<< Pepusch, Johann Christoph
Perels. >>
Pereira-Arnstein, Freiherren von (seit 1812).
(jüdisch, seit 1810 katholisch)
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Leben ↑
Der Bankier
Heinrich (Aaron) Pereira (1773–1835), dessen männliche Vorfahren aus Portugal stammten, wurde von dem in Wien tätigen Bankier Nathan Adam
Frhr. v. Arnstein (1748–1838, s.
NDB I
*) in Amsterdam als vermögender Jude zum Schwiegersohn ausgewählt. Deshalb übersiedelte Heinrich nach Niederösterreich und heiratete 1802 Arnsteins einzige Tochter
Henriette (Judith) (1780–1859). 1806 erhielt Heinrich als zweiter Jude nach Adam Arnstein in Wien die Grundbesitzfähigkeit. 1810 wurde er von seinem Schwiegervater adoptiert, um den Namen Arnstein zu bewahren; im selben Jahr traten Heinrich und Henriette zum Katholizismus über, nachdem ihre Kinder im Einverständnis mit
Ebf. Sigismund Anton
v. Hohenwarth (1730–1820) schon vorher im geheimen getauft worden waren (Taufpate: Joseph
v. Sonnenfels. 1732-1817). Mit der Erlaubnis, sich „Pereira-Arnstein“ zu nennen, wurde Heinrich 1812 in den Freiherrenstand ar hoben und trotz Widerspruchs der Stände 1815 in den niederösterr. Herrenstand aufgenommen, denn er besaß
u. a. die niederösterr. Herrschaften Erlakloster, Neudegg, Dobra, Waldreichs, Krumau zu Wetzlas, Schwarzenau und Allentsteig. Heinrich, der zu den bedeutendsten Bankiers in Wien zählte, erwarb sein großes Vermögen vornehmlich mit der Auflage von Staatsanleihen während der Napoleonischen Kriege und wandte sich dann der Finanzierung des im Aufbau befindlichen Eisenbahnwesens zu. Henriette, selbst eine talentierte Pianistin, führte die Tradition des berühmten literarisch-musikalischen Salons ihrer Mutter Fanny
v. Arnstein (1758–1818, 1798 Freifrau
v., s.
NDB I) weiter. Ihr Sohn
Ludwig (Louis) (1803–58) besaß die Herrschaften Altenberg (
Niederösterr.) sowie Böös (Ungarn) und war seit 1834 öffentlicher Gesellschafter des Bankhauses „Arnstein & Eskeles“, das mit seiner großen Baumwollspinnerei in Lochowitz (Böhmen) und den Zuckerfabriken in Graz und Laibach auch in der Industrie tätig war. Er war Verwaltungsrat der Staatsbahngesellschaft,
kgl. schwed. Generalkonsul und seit 1845 Mitglied des niederösterr. Landtages, wo er für einen verstärkten Einfluß der Ständevertreter eintrat. Auch künstlerisch als Maler und Bildhauer tätig, beteiligte er sich 1832-47 an den Ausstellungen der Akademie bei
St. Anna in Wien. Sein Palais in Wien ließ er nach den Plänen des Architekten Ludwig Förster (1797–1863) errichten. Verheiratet war er mit der Hofratstochter
Theresia Freiin
v. Diller (1806–43) und nach deren Tod mit
Henriette Gfn. Larisch
v. Moennich (1817–61). Dieser Ehe entstammte
Alfons (1845–1931). Er nahm als Linienschiffsfähnrich an der Schlacht bei Lissa teil, reiste im Gefolge des späteren Kaisers Maximilian nach Mexiko, beteiligte sich an der Ostasienexpedition des Admirals Beck und verbrachte längere Zeit auf Java. Nach seiner Heirat 1873 mit
Anna Freiin Vranyczany
v. Dobrinovic (1855–1924) wurde er Botschaftssekretär in Rom und dann
ao. Gesandter in Stuttgart. Ludwigs Bruder
August (1811–47), Herr auf Allentsteig und Schwarzenau, heiratete durch die Verehelichung mit
Seraphine Gfn. Amadé de Várkony (1814–48) in den Hochadel ein. Ihr Sohn
Heinrich (1836–1903), Erbe des Gutes Allentsteig, war mit der
ungar. Gräfin
Dorothea Széchényi (1841–92) verheiratet, sein Bruder
Viktor (1838–1902), verehelicht mit
Viktoria Gfn. v. Fries (1845–1912), besaß Schloß Bergheim und nützte die Möglichkeiten der noch jungen Verfassung: Die Kurie der Großgrundbesitzer entsandte ihn, den Konservativen, 1871 und 1884 in den oberösterr. Landtag, er war in Oberösterreich Landeshauptmann-Stellvertreter, gab jedoch 1889 sein Mandat zurück und übersiedelte nach Wien. Sein Enkel
Ferdinand (1898–1934), noch im Geldgeschäft als Vorstand der Tresorverwaltung der „Von der Heydt's-Bank A.G.“ tätig, verheiratete sich mit
Maria Gfn. v. Mensdorff-Pouilly (1894–1987). So integrierten sich die ursprünglich
jüd. Bankiers
P. dank Großgrundbesitz und Heiraten in die
kath. großbürgerlich-aristokratische Gesellschaft, die zumindest in der
österr. Reichshälfte des ausgehenden 19.
Jh. bestimmend war. Was die ersten beiden Generationen geschaffen und erworben hatten, konnten die folgenden Generationen nur teilweise halten:
|Das Bankhaus ging in Konkurs, den Großgrundbesitz teilten sich die zahlreichen Nachkommen, er ging teilweise verloren.
Literatur ↑
Wiener
Ztg. v. 23.8.1931;
H. Jäger-Sunstenau, Die geadelten
Judenfam. im vormärzl. Wien,
Diss. Wien 1950, 2.
Bd., S. 160 f.;
ders., Wappen, Stammbaum u. kein Ende, 1986, S. 170 f.;
R. Komanovits, Der Wirtsch.adel unter
Ks. Franz II. (I.) in d. Zeit
v. 1792 bis 1815,
phil. Diss. Wien 1974, S. 227 f., 258;
S. Walther, Der „zweite Adel“, Kultur u.
Ges. vor 1848, in: Bürgersinn u. Aufbegehren, Biedermeier u. Vormärz in Wien 1815-1848,
Ausst.kat. Wien 1988, S. 315;
I. Mittenzwei, Zw. gestern u. morgen, Wiens frühe Bourgeoisie an d. Wende
v. 18.
z. 19.
Jh., 1998, S. 95, 129, 319;
Weimarer
hist. gen. Tb. des
ges. Adels jehud. Ursprungs, 1912, S. 192-94, 1913, S. 374-78;
Goth.
gen. Tb. Frh. Häuser, 1855, S. 492-94, 1931, S. 367-69;
ÖBL;
Österr.-
Lex. II, 1995;
Hist. Lex. Wien.
|Quellen ↑
Qu Wiener Stadt- u. Landesarchiv,
Biogr. Slg.Autor ↑
Josef MentschlEmpfohlene Zitierweise ↑
Mentschl, Josef, „Pereira-Arnstein, Freiherren von.“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
180-181
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd138741956.html