<< Decius, Nikolaus
Decken, von der. >>
Deckel, Friedrich Wilhelm
Feinmechanikindustrieller,
* 11.12.1871 Jungingen (Hohenzollern),
† 10.7.1948 München. ((römisch)-katholisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Karl (1825–1906), Kleinbauer
u. Händler in Jungingen,
S des Bernhard, Bauer;
M Thekla Miller aus Jungingen;
⚭ 1902 Kreszenz (
* 1880),
T des
Joh. Nep. Boniberger;
S Dr. Hans (
* 1903), Diplom
Ing. Frdr. Wilh. (
1906-67), geschäftsführende Teilhaber der
Fa. Friedrich Deckel.
Leben ↑
Nach Beendigung 3jähriger Feinmechanikerlehre in einem Junginger Kleinbetrieb arbeitete Deckel in Betrieben des mathematisch-optischen Faches unter anderem in Jena, sodann in Holland und England (Siemens Brothers in Woolwich). Er empfing bei Zeiss in Jena unter persönlicher Anleitung E. Abbes als dessen bevorzugter Labormechaniker nachhaltige wissenschaftliche Förderung. Die Ära berühmter Münchener Physiker (Fraunhofer, Reichenbach, Utzschneider, Steinheil und andere) war in München produktiv geblieben und veranlaßte Deckel 1897 bei C. A. Steinheil die Stelle eines Entwicklungsmechanikers für Photo-Optik anzunehmen. In der aufkommenden Amateurphotographie und Projektion „lebender Bilder“ erkannte Deckel besondere Möglichkeiten. Ende 1898 machte er sich mit der Eröffnung einer kleinen mechanischen Werkstätte auf der Grundlage eines Teilezulieferers, besonders einer Telephonfabrik und anderer Unternehmen, selbständig. Nebenbei beschäftigte er sich angelegentlich mit Kamera- und Kinematographentechnik. 1903 vergesellschaftete sich Deckel mit Christian Bruns, dem Erfinder der ersten sichtbar optisch scharf einstellbaren Magazinkamera (1890). Die Werkstätte Bruns & Deckel wurde gegründet zur Herstellung eines von Bruns konzipierten und von Deckel konstruierten
zentralen Verbundverschlusses für Kameras - des „Compound“-Verschlusses -, dessen Belichtungszeit durch sinnreiche Kombination von Federautomatik und mechanisch einstellbarem, reibungsgebremsten Vorspannungsablauf, außerdem durch in das Objektivsystem verlegte Blenden- und Lamellenbewegung gekennzeichnet ist. Bruns schied 1905 aus dem Geschäft aus. Damit wurde Deckel dessen Alleininhaber. 1910 nahm er auch den Bau von Präzisions-Werkzeugmaschinen auf. Nach der Betriebsaufnahme in eigenem Werkbau, 1911, begann Deckel einen erheblich weiter entwickelten Kameraverschluß, den „Compur“-Verschluß, herzustellen, dessen Funktion auf dem Prinzip meß- und eichbaren zwangsläufigen Federwerkablaufes beruhte und bei raschesten Öffnungs- und Schließbewegungen bisher unerreichte Genauigkeit der eingestellten Öffnungszeiten gewährte. Der Photo-Optik, Photometrie und Photochemie wurden damit neue Entwicklungswege und Marktmöglichkeiten erschlossen, so daß Deckel mit diesem Verschluß nahezu ein Monopol er
|rang. Der „Compur"-Verschluß hatte den sogenannten elektrischen Vaku-Blitz- und Entladeröhrengeräten mit den Weg bereitet. Die Weiterentwicklung, der Öffnungsmaximale und Kontaktverschluß (M/X) absolut synchronisierende „Synchro-Compur“-Verschluß, löste eines der schwierigsten Probleme der Aufnahmetechnik. Dieser Verschluß bildet die zwecklogische Voraussetzung zur Vorautomatisierung des modernen, Belichtungszeit- und Blendenstellung in einem Einstellorgan vereinigenden „Synchro-Compur“-Verschlusses mit Lichtwertskala.
Deckel hatte 1912 als erster Unternehmer in München den Achtstunden-Arbeitstag eingeführt. „Deckel“-Präzision ist in der deutschen und besonders auch in der bayerischen Feinmechanik seit über 25 Jahren ein Haushaltwort zur Kennzeichnung hoher Präzision. Bei seinem Tode zählte sein Werk 1926 Beschäftigte, 1956 3000. Kommerzienrat., Dr. Ehren halber der Technischen Hochschule München (1928).
Literatur ↑
F. L. Neher, 50 Jahre F.
D., 1953
(P).
Autor ↑
Franz Ludwig NeherEmpfohlene Zitierweise ↑
Neher, Franz Ludwig, „Deckel, Friedrich Wilhelm“,
in: Neue Deutsche Biographie
3
(1957), S.
543 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd135726093.html
Deckel, Friedrich Wilhelm
Name: Deckel, Friedrich Wilhelm
Lebensdaten: 1871 bis 1948
Geburtsort: Jungingen (Hohenzollern)
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Feinmechanikindustrieller
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Neher, Franz LudwigPND: 135726093