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Peltzer
Peltzer
Aachener und Stolberger Fabrikantenfamilie. (katholisch und evangelisch)
Leben ↑
Als Stammvater der weitverzweigten Familie gilt der Wollhändler und Tuchmacher
Jakob Kremer (
* um 1435) aus Aachen, dessen Ehefrau wahrscheinlich
Margarethe Peltzer war. Während seine Kinder Kremer
gen. Peltzer hießen, führten seine Enkel nur noch den großmütterlichen Familiennamen. Von seinem ältesten Sohn
Jakob Kremer gen. Peltzer (
* um 1461), der ebenfalls Tuchmacher war, stammt der Familienzweig
v. Pelser-Berensberg ab.
Isaak (1610–76) war seit 1663 reichsstädtischer Postmeister für Holland und Seeland. Sein Enkel
Isaak Lambert Pelser (1684–1731, 1702
span. Adelstitel) wurde 1716 als Jurist Mitglied des Aachener Schöffenstuhls. Dessen Sohn
Johann Friedrich v. Pelser-Berensberg, Herr zu Berensberg, Alt-Valkenburg und Beulartstein (1702–71, Reichsadel 1766) wurde 1730 Schöffe in Aachen. Der Bergwerksbesitzer
Otto v. Pelser-Berensberg (1857–1935) war Direktor der
kgl.-
niederländ. Domanial-Steinkohlenbergwerke in Kerkrade sowie Direktor der Aachen-Maastrichter Eisenbahn.
Mathias Cremerius gen. Pelfzer (um 1465-1557), der zweite Sohn von Jakob Kremer, wurde Theologe und war seit 1533 Rector magnificus der
Univ. Köln. Der jüngere Bruder
Hermann Kremer gen. Peltzer (um 1466 -
n. 1537) vertrat als Tuchmacher mehrmals das Wollenambacht im Aachener Stedtrat. Dessen Sohn
Mathias (I.) (1508 -
v. 1591) betrieb neben der Tuch- auch die Messingfabrikation; seit 1570 fungierte er mehrmals als Bürgermeister der
kath. Reichsstadt, obwohl er – wie viele seiner Angehörigen –um 1575 zum
ref. Glauben konvertierte. Als 1598 die Reichsacht über die Protestanten in Aachen verhängt wurde, verließen viele Familienmitglieder die Stadt. Mathias' Sohn, der Kupfermeister
Mathias (II) (um 1555-um 1602), der schon um 1585 mit der Messingherstellung auf der Ellermühle in Stolberg begonnen hatte, wurde zum Stammvater der verschiedenen Stolberger Familienzweige, die im Messinggewerbe tätig waren, während dessen Vettern, der Kupfermeister
Jordan (
† 1607) und der Wollhändler
Martin
|(
† 1615), sich im
pfälz. Frankenthal
bzw. in Kassel niederließen. In der Blütezeit des Stolberger Messinggewerbes (um 1660–1750) errichteten Nachkommen Mathias' (II.) neue Kupferhöfe,
z. B. den Hof Grünenthal (1699–1703), und betrieben zahlreiche Galmei- und Kupfermühlen, Schmelzöfen und Hammerwerke, um aus Galmei und Kupfer die Legierung Messing herzustellen und diese zu Haus- und Zierrat weiterzuverarbeiten. Der allmähliche Niedergang des Gewerbes nach 1760 zwang einige Familienangehörige, neue Erwerbsmöglichkeiten zu suchen,
u. a. in der Textilherstellung im Rheinland, aber auch im Ausland. Während der Fabrikant
Napoleon (1802–99) am Aufbau der
russ. Feintuchindustrie in Moskau, Narwa und
St. Petersburg mitwirkte, gründete der Färber
Johann Heinrich (1763–1809) in Verviers (Belgien) die Tuchfabrik „Peltzer et Fils“, die noch 1973 als Aktiengesellschaft bestand. Andere Familienmitglieder wanderten im 19.
Jh. nach Nord- oder Südamerika
bzw. nach Asien aus. 1790 beteiligte sich
Johann (1759–1836) an der Gründung einer Glashütte, wodurch ein neues Gewerbe in Stolberg etabliert wurde. Sein Enkel
Johann Adolf Felix (1821–98) wurde 1861 Teilhaber der Zinkornamentenfabrik „Walchenbach & Peltzer“, die 1909 in den alleinigen Familienbesitz überging und unter der Firma „Peltzer-Werke“ bis 1992 bestand. Während der Gastwirt und Weinhändler
Heinrich (um 1555–91), der zweite Sohn Mathias' (I.), die Protestanten im Aachener Stadtrat vertrat, konvertierte sein Enkel
Matheus (1617–57) wieder zum
kath. Glauben.
Arnold (1684–1745) war Schöffe in der Reichsabtei Burtscheid. Der Jurist
Mathias Goswin (1754–1814) wurde 1785 Syndikus der Reichsstadt Aachen und nahm in dieser Funktion 1790 und 1792 an den Königskrönungen in Frankfurt teil; 1803-13 war er Mitglied des corps legislatif im Ruhrdepartement. Sein Sohn, der Jurist
Arnold Edmund (1801–74), war 1848-51 Oberbürgermeister der Stadt Aachen und Abgeordneter der Fortschrittspartei im
preuß. Abgeordnetenhaus. Sein Neffe
Ludwig (1835–1915) war seit 1862 als Jurist am
kgl. Landgericht in Aachen tätig und seit 1871 Zentrumsabgeordneter im
preuß. Landtag und im Reichstag. 1884-96 war er Aachener Oberbürgermeister und Mitglied im
preuß. Herrenhaus. Mit ihm starb dieser Familienzweig in Aachen im Mannesstamm aus. Der Kaufmann
Peter (1559–1632), der jüngste Sohn Mathias' (I.), war seit 1582 mehrmals Ratsherr in Aachen. Sein Sohn
Abraham (1603–67), Kaufmann und Bankier, gehörte zu den Betreibern der Galmeigruben im
sog. Aachener Reich. Dieser Familienzweig erlosch im 17.
Jh. im Mannesstamm.
Lorenz (vor 1559 -
n. 1571), der vielleicht einem der Aachener Familienzweige angehörte, ließ sich in der Herrschaft Wickrath bei Mönchengladbach nieder und wurde zum Stammvater einer weitverzweigten Nachkommenschaft, zu der auch Dr.
Otto (
s. u.) gehört. Wilhelm
Otto (1833–91) und
Adolf (1836–80) gründeten 1861 in Krefeld die Samtfabrik „
Gebr. Peltzer“, in die auch ihr Bruder
Gustav (1844–97) eintrat. Nach dessen Tod leitete der Teilhaber Karl Pastor die Fabrik, bis Adolfs Söhne Konrad
Wilhelm (1865–1937, s. Rhdb.) und
Max Adolf (1869–1938) in das Unternehmen eintraten. 1965 fusionierte es mit dem Unternehmen „Scheibler &
Co.“ zur neuen Firma „Scheibler Peltzer
GmbH“.
Peltzer, Otto Paul Eberhard