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Plessner, Abraham Ezechiel >>
Pleß
Fürsten von (seit 1850), Grafen von Ho(c)hberg (böhmische Freiherren 1650, böhmische Grafen 1666, Reichsgrafen 1683) und Freiherrn von Fürstenstein. (lutherisch und vereinzelt katholisch)
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Leben ↑
Die Anfänge des ritterlichen Geschlechts der Herren von Hochberg lassen sich bis in das 13.
Jh. zurückverfolgen. 1312 wurde es in Niederschlesien ansässig und stieg hier zu einer der führenden Adelsfamilien des Fürstentums Schweidnitz-Jauer auf. Die Familie schrieb sich lange Hohberg, seit Ausgang des 17.
Jh. aber Hochberg. Erst mit dem Erwerb von Pleß im 19.
Jh. erweiterte sich ihr Name um den Titel der
preuß. Fürsten von
P. Hauptsitz der in mehrere Linien (in Schlesien: Rohnstock, Fürstenstein, Güttmannsdorf, Buchwald, Neuschloß) geteilten Familie wurde Fürstenstein (Ksiaz) im Waldenburger Bergland.
Konrad v. Hohberg, der im Heiligen Land den Ritterschlag erhalten hatte, übernahm Fürstenstein 1509 als Pfandbesitz, 1605 wurde es erblich. Die Familie war seit der Reformation lutherisch und bekleidete führende ständische Ämter des Fürstentums Schweidnitz-Jauer. Ein Zweig der Familie gelangte nach Niederösterreich. Ihm gehört der Dichter und Schriftsteller
Wolf Helmhard Frhr. v. Hohberg (1612–88, s.
NDB IX) an. Unter
Hans Heinrich I. v. Hochberg (1598–1671), dem Mäzen der
ev. Friedenskirche von Schweidnitz, stieg die Familie 1650 in den
böhm. Freiherrenstand und 1666 in den
böhm. Grafenstand auf. Sein Sohn
Hans Heinrich II. (1639–98) erlangte 1683 den Reichsgrafenstand. Nach ihm teilte sich die Familie in mehrere Linien, zumal sich der jüngere Sohn
Konrad Ernst Maximilian (1682–1742) zur Huldigung an Preußen entschloß und dafür 1741 den Schwarzen Adler-Orden erhielt. Unter
Gf. Hans Heinrich V. (1741–82) gelang nach dem Siebenjährigen Krieg 1764 die Vereinigung und Erweiterung der Familiengüter. Zur Absicherung des Besitzes betrieb er die Erhebung der Herrschaft Fürstenstein 1772 zu einem Fideikommiß Hierzu gehörte neben dem Stammbesitz auch das Waldenburger Land mit seinen Kohlengruben. Es umfaßte die vier Städte Freiburg, Gottesberg, Friedland und Waidenburg mit zahlreichen Dörfern. Bei Regierungsantritt
Kg. Friedrich Wilhelms IV. 1840 gelang
Gf. Hans Heinrich X. (1806–55) die Umwandlung der Majoratsherrschaft Fürstenstein in eine Freie Standesherrschaft mit Sitz und Stimme im Schles. Provinziallandtag. Die Kohlengruben seiner Standesherrschaft wurden 1844-53 verkehrsmäßig erschlossen durch den Bau der Eisenbahn Breslau-Freiburg-Waldenburg. Die größte Erweiterung seines Besitzes brachte der Erbfall des oberschles. Fürstentums Pleß. Die Mutter des
Gf. Hans Heinrich X. war
Anna Pzn. von Anhalt-Köthen (1770–1830). Deren kinderloser Bruder, Fürst Heinrich von Anhalt-Köthen-Pleß (1778–1847), befand sich seit 1830 im Besitz von Pleß. Noch zu Lebzeiten des Onkels trat Hans Heinrich X. 1846 das Erbe dieses oberschles. Mediatfürstentums an, das mit 110 km
2 viermal größer als die Standesherrschaft Fürstenstein war. Die 1850 erfolgte Verleihung des
preuß. Fürstenstandes an den Erben hatte bald dessen Wahl zum ersten Präsidenten des
preuß. Herrenhauses zur Folge. Sein Sohn, der zweite Fürst
Hans Heinrich
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XI. v. P. (1833-1907, s. BJ XII,
Tl.), war bereits erbliches Mitglied des
preuß. Herrenhauses. Er war der bedeutendste industrielle Unternehmer der Familie, widmete sich der Erschließung der großen Kohlevorkommen des Fürstentums und modernisierte die Gruben. Hier wie auch im Waldenburger Land nahm er sich der sozialen Probleme an. Dem Reichtum seines Hauses entsprach sein politischer und gesellschaftlicher Einfluß im Kaiserreich. 1870-74 erfolgte der Neubau von Schloß Pleß, 1870 begann der (1925 eingestellte) Ausbau des Stammschlosses Fürstenstein, das die größte Schloßanlage Schlesiens wurde. Der jüngste Bruder des zweiten Fürsten,
Bolko Gf. v. Hochberg (1843–1926, s.
NDB IX), Standesherr zu Neuschloß, war zunächst Diplomat, ehe er sich einen Namen als Theaterintendant und Komponist erwarb. Nur sein Bruder, Fürst Hans Heinrich XI. erhielt 1905 den persönlichen
preuß. Herzogstitel. Sein Sohn, der dritte Fürst
Hans Heinrich XV. (1861–1938, s. Rhdb.), hatte in seiner Zeit als Legationssekretär in London die Engländerin
Mary-Theresa Cornwallis-West (1873–1943, genannt
Daisy, s.
W,
L) geheiratet. Nach Schloß Pleß, einem Treffpunkt der
europ. Gesellschaft, wurde während des 1. Weltkriegs zeitweilig das kaiserliche Hauptquartier verlegt. Der Krieg und die Teilung Oberschlesiens 1922 führten zum wirtschaftlichen Niedergang des Hauses
P. Nach der oberschles. Volksabstimmung fielen der größte Teil des Fürstentums und sämtliche Kohlengruben an Polen. Der Fürst entschied sich für einen Verbleib im
poln. Pleß (Pszczyna), sein ältester Sohn
Hans Heinrich XVIII. (1900–84) ging 1932 nach England, dessen Bruder
Alexander (1905–84) wurde
poln. Staatsbürger, floh aber 1939 ebenfalls nach England. Beide Brüder und spätere Fürsten
v. P. kämpften im 2. Weltkrieg als Freiwillige im
engl. Militärdienst. Ihr verlassener deutscher Besitz Fürstenstein, wo zuletzt nur noch die geschiedene Fürstin Daisy lebte, wurde 1943 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, womit sich geheime Pläne zum Ausbau als Führerhauptquartier verbanden.
Werke ↑
zu Daisy:
Daisy Princess of
P., Daisy Princess of
P. by Herself, 1928 (
dt. Tanz auf d. Vulkan, 1929).
Literatur ↑
P. Kerber,
Gesch. d. Schlosses u. d. Freien Standesherrschaft Fürstenstein in Schlesien, 1885;
E. Zivier,
Gesch. d. Fürstentums
P., 1906;
Hdb. d.
hist. Stätten, Schlesien, 1977;
Europ. Stammtafeln,
NF Bd. IX.
hg. v. D. Schwennicke, 1987, Tafeln 77-80 (Hochberg-
P.);
W. John Koch, Schloß Fürstenstein, 1989
(P);
ders., Daisy
v. P., Fürstl. Rebellin, 1991;
GhdA Fürstl. Häuser XIV, 1991, S. 473-82.
Autor ↑
Norbert ConradsEmpfohlene Zitierweise ↑
Conrads, Norbert, „Pleß“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
532-533
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118862073.html