<< Perthaler, Johannes Freiherr von
Perthes, Johann Georg Justus >>
Perthes
Verleger. (evangelisch)
Leben ↑
Die Familie stammt aus Ostthüringen. 1733 kam
Johann Justus als
fürstl. Leibarzt nach Rudolstadt. Seine beiden Söhne, der schwarzburg-rudolstädtische Steuersekretär
Christoph Friedrich und der Verleger
Justus (s. 1) begründeten die beiden Äste der Familie.
Wilhelm (18.6.1793 Gotha-10.9.1853
ebd.) übernahm nach dem Tod seines Vaters Justus den Verlag „Justus Perthes“. Er war seit 1811 bei seinem Vetter
Friedrich (1772–1843, s. 2), dessen Tochter
Agnes (1798–1868) er 1818 heiratete, in Hamburg in die Lehre gegangen und hatte 1813/14 als Leutnant in der hanseatischen Legion am Feldzug in Mecklenburg und Holstein teilgenommen. Durch die bereits von seinem Vater vorbereitete Herausgabe des Stielerschen Atlas legte er den Grund zu einem geographischen Verlag, der im Laufe der Zeit namhafte Geographen als Autoren gewann, neben Adolf Stieler
v. a. Heinrich Berghaus, Christian Gottlieb Reichard, Karl Spruner
v. Merz, Friedrich
v. Stülpnagel, Emil
v. Sydow, Hermann Wagner und Paul Langhans. 1816 erschien die erste Ausgabe von „Stielers's Hand-Atlas“ (
101944; Jh.ausg. 1925). 1832-37 erstellte Heinrich Berghaus 15 Karten von Asien, 1838 erschien die erste Schulwandkarte „Asia“ von Emil
v. Sydow, seit 1837 „Spruner's Historisch-Geographischer Hand-Atlas", seit 1838 „Berghaus' Großer Physikalischer Atlas“. Sehr erfolgreich war „Justus Perthes' Taschen-Atlas“ von 1845, der 1884 grundlegend umgestaltet wurde (
511914
bearb. v. H. Habenicht, mit geograph.-Statist. Notizen
v. H. Wichmann,
541917), für den Stieler's Handatlas als Grundlage gedient hatte, und der Verbreitung und Nachahmung auf der ganzen Welt fand. Besonderen Wert legte man auf Wissenschaftlichkeit und Aktualität (Verkehrswege etc.) und verwandte große Sorgfalt auf die plastische Darstellung der Bodengestaltung, der Luft- und Meeresströmungen, der Niederschläge
usw. Seit 1849 erschien „Sydow's Schulatlas" (später: „Sydow-Wagner“). Große Verdienste um die Genealogie erwarb sich Wilhelm durch die Herausgabe des „Gothaischen Hofkalenders“ (seit
Jg. 1816 unter d. Namen „Justus Perthes“), dem er seit 1827 das „Genealogische Taschenbuch“ der deutschen
gräfl. (unter Wilhelms persönlicher Schriftleitung) und seit 1848 auch der freiherrl. Häuser hinzufügte; Redakteur war 1827-51 Wilhelm Ewald (1791–1865). dessen Mutter Elise ebenfalls eine Tochter Friedrich Perthes' war.
Wilhelm hinterließ den Verlag seinem Sohn
Bernhard (3.7.1821-27.10.1857), der bei Wilhelm Besser in Berlin und bei Heinrich Besser in Hamburg in die Lehre gegangen und 1845 als Teilhaber in das väterliche Geschäft eingetreten war. Im selben Jahr heiratete er Minna (1826–84), die Tochter des Hamburger Verlegers Johann Heinrich Wilhelm Mauke (1790–1859). Bernhard führte die Galvanoplastik, den lithographischen Farbdruck und die Chemitypie ein, erweiterte die geographische Abteilung (Petermann, Sydow, Vogel, Hassenstein
u. a.) und bezog 1855/56 einen großzügigen Neubau. Seit 1855 erschienen die von August Petermann begründeten und später von Alexander Supan herausgegebenen „Mitteilungen aus Justus Perthes' geographischer Anstalt“ (heute:
|„Petermann's Geograph.
Mitt.“). eine der führenden geographischen Zeitschriften in Deutschland, seit 1866 das von Ernst Behm begründete und später von Hermann Wagner herausgegebene „Geographische Jahrbuch“.
Nach Bernhards Tod wurde der Verlag bis 1881 für seine Witwe und seinen postum geborenen Sohn
Bernhard (16.7.1858-18.12.1919) von Adolf Müller (
† 1880), seit 1858 Prokurist und Geschäftsführer, und Rudolf Besser (1811–83), 1858-81 Teilhaber, verwaltet. Bernhard, der mit Elisabeth (1864–1955), einer Tochter des Wirtschaftswissenschaftlers Arwed Emminghaus (1831–1916) verheiratet war, baute den Verlag technisch aus. 1871 erschien „Vogels's Karte des Deutschen Reiches“. 1897 trat Hermann Haack (1872–1966) in den Verlag ein; er sorgte für eine Neukonzeption des Schulwandkartenprogramms und gründete 1911 den „Verband Deutscher Schulgeographen“. 1900 begann mit der Übernahme des Jahrbuchs der Deutschen Adelsgenossenschaft die Uradels-Reihe und 1907 die Briefadels-Reihe des „Gotha“.
Bernhards Sohn
Joachim (22.11.1889-7.3.1954),
Dr. phil., war seit 1916 Teilhaber, seit 1919 Inhaber des Verlags, den er durch schwierige Zeiten führte. Während der beiden Weltkriege profitierte die Geographische Anstalt allerdings vom großen Bedarf an Kartenmaterial. Die Taschenbücher der
fürstl.,
gräfl., freiherrl. und adeligen Häuser mußten nach dem Jahrgang 1942 kriegsbedingt ihr Erscheinen einstellen, lediglich der Almanach und das Gothaische Jahrbuch, das seit 1931 nicht erschienen war, kamen für 1942, 1943 und 1944 heraus; der Satz für 1945 wurde von den einmarschierenden Sowjets vernichtet. 1952 verließ Joachim mit seiner Familie und einigen Mitarbeitern Gotha. Wegen „Republikflucht“ wurde der Verlag daraufhin im
Jan. 1953 enteignet und unter der Leitung Haacks in einen
VEB umgewandelt (seit 1955;
VEB Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt Gotha; 1990-92 Treuhandbetrieb). Am 1.4.1953 kam es zur Neugründung der „Geographischen Verlagsanstalt Justus Perthes" in Darmstadt. Der „Gotha“ (Genealogisches Handbuch des Adels) erscheint seit 1951 im „Verlag von C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee“ (heute: C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn).
Den Verlag in Darmstadt leiteten seit 1954
Wolf Jürgen (1921–64) und 1980-94
Stephan (
* 1955). Im Frühjahr 1992 wurde der Gothaer Verlag reprivatisiert und zusammen mit dem Darmstädter Verlag durch Stephan an die Klett-Verlagsgruppe verkauft, die den Darmstädter Verlag im Frühjahr 1994 und ihren eigenen Verlagsbereich „Geographie –Kartographie“ im Sommer 1998 nach Gotha verlegte und unter dem Dach der „Justus Perthes Verlag Gotha
GmbH“ vereinte.
Friedrich (s. 2) machte sich um die buchhändlerische Standesorganisation in Deutschland verdient. Sein Verlag wurde seit 1843 von seinem Sohn Friedrich
Andreas (16.12.1813 Kiel – 1.1.1890 Gotha), der drei Jahre zuvor in Gotha den Verlag „Friedrich und Andreas Perthes“ gegründet hatte, weitergeführt. Er schloß beide Firmen 1854 zum „Verlag Friedrich Andreas Perthes“ zusammen, den er 20 Jahre später seinem Sohn
Emil (21.5.1841-14.1.1910) überließ. Dieser überführte Verlag und Druckerei 1889 in eine Aktiengesellschaft. 1922 wurde die „Friedrich Andreas Perthes
AG“ mit der „Deutschen Verlags-Anstalt“ (Stuttgart) vereint.
Friedrichs weiterer Sohn Clemens
Theodor (2.3.1809 Hamburg – 25.11.1867 Bonn) besuchte das Gymnasium in Gotha und studierte in Bonn und Berlin Jura (
Dr. iur. u. Habilitation 1834). 1838 wurde er
ao., 1842
o. Professor für Staatsrecht an der
Univ. Bonn. Seit 1839 war er mit seiner Cousine Marie Madelung verheiratet. 1849 gehörte er in Bonn zu den Begründern des „Vereins für innere Mission“, den er bis 1855 leitete. 1854 gründete er in Bonn eine „Herberge zur Heimat“, die erste derartige
ev. Einrichtung für Gesellen. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Albrecht
v. Roon. 1865/66 versuchte er vergeblich, Bismarck von einem Waffengang gegen Österreich abzubringen (s.
W, L).
Theodors Sohn
Hermann Friedrich (1840–83), der in Bonn und Berlin Altphilologie studiert hatte (
Dr. phil. 1863), war Gymnasialdirektor in Moers und Treptow/Rega, seit 1873
bad. Hofrat und Prinzenerzieher und seit 1878 Leiter des von ihm in Davos begründeten „Fridericianum“ (s.
W, L). Sein Sohn
Georg wurde Chirurg (s. 3).
Theodors Sohn
Otto, Gymnasiallehrer in Bielefeld, wurde zum Biographen seines Vaters,
Rudolf v. P. (1843-1918,
preuß. Adel 1900), verheiratet mit seiner Cousine
Marie P. aus Gotha (1849–1928), war
preuß. General der Infanterie und stellvertretender Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege. Seine Söhne
Friedrich Wilhelm v. P. (1885-1921) und
Helmut v. P, (1890-1939,
⚔) waren
preuß. Forstbeamte.
Perthes, Johann Georg Justus
Perthes, Friedrich Christoph
Perthes, Georg Clemens