<< Platen-Hallermund, Adolf Ludwig Karl Reichsgraf
Platiel, Nora, geborene Block >>
Plath, Johann Heinrich
Sinologe, Bibliothekar,
* 26.8.1802 Hamburg,
† 16.11.1874 München. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Quellen
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Hinrich (1777–1816), Mobilienhändler in
H.,
S d. Mobilienhändlers Johann Joachim;
M Hanna-Agnetha Friederica (1781–1804),
T d. Kupferschmieds Johann Wilckens;
⚭ Göttingen 1825 Sophia (
† 1873),
T d. Karl Christian Friedrich Krause (1781–1832), Philosoph,
PD in Göttingen (s.
NDB XII); 1
S Carl Heinrich (1829–1867), Arzt in
H., später in
M., 2
T Amalie (
* 1826), Mathilde (1827–99), beide Lehrerinnen.
Leben ↑
P. besuchte 1813-21 in Hamburg das Johanneum sowie 1821/22 das Akademische Gymnasium. In Göttingen studierte er Alte Geschichte, vornehmlich bei Arnold Heeren (1760–1842), und begann, sich mit dem Chinesischen zu beschäftigen. 1824 wurde er promoviert und erhielt aufgrund einer Dissertation zur Geschichte des alten Ägypten nach antiken Quellen 1829 die venia legendi für Geschichte. Als am 8.1.1831 in Göttingen Unruhen ausbrachen und ein illegaler Gemeinderat gebildet wurde, wurde
P. zusammen mit Johann Ernst Arminius
v. Rauschen-plat (1807–68) und Heinrich Ahrens (1808–74) dessen Mitglied. Erklärtes Ziel war die Abfassung einer Petition an den König, dem die Gravamina von Bauern und Bürgern vorgetragen werden sollten. Aufgrund einer von
P. verfaßten Proklamation wurde er 1836 zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt (1838 auf 8 J. ermäßigt). Nach seiner Entlassung im Frühjahr 1843 begab er sich nach Hamburg, wo er privatisierte und öffentliche Vorlesungen am Akademischen Gymnasium hielt. Am 25.10.1848 wurde er mit geringem Salär zum Bibliothekar der Reichs- und Parlamentsbibliothek in Frankfurt/M. ernannt. Er verfaßte einen handschriftlichen Katalog der Bibliothek (
ca. 4500
Bde. u. 300 Broschüren) und setzte sich nachdrücklich dafür ein, sie als „Denkmal der deutschen Einheit“ zu einer zentralen Bücherei auszubauen, der jeder Verleger ein Exemplar seiner Bücher einsenden sollte. Dieser Plan wurde erst 1912 in Gestalt der Deutschen Bücherei (Leipzig) verwirklicht. Nach dem Scheitern seiner Frankfurter Hoffnungen wirkte
P. um 1850 in München als Privatgelehrter und begann dort, einen Realkatalog der
Kgl. Bibliothek auszuarbeiten.
Als Sinologe arbeitete
P., der sich seine Sprachkenntnisse im Selbststudium angeeignet hatte, vorwiegend auf dem Gebiet der Geschichte Chinas. Das umfangreiche Werk „Die Völker der Mandschurey“ (2
Bde., 1830) entstand zwar ohne Benutzung
chines. Quellen, doch ist es wegen seiner reichen Literaturangaben noch heute nützlich. In München verfaßte
P. sehr viele Einzelstudien zur Geschichte des frühen Konfuzianismus und zur Realienkunde des alten China, die kulturhistorisch Neuland erschlossen. Die Geschichte der materiellen Kultur Chinas verdankt
P. entscheidende Anregungen, so daß er als einer der bedeutendsten deutschen Sinologen des 19.
Jh. gilt
|Auszeichnungen ↑
Mitgl. d.
Bayer. Ak. d. Wiss. (
ao. 1860,
o. 1865).
Werke ↑
u. a.
Quaestionum Aegyptiacarum Specimen, 1829;
Gesch. d.
östl. Asiens,
Chines. Tartarey, erste
Abt. Mandschurey, 2
Bde., 1830;
Hdb. d.
Geogr. u. Statistik
v. Asien, 1864 (mit J. H. Brauer);
–
W-Verz.: Alm. d.
Bayer. Ak. d. Wiss. 1867, S. 147-54, 1871, S. 120-22.
Literatur ↑
K.
v. Prantl, in:
SB d.
phil.-
philol. u.
hist. Cl. d.
Bayer. Ak. d. Wiss., 1875, I, S. 259-61;
H. Franke, in:
SB d.
Phil.-hist. Kl. d.
Bayer. Ak. d. Wiss., 1960. H. 12
(P);
H. Uhlendahl, Die
Bibl. d.
dt. NV v. 1848/50, 1950;
A. Paust, Ein Wegbereiter d.
Dt. Bücherei, in: Das Antiquariat, 8.
Jg., 1952,
Nr. 13-18, S. 64-67;
ders., Zur
Vorgesch. d.
dt. Bücherei, in: Neue
Mitt. aus d.
Dt. Bücherei,
Nr. 17,
Jan. 1959
(P);
Bibl. d.
Dt. Reichsverslg. 1848/49 (
Reichsbibl.), Bestandsverz.,
bearb. v. J. Jacobi, 1999, S. 7-12, 270-77
(Qu, L);
Killy.
|Quellen ↑
Qu Stadtarchiv Göttingen;
Archiv d.
Univ. Göttingen;
Niedersächs.
StA Hannover;
StA Hamburg;
BA Frankfurt;
Archiv d.
Bayer. Ak. d. Wiss., München.
Autor ↑
Herbert FrankeEmpfohlene Zitierweise ↑
Franke, Herbert, „Plath, Johann Heinrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
512
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118741020.html