<< Philipp, Hugo Wolfgang
Philippi. >>
Philipp, Franz-Heinrich Otto Wolfgang
evangelischer Theologe,
* 15.4.1915 Königsberg (Preußen),
† 15.2.1969 Frankfurt/Main.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus ursprüngl. schott.
Fam.;
V Franz Philipp (
† 1968), Dr. phil.,
Reg.rat,
Päd., Fachpsychologe;
M Gertrude Elsbeth Borbe (
† 1950), Lehrerin;
B Franz-Heinrich (1921–84),
D. theol. habil.,
Dir. d.
Univ.-bibl. Marburg/Lahn,
Hon.prof. (s.
Cat. professorum ac. Marburgensis, II, 1979;
Altpreuß. Biogr.|IV); –
⚭ 1944 Editha Meyer (seit 1969 in Erinnerung an d. schott. Vorfahren
P.-Donnston,
⚭ 1] Harry Löffler,
† 1937,
Dr. iur.), cand.
phil. et
theol.; 2
S, 3
T .
Leben ↑
In Königsberg studierte
P. 1933-38 Philosophie, Psychologie, Theologie, Völkerkunde, Religionswissenschaft und Biologie. 1939 wurde er mit einer religionswissenschaftlichen Arbeit (Weibwerdung oder Mutterrecht, 1942) zum
Dr. phil. promoviert und bei Martin Noth zum Licentiaten der Theologie (Sterbende u. Auferstehende Götter); die verlorengegangene Arbeit wurde 1943 als Habilitationsschrift für Vergleichende Völkerkunde anerkannt. Die erste
theol. Prüfung legte er 1939, die zweite 1943 ab. Im 2. Weltkrieg war
P. Oberleutnant der Panzertruppe und wurde mehrmals schwer verwundet, so daß er erst 1947 aus dem Lazarett entlassen werden konnte. 1947-51 war er Klinik-, 1951-61 Studentenpfarrer in Marburg, wo er 1953 die Lehrbefugnis für „Kirchliche Volkskunde“ erhielt; 1954 habilitierte er sich dort für das Fach Systematische Theologie um und wurde 1956 zum
apl. Professor und 1962 zum Universitätsdozenten ernannt. 1964 zum Ordinarius für
Ev. Theologie an die
Univ. Frankfurt/M. berufen, gründete er dort 1966 das Institut für wissenschaftliche Irenik (Friedensforschung).
Als eigenwilliger religiöser, philosophischer und
theol. Denker hat
P. unter modernen Bedingungen die alte
theol. Disziplin der Irenik rekonstruiert und damit über Theologie und Kirche hinaus wichtige Anstöße gegeben. In
P.s Sinn darf sich Irenik nicht mit Geschichte und Erscheinungsbild der Religionen und Weltanschauungen begnügen. Sie muß nach dem Bezugssystem fragen, in dem diese im bestimmten geschichtlichen Feld zueinander stehen, nach den menschlichem Handeln zugrundeliegenden metaphysischen Kategorien und nach den Strukturen der miteinander ringenden „gelebten, erkennenden und religiösen Ergriffenheiten“. Für
P. handelt der Mensch nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten; er verfügt über bestimmte Denk- und Verhaltensformen, die wissenschaftliche Irenik analysiert und rationalisiert. Dabei integriert sie Religionswissenschaft, Anthropologie, Psychologie und Soziologie mit dem Ziel eines Dialogs zwischen der Theologie und den geistigen und religiösen Strömungen der Gegenwart. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten
P.s geistes- und theologiegeschichtliche Forschungen zum 18.
Jh., die zu einem neuen Verständnis vor allem der deutschen und
brit. Aufklärung und ihres auch
theol. Charakters beitrugen.
P. war wegen seines weitgespannten Wissens als Gesprächspartner auch von Philosophen, Medizinern und Naturwissenschaftlern geschätzt. Er trat als Tillich-Interpret hervor und hielt bei der Tillich-Gedächtnisfeier der
Univ. Frankfurt am 16.2.1966 die Festrede. Mit seinem Programm „Von der Ökumenik zur wissenschaftlichen Irenik“ wollte
P. eine auch Defizite der Ökumenischen Bewegung überwindende Wissenschaft vom Frieden und für den Frieden aufbauen, die nicht allein die
christl. Konfessionen, sondern auch die Weltreligionen, Ideologien sowie die philosophischen und politischen Systeme umfaßt
|Auszeichnungen ↑
Ehrenritter d. Johanniterordens;
Mitgl. d. Harvard
Internat. Seminar Association (1954).
Werke ↑
Das Werden d. Aufklärung in theol.geschichtl. Sicht, 1957;
Die Absolutheit d. Christentums u. d. Summe d.
Anthropol., 1959,
21966,
Nachdr. 1982;
Religiöse Strömungen unserer Gegenwart, 1963;
Die Epicyklische u. Ostkirchl.
Theol. Paul Tillichs, in: Werk u. Wirken Paul Tillichs, Ein Gedenkbuch, 1967, S. 133-49;
Trinität ist unser Sein, Prolegomena d.
vgl. Rel.gesch.,
hg. v. A. H. Swinne, 1983;
Iren. Dogmatik,
hg. v. A. H. Swinne, 1983/88. –
Hg.: Das
Za. d. Aufklärung, 1963,
Nachdr. 1988;
Der Protestantismus im 19. u. 20.
Jh., 1965,
Nachdr. 1988;
Schrr. d.
Inst. f.
wiss. Irenik d. Johann-Wolfgang-Goethe-
Univ. Frankfurt/M., 1968-69 (weitergeführt von A. H. Swinne).
Literatur ↑
K. Dienst, W.
P., Sein Verständnis
v. Barock u. Aufklärung als Strukturen gegenwärtigen Denkens, in: Von d. Ökumenik
z. Irenik, In Memoriam W.
P.,
hg. v. A. H. Swinne,
21977, S. 87-104, 130-51;
A. H. Swinne, W.
P. als Lehrer u. Forscher,
ebd., S. 77-85;
ders.,
Bibliogr. aller
Schrr. u.
Btrr. v. W.
P.,
ebd., S. 111-15;
ders., Von d. Ökumenik
z. wiss. u.
soz. Irenik, in: D. Stoodt (
Hg.), K.-G. Steck, W.
P. u. a.,
Ev. Theol. u. Rel.philos. an d.
Univ. Frankfurt a. M. 1945-1989, 1991, S. 55-77
(P);
M. Masser. Die
wiss. Irenik W.
P.s u. d. Gespräch d.
christl. Konfessionen, 1989;
Cat. professorum academiae Marburgensis, II, 1979, S. 41 f.;
Altpreuß. Biogr. IV;
BBKL.
Autor ↑
Karl DienstEmpfohlene Zitierweise ↑
Dienst, Karl, „Philipp, Franz-Heinrich Otto Wolfgang“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
390 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118593927.html