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Pastor, Ludwig Edler von, Freiherr von Camperfelden >>
Pastor, Gustave Léon
Hütteningenieur,
* 10.10.1832 Lüttich,
† 2.9.1922 Jemeppe/Maas. (reformiert)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Konrad Gustav (1796–1890), 1829-65 Leiter
bzw. Gen.dir. u. Reorganisator d. S. A. John Cockerill in Seraing
b. L. (s. Einl);
M Adele Hodson (1810–88);
B George Octave (1835–1915), Hüttening., 1870-78
Techn. Dir. d. Rhein. Stahlwerke,
belg. Konsul in Düsseldorf; –
⚭ 1856 Charlotte Reine Agnes Robert (
* 1823); 1
S, 3
T .
Leben ↑
P. hatte zunächst studiert, bevor er 1854 in den Werken „S. A. John Cockerill“, wo sein Vater Generaldirektor war, sein eisenhüttenkundliches Wissen erweiterte und bald zum Betriebsdirektor aufstieg. 1871 war er Mitbegründer und Leiter des Stahlwerks „de Rossius, Pastor & Co“ in Angleur, aus dem 1878 die „S. A. des Acières d'Angleur“ hervorging.
1878 übernahm
P. als Nachfolger seines jüngeren Bruders die technische Leitung der 1871 in Meiderich bei Duisburg von
franz. und
belg. Industriellen und Bankiers gegründeten „Rheinischen Stahlwerke“, die auf der Basis von Bessemer-Stahl in erster Linie gewalztes, geschmiedetes und gegossenes Eisenbahnmaterial herstellten. Technischen Neuerungen gegenüber sehr aufgeschlossen, gelang es ihm, am 26.4.1879 zusammen mit dem „Hoerder Bergwerks- und Hüttenverein“ von Sidney Gilchrist Thomas die Lizenz für das Thomasverfahren im deutschen Zollgebiet zu erwerben. Schon am 22.9.1879 konnten beide Werke, zufälligerweise am selben Tag, die erste Thomasschmelze erblasen. Dadurch ist
P.s Name untrennbar mit der Innovation der deutschen Stahlindustrie verbunden (Silberne Staatsmedaille f. d. Rhein. Stahlwerke auf d. Rhein.-Westfäl. Industrie- u. Gewerbeausst., Düsseldorf 1880). Auch wenn der Hoerder Bergwerks- und Hüttenverein in der Folgezeit die technische Entwicklung des Thomasverfahrens vorantrieb, so waren die Gewinne der Rhein. Stahlwerke während des 15jährigen Patentschutzes doch außerordentlich. Schon anderthalb Jahre nach Lizenznahme hatte das Unternehmen alle diesbezüglichen Ausgaben durch Unterlizenzen kompensiert.
In der Folgezeit führte
P. rasch weitere technische Neuerungen ein. Seit 1884 konnten die Rhein. Stahlwerke durch die Inbetriebnahme eines Siemens-Martin-Werks alle gewünschten Fließstahlqualitäten erschmelzen und für die Massenproduktion auf die noch üblichen Puddel- und Tiegelstahlverfahren verzichten. Gleichzeitig wurde das bisher auf Schienen fixierte Walzprogramm auf Profileisen für die Bauwirtschaft und den Schiffbau erweitert. Um die Preisabsprache der mittlerweile kartellierten Hochofenwerke zu unterlaufen, wurden unter
P.s Leitung auch zwei Hochöfen in Meiderich gebaut und im Juli 1889
bzw. Januar 1890 in Betrieb genommen. 1890 schied
P. auf eigenen Wunsch aus, um mit seiner Familie in seine
belg. Heimat zurückzukehren. Dem Unternehmen blieb er verbunden,
u. a. als Aufsichtsrat (1896–1911). Anderen Unternehmen, insbesondere den Fabriken feuerfester Erzeugnisse im
belg. Andenne und im
franz. Marpent, stand er beratend zur Seite. Wie sein Vater betätigte auch er sich karitativ in seinem Wohnort Jemeppe.
Literatur ↑
H. F. Macco (s.
L z. Fam.art.);
Stahl u. Eisen 42, 1922, S. 1863;
C.-F. Baumann, G. L.
P.,
Techn. Reorganisator d. Rhein. Stahlwerke, in: Niederrheinkammer 43, 1987, S. 306;
ders., in: W. Burkhard (
Hg.), Niederrhein. Unternehmer, 1990, S. 54 f.;
ders., Von d. Stahlhütte
z. Verarbeitungskonzern, Thyssen
Ind. 1870-1995, 1995, S. 12-16.
Autor ↑
Manfred RaschEmpfohlene Zitierweise ↑
Rasch, Manfred, „Pastor, Gustave Léon“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
94
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd138714657.html