<< Petri, Anton Peter
Petriconi, Hellmuth >>
Petri, Heinrich Eduard Justus Gotthard Franz
Historiker,
* 22.2.1903 Wolfenbüttel,
† 18.3.1993 Hamburg. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Heinrich (1859–1904),
wiss. Bibliothekar in
W.;
M Maria (1869–1919);
⚭ Helene Niegisch (1898–1933),
Dr. rer. pol., aus Essen;
Adoptiv-S Hans-Dieter Frieder (
* 1939),
Kaufm.Leben ↑
P. studierte 1921-25 in Berlin Geschichte, Deutsch, Philosophie und
ev. Theologie und wurde 1925 bei Dietrich Schäfer (1845–1929) promoviert. Auf dessen Anregung schrieb er zunächst am „Institut für Grenz- und Auslandsdeutschtum“ in Marburg, dann am „Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande“ in Bonn unter dem Einfluß von Franz Steinbach (1895–1964) ein Hauptwerk der
sog. Kulturraumforschung: „Germanisches Volkserbe in Wallonien und Nordfrankreich, Die frank. Landnahme in Frankreich und den Niederlanden und die Bildung der
westl. Sprachgrenze“ (2
Bde., 1937,
21942). Darin versucht
P. nachzuweisen, daß es im frühen Mittelalter eine
fränk.-
german. Besiedlung bis an die Loire gegeben habe und die zeitgenössische
german.-
roman. Sprachgrenze eine Rückzugs- und Ausgleichslinie zwischen Germanen und Romanen sei, die sich um 1000 herausgebildet habe. Aufgrund dieser methodisch innovativen und politisch opportunen Arbeit wurde
P. während des 2. Weltkriegs als Kulturreferent in der deutschen Militärverwaltung in Belgien eingesetzt und 1942 auf den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der gesamten Niederlande an der
Univ. Köln berufen. Nach 1945 wurde er wegen seiner militärpolitischen Tätigkeit für eineinhalb Jahre interniert und verlor seinen Lehrstuhl. Seine Rehabilitierung erfolgte 1951 mit der Ernennung zum Direktor des „Provinzialinstituts für
westfäl. Landes- und Volkskunde“ in Münster und 1961 mit der Berufung auf den Bonner Lehrstuhl für Rhein. Landesgeschichte und der damit verbundenen Leitung des Instituts für geschichtliche Landeskunde, die
P. beide von seinem Mentor Steinbach übernahm. Nach seiner Emeritierung war er in Münster in Verbindung mit Heinz Stoob (
* 1919) und dem „Institut für vergleichende Städtegeschichte“ wissenschaftlich tätig.
P. trat durch die empirische und organisatorische Förderung der epochenübergreifenden und interdisziplinär ausgerichteten Kultur
|raumforschung hervor, die von der Vorstellung der geschichtsprägenden Kraft von „Raum“ und „Volkstum“ getragen war. Seine Forschungen konzentrierten sich auf die Geschichte der Niederlande, der Rheinlande und Westfalens von der Zeit der Völkerwanderung bis zur Gegenwart. Damit erarbeitete er sich zeitweilig eine nahezu monopolartige Spezialistenstellung für die Geschichte des kontinentalen Nord Westeuropas, die er durch die Organisierung eines Wissenschaftsaustauschs zwischen Belgien/Niederlanden und der Bundesrepublik festigte.
P. gehörte zu der jungen Generation von Historikern, deren kulturell-praktische Grundanschauungen sich weitgehend mit der nationalsozialistischen Ideologie überschnitten, und die sich deshalb aktiv an der kulturpolitischen Legitimierung der militärischen Eroberungen beteiligten. In der Bundesrepublik vollzog
P. weder den Schritt zur methodischen Weiterentwicklung der Kulturraumforschung noch zur Struktur- und Sozialgeschichte, sondern kehrte zur politischen Geschichtsschreibung zurück.
Werke ↑
Weitere W
Zur
Gesch. u.
Landeskde. d. Rheinlande, Westfalens u. ihrer Nachbarländer,
Aufss. u. Vorträge aus vier J.zehnten,
hg. v. E. Ennen, A. H.
v. Wallthor u. M. van Rey, 1973
(W-Verz., P);
Die
fränk. Landnahme u. d. Entstehung d.
german.-
roman. Sprachgrenze in d. interdisziplinären Diskussion, 1977. –
Mithg.: Der Raum Westfalen, 6
Bde. in 13 Teilbdn., 1931-96;
Rhein.
Gesch. in drei
Bdn., 1976-63.
Literatur ↑
I. Schöffer, Het nationaal-socialistische beeld van de geschiedenis der Nederlanden, 1956;
K. Schönwälder,
Hist. u.
Pol.,
Gesch.wiss. im
NS. 1992;
H. Lademacher, in;
Rhein. Vj.bll. 57, 1993, S. VII-XIX;
W. Oberkrome,
Volksgesch., Method. Innovation u. völk. Ideologisierung in d.
dt. Gesch.wiss. 1918-1945, 1993;
B. Sicken (
Hg.), Herrschaft u. Vfg.strukturen im Nordwesten d. Reiches,
Btrr. z. Za. Karls V., F.
P. z. Gedächtnis (1903–1993), 1994
(W-Verz., P);
P. Johanek, in;
Westfäl.
Forsch. 44, 1994, S. 448-53;
K. Ditt. Die Kulturraumforsch
zw. Wiss. u.
Pol., Das Beisp. F.
P. (1903-1993),
ebd. 46.1996, S. 73-176
(P);
U. Wolf, Litteris et Patriae, Das Janusgesicht d. Historie, 1996;
M. Fahlbusch,
Wiss. im Dienst d.
nat.soz. Pol.? Die „Volksdt. Forschungsgemeinschaften“ von 1931 bis 1945, 1999;
P. Schüttler, Von d.
rhein. Landesgesch. z. nazist.
Volksgesch. oder Die „unhörbare Stimme d. Blutes“, in: W. Schulze u. O. G. Oexle (
Hg.),
Dt. Hist. im
NS, 1999, S. 89-113.
Autor ↑
Karl DittEmpfohlene Zitierweise ↑
Ditt, Karl, „Petri, Heinrich Eduard Justus Gotthard Franz“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
265 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118740342.html