<< Peerenboom-Missong, Else
Peierls, Sir Rudolf Ernst >>
Peez, Ernst Alexander von (1899 österreichischer Adel)
Finanzwissenschaftler, Industrieller, Politiker,
* 19.1.1829 Wiesbaden,
⚔ 12.1.1912 Weidling (Niederösterreich). (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Quellen
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus mainz.
Beamtenfam.;
V August Heinrich
P. (1786-1847),
Dr. med., Brunnen- u. Badearzt in
W., förderte d. Entwicklung Wiesbadens
z. Kurort,
Geh. Hof- u. Med.rat (s.
ADB 25;
Nassau. Biogr.),
S d. Johann Joseph Carl (1735–1809),
Stiftssekr. in Mainz, u. d. Maria Theresia Gaßmann;
M Maria Weinrich (
† 1843), aus Rechtenbach (
Kr. Wetzlar);
⚭ 1857 Anna Busch (1833–94), aus
W.; 2
S Carl (1858–1919),
k. u. k. Gen.konsul, Ernst (1863-
n. 1937.
⚭ N. N.,
T d. Baron Francesco Rossi,
Industr. in Arsiero, Vicenza), Verw.rat d. Krain.
Ind.ges. u. d. Theresienthaler
Papierfabr. v. Ellissen Roeder &
Co. (s.
Wi. 1935; Kosch,
Kath. Dtld); 2
T Amalie Josepha Dresler
v. Scharfenstein, Maria
v. Vivenot (
* 1873).
Leben ↑
kiP. studierte Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften in Heidelberg, München und Göttingen, wobei ihn die Schriften Friedrich Lists und dessen Thesen von einer nationalen Handelspolitik stark beeinflußten (
Dr. iur. 1854). In Prag erstellte er mit seinem Lehrer, dem Nationalökonomen Peter Mischler
|(1821-64), Rentabilitätsberechungen der
böhm. Industrie. Seit 1857 in Frankfurt, wo er mit seinen wirtschaftspolitischen Schriften auf sich aufmerksam machte, holte ihn der Präsident der Reichenberger Handels- u. Gewerbekammer, der Großindustrielle Johann Liebig, 1861 in die Redaktion der „Reichenberger Zeitung“. Die Verbindungen, die
P. sich dort aufbaute, führten 1864 zu seiner Wahl zum Generalsekretär des Vereins der Industriellen in Wien. Mit seinen Publikationen gewann er großen Einfluß auf die Handelspolitik der Monarchie, ohne ein staatliches Amt zu bekleiden; er setzte sich erfolgreich für eine gemäßigte Schutzzollpolitik ein. Zu diesem Zweck wirkte er 1875 mit an der Gründung des „Industriellen Clubs“, in dem er als Sekretär und später als Präsident amtierte.
P. verfocht die Idee eines größeren Wirtschaftsraumes in „Mitteleuropa“ mit den Kernstaaten Österreich-Ungarn. Deutschland und Frankreich. Unterstützt von seinem Sohn Ernst errichtete er 1886 eine Zellulosefabrik in Weißenbach/Enns (Steiermark) und gehörte dem Verwaltungsrat mehrerer Aktiengesellschaften an (
z. B. Aussig-Teplitzer Bahn
AG). Aufgrund seines Ansehens in Unternehmerkreisen wurde
P. 1876-85 von der Reichenberger Handelskammer (Böhmen) und 1890-95 von der Leobener Handelskammer (Steiermark) in das Abgeordnetenhaus des Reichsrates entsandt, wo er als Mitglied der Vereinigten deutschen Linken
bzw. der deutschen Fortschrittspartei die wirtschaftlichen Interessen seiner Wahlbezirke vertrat. Kaiser Franz Joseph I. berief ihn 1902 als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus, wo er sich der Verfassungspartei anschloß.
P. hat nicht nur als Wissenschaftler ein umfangreiches Schrifttum hinterlassen, sondern auch als Verbandspolitiker und Unternehmer seine Anschauungen wirkungsvoll in der Praxis vertreten
|Auszeichnungen ↑
Rr. d. Franz Joseph-Ordens (1908); Dr.
h. c. (Berlin 1910).
Werke ↑
Die
amerik. Konkurrenz, 1881;
Denkschr. üb. d. Bindung unseres Zolltarifs, 1882, Zur neuesten
Handelspol., 1895;
Die
österr. Ind. einst u. jetzt, in: Die Groß-
Ind. Österr., I, 1898, S. 43-60, England u. d. Kontinent, 1. T.,
91915, 2. T.,
21917.
Literatur ↑
Neue Freie Presse
v. 12.1.1912;
Wiener
Ztg. v. 14.1.1912;
L. Eisenberg, Künstler- u.
Schriftst.-
Lex., 3.
Jg. 1891, S. 259;
G. Kolmer, Das Herrenhaus d.
österr. Reichsrates, 1907, S. 263 f.;
E. M. Adametz, A.
v. R,
Biogr.,
Diss. 1948;
H. Benedikt, Die wirtschaftl. Entwicklung in d. Franz-Joseph-Zeit, 1958, S. 105 f.;
E. März,
Österr. Ind.- u.
Bankenpol. in d. Zeit Franz Josephs I, 1968, S. 95, 137, 187;
H. Matis, Österr.s
Wirtsch. 1848-1913, 1972, S. 35, 128, 154 f., 362, 372, 378;
A. Wandruszka u.
P. Urbanitsch, Die Habsburgennonarchie 1848-1918, I, 1974, S. 35, 51, 256;
Kosch, Kath. Dtld.;
BJ 17
(W, L);
ÖBL;
Biogr. Lex Böhmen;
Hist. Lex. Wien.
|Quellen ↑
Qu ÖStA (Adelsakt Ernst
v. Peez);
Wiener Stadt- u. Landesarchiv (
Biogr. Slg.);
Pfarramt Weidling,
Mitt. W. Uhlik, Weidling.
Autor ↑
Josef MentschlEmpfohlene Zitierweise ↑
Mentschl, Josef, „Peez, Ernst Alexander von“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
159 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116072237.html