Gatz II); -
⚭ Münster 1712 Bernhardina Alexandrina Felicitas (1695–1757),
T d. Dietrich Conrad Adolph
|Frhr. v. Westerholt zu Lembeck (1658–1702) u. d. Maria Anna Theodora Waldbott
v. Bassenheim zu Gudenau (1665–1742); 1
S Franz Joseph Anton
Gf. v. P. (1714-79),
kaiserl. Kämmerer u.
GR, 1
T Bernhardina (1719–69,
⚭ Joseph Franz Bonaventura Kilian
Gf. v. Schönborn-Wiesentheid, 1708–72,
kurmainz. GR, Vicedom zu Aschaffenburg).
Leben ↑
Nach dem Tod seines älteren Bruders verzichtete
P. 1712 auf seine Paderborner Dom-präbende und erbte eines der größten Rittergüter Westfalens. Fortan residierte er in dem von seinem Onkel Friedrich Christian, Fürstbischof von Münster, erbauten prunkvollen Schloß Nordkirchen. Mit der Herrschaft fiel ihm als Erbmarschall des Stifts Münster der Vorsitz der dortigen Ritterschaft zu. 1713 wurde er zum Geheimen Rat im Fürstbistum Münster ernannt. Eingebunden in ein umfassendes verwandtschaftliches Beziehungsnetz, wurde
P. in den folgenden Jahren eine bestimmende Persönlichkeit in den Domkapiteln des nordwestl. Reichsgebietes. Durch finanzielle Zuwendungen konnte er 1719 im Auftrag des
bayer. Kf. Max Emanuel und des
Kf. Joseph Clemens von Köln, die Bischofswahlen in Münster und Paderborn erfolgreich für den Wittelsbacher Clemens August (1700–61) gestalten. Dieses Engagement brachte
P. den Titel eines
kurbayer. und
kurköln. Geheimen Rats und ließ ihn zum politischen Mentor des jungen Fürstbischofs werden, zu dessen Gunsten er auch die Bischofswahlen in Köln (1722/23), Hildesheim (1724) und Osnabrück (1728) beeinflussen konnte. Als Geheimer Rat und Obristkämmerer, später als Obristhofmeister (1731) lenkte er bis 1733 die Geschicke Kurkölns in eigener Regie. Von seinem Bonner Stadtpalais aus, das Clemens August ihm geschenkt hatte, regelte
P. die administrativen Angelegenheiten und legte die politischen Leitlinien im Verhältnis zu den auswärtigen Mächton fest. Lavierte
P. dabei zunächst zwischen dem
franz. König und dem Kaiser, so löste er schließlich – in Hoffnung auf den neu zu besetzenden Posten des Reichsvizekanzlers – Kurköln aus der traditionellen Bindung an Kurbayern und wandte sich um 1730 endgültig dem Kaiser zu. Zusammen mit den beiden anderen geistlichen Kurfürsten ebnete
P. 1732 den Weg für die Zustimmung des Reichstags zur Pragmatischen Sanktion. Er verhalf Clemens August zur Würde des Hochmeisters des Deutschen Ordens.
P.s politischer und sozialer Aufstieg in
kurköln. Diensten korrespondierte mit einem gesteigerten Aufwand für Repräsentation. Er holte namhafte Künstler und Handwerker aus Westfalen und Bonn nach Nordkirchen, wo er sein Schloß mit erheblichen Kosten fertigstellte. Er beeinflußte auch die Repräsentationsformen Clemens Augusts,
u. a. indem er den von ihm protegierten
westfäl. Architekten Johann Conrad Schlaun an dessen Hof vermittelte.
P. ließ sich von den bedeutendsten Malern seiner Zeit porträtieren und richtete in seinem Bonner Palais eine umfangreiche Gemäldegalerie ein.
Nachdem einer seiner Verwandten 1733 den
kurfürstl. Günstling Komtur Johann Baptist
v. Roll in einem Duell getötet hatte, wurde
P. unehrenhaft entlassen. Mehrere Versuche, an den
kurköln. Hof zurückzukehren, scheiterten.
P. trat daher im
Dez. 1733 in
kaiserl. Dienste, doch erhielt er nicht den angestrebten Reichsvizekanzlerposten, sondern nur politisch unbedeutende Ämter. Bis 1735 war er Bevollmächtigter im Niederrhein.-Westfäl. Kreis. Anschließend ging er nach Wien und wurde zum
kaiserl. Botschafter beim Papst in Rom ernannt, verstarb jedoch noch vor Amtsantritt. Nach Jahren diplomatischer Geschäftigkeit hinterließ
P. nebem umfangreichem Grundbesitz eine beträchtliche Schuldenlast
|Auszeichnungen ↑
Orden d. Goldenen Vlieses (1732).
Literatur ↑
E. Kinsky, Die
Außenpol. d.
kurköln. Min. v. P. 1723-1733,
Diss. Bonn 1956;
M. Braubach. F.
v. P. (1690-1737), in: Westfäl.
Lb. 9, 1962, S. 34-51
(P);
F. Keinemann, Das Domkap. zu Münster im 18.
Jh., 1967;
M. Leifeld, Macht u. Ohnmacht der Kölner Kurfürsten um 1700, in: Im Wechselspiel d. Kräfte,
Pol. Entwicklungen d. 17. u. 18.
Jh. in Kurköln,
hg. v. F. G. Zehnder, 1999, S. 62-95
(P);
ders., Die Hofhaltung d.
Reichsgf. F.
v. P.-Wittem (
Diss. Bonn,
in Vorbereitung).|Quellen ↑
Qu Westfäl. Archivamt, Münster (Bestand Nordkirchen).
Portraits ↑
Ölgem. v. M. van Meytens
d. J., um 1735 (Brühl, Schloß Augustusburg);
Ölgem. v. J. Vivien, um 1721/22 (Münster, Westfäl. Landesmus. f. Kunst u.
Kulturgesch.);
Alabasterbüste
v. J. W. Gröninger, um 1721/22 (Schloß Nordkirchen).
Autor ↑
Marcus LeifeldEmpfohlene Zitierweise ↑
Leifeld, Marcus, „ WilhelmFerdinand Graf zu Plettenberg und Wittem“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
536-537
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd133143252.html