<< Parler, Heinrich von Gmünd
Parseval, Franz August Ferdinand Max von >>
Parsch, Pius (Taufname Johannes Bruno)
Augustinerchorherr, Wegbereiter der liturgischen Erneuerung,
* 18.5.1884 Neustift bei Olmütz (Mähren),
† 11.3.1954 Klosterneuburg,
⚰ Klosterneuburg, Sankt Gertrud.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Franz Xaver (1854–1902), aus Mähr.-Neustadt, Kassier u. Archivar d. Stadt Olmütz, Mundartdichter,
S d. Webermeisters Johann u. d. Anna Tief;
M Maria Handel (1853–1945), aus Mähr.-Neustadt,
T d. Schneidermeisters Vincenz Handel u. d. Maria Hartel;
Ov Johann Sebastian (1847–1916), Dechant
v. Neutitschein;
B Rudolf (1886–1949), Bankbeamter;
N Johannes Rudolf (
* 1935), Min.rat in Wien.
Leben ↑
R trat 1904 in das Chorherrenstift Klosterneuburg ein, studierte dort und an der
Univ. Wien Theologie, wurde 1909 zum Priester geweiht, 1912 mit einer neutestamentlichen Dissertation zum
Dr. theol. promoviert und 1913 Professor für Pastoraltheologie an der Stifts-Lehranstalt. Während des 1. Weltkriegs Feldkurat an der Ostfront, hielt er seit 1919 in der Klosterneuburger Stiftspfarre Bibelstunden, seit 1921 Einführungen in die Liturgie. Zu Christi Himmelfahrt 1922 feierte er mit diesen Gruppen in der Kapelle
St. Gertrud die erste „Gemeinschaftsmesse“. Bald entstand eine „Liturgische Gemeinde“, die in
St. Gertrud Gottesdienst hielt und zugleich ein reges Gemeinschaftsleben entwickelte. Seit 1923 leitete
P. in mehreren Wiener Pfarren „Liturgische Wochen“. Seine hierfür geschaffenen Hefte mit den übersetzten Meßtexten – zwischen 1927 und 1930 erreichten sie eine Auflage von 15
Mio. – waren der Anfang einer reichen publizistischen Tätigkeit. 1925 gründete
P. den Verlag „Volksliturgisches Apostolat" (seit 1969 „Pius-Parsch-Institut"), 1926 die Zeitschrift „Bibel und Liturgie“, 1928 die Zeitschrift „Lebe mit der Kirche“. 1934 erschien eine von
P. herausgegebene preiswerte dreibändige Bibelausgabe im Volksliturgischen Apostolat. Nach der Aufhebung des Stiftes wirkte
P. 1941-46 in der Wiener Pfarre Floridsdorf. 1947 wurde er Professor für Neues Testament an der Stifts-Lehranstalt. 1950 gründete er das „Klosterneuburger Bibelapostolat“ (seit 1966 „
Österr. Kath. Bibelwerk“).
P. trug die biblische und liturgische Erneuerung ins Volk. Das (tautologische) Wort „Volksliturgie“ und der Zeitschriftentitel „Bibel und Liturgie“ drücken
P.s Programm aus. Aus diesen beiden Quellen sollte eine allgemeine kirchliche Reform schöpfen.
P. veröffentlichte nicht nur eine Fülle populärer bibel- und liturgietheologischer Schriften (
z. T. Niederschlag seiner Vortragstätigkeit), sondern schuf auch Modelle für die tätige Mitfeier der Liturgie, vor allem die „Chormesse“ mit deutschem und
lat. Choral und die „Betsingmesse“ mit Kirchenliedern. Zur Verbreitung dieser Modelle im deutschen Sprachraum trug der Festgottesdienst des Wiener Katholikentags 1933 bei, der – mit 200 000 Teilnehmern und im Rundfunk übertragen – als Betsingmesse begangen wurde. Diese Form wurde nun in vielen Pfanen zur Gemeindemesse schlechthin. Durch sein Lebenswerk ist
P. einer der Wegbereiter für die Erneuerung der
kath. Kirche und damit für das II. Vatikanische Konzil.
Werke ↑
Das Jahr d. Heiles, Klosterneuburger Liturgiekal., 1923;
ab
101932 3
Bde. (nur
131947 auf 1
Bd. verkürzt),
141952/53,
Erg. 1958;
Meßerklärung im Geiste d. liturg. Erneuerung, 1930,
31950;
Liturg. Erneuerung,
Ges. Aufss., 1931;
Lernet d. Messe verstehen, 1931,
71960;
Volksliturgie, Ihr Sinn u. Umfang (
Aufs.-
Slg.), 1940,
21952
(W-Verz.);
Breviererklärung im Geiste d. liturg. Erneuerung, 1940;
Die liturg. Predigt, Wortverkündigung im Geiste d. liturg. Erneuerung, 10
Bde., 1948-55;
2.
Aufl. v. Bd. 10
bearb. v. N. Höslinger;
Wie halte ich Bibelstunde?, 1951,
21957. –
Hg: Klosterneuburger Meßtexte (f. jeden Sonn- u. Festtag), 1922 ff.;
Bibel u. Liturgie, 1926–41, 1949-52;
Volksliturg. Andachten u. Texte, 1927 ff.;
Lebe mit d. Kirche, 1928–39, 1946-49;
Liturg. Praxis, 1930 ff.;
Lebebücherei, 1931 ff.;
Seelsorgsbriefe, 1933 ff.;
Klosterneuburger
Hh., 1935 ff.
Literatur ↑
P. Mesnard, Le mouvement liturgique de Klosterneuburg, 1944;
E. Muellerleile, At the Cradle of Folk-Liturgy, The Story of the Life Work of F. P.
P., 1953;
M. Pfliegler, Bedeutung d. Lebensarbeit d. Chorherrn P.
P. f. d. Seelsorge d. Gegenwart, in: Bibel u. Liturgie 21, 1953/54, S. 225-29;
ders., P.
P., Seine Größe u. seine Grenze, in: Singende Kirche 2, 1954/55, H. 1, S. 40-46;
Th. Warnung u. Th. Schnitzler, in: Liturg.
Jb. 4, 1954, S. 230-36;
N. Höslinger. Mit Courage u. Konsequenz, Der
Btr. v. P.
P. u. d. Wiener Kreises
z. Liturg. Bewegung,
ebd. 43, 1993, S. 48-61;
J. Zabel, P.
P. Wegbereiter d. liturg. Erneuerung,
hg. v. Sudetendt. Priesterwerk Königstein (Taunus),
31970
(P);
R. Pacik, Volksgesang im Gottesdienst, Der Gesang bei d. Messe in d. Liturg. Bewegung
v. Klosterneuburg, 1977;
ders., in:
Dict. de Spiritualité 12/1, 1984, S. 267-71;
Mit sanfter Zähigkeit, P.
P. u. d. bibl.-liturg. Erneuerung,
hg. v. N. Höslinger u. Th. Maas-Ewerd, 1979
(W-Verz., P);
B. Krawczyk, Liturgia e laici nell'attività e negli scritti di
P. R.,
Diss. Rom 1990;
R. Stafin, „Ein neues Verhältnis
zw. Gott u. dem Menschen“, Die Eucharistie als
Qu. d. Gnade Gottes im Sinne P.
P.s,
Diss. Innsbruck 1993;
Biogr. Lex. Böhmen;
LThK3;
BBKL;
Hist. Lex. Wien.
Autor ↑
Rudolf PacikEmpfohlene Zitierweise ↑
Pacik, Rudolf, „Parsch, Pius“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
74-75
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118789759.html