<< Papst, Hermann
Du Paquier, Claudius Innocentius >>
Paquet, Alfons
Schriftsteller,
* 26.1.1881 Wiesbaden,
† 8.2.1944 Frankfurt/Main.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Die
Fam. väterlicherseits stammt ursprüngl. aus Grenoble;
V Jean (1852–1913), aus Köln,
Handschuhfabr. in
W.;
M Friederike Burger (1852–1906, beide baptist.), aus Heilbronn;
Om Benjamin Rouse, Tuchhändler in London; –
⚭ 1910 Marie Henriette (1881–1958), Malerin,
T d. Wilhelm Steinhausen (1846–1924),
D. theol., Maler u. Graphiker (s. Frankfurter Biogr), u. d. Ida Wöhler (1851–1923), aus Berlin; 2
S (1
⚔), 4
T ,
u. a. Barbara (
* 1916,
⚭ Max
Frhr. v. Brück, 1904–88,
Dr. iur., Korrespondent d. WDR u. NDR).
Leben ↑
P. begann 1896 eine kaufmännische Lehre im Tuchgeschäft seines Onkels Benjamin Rouse in London. Bereits während seiner Lehrzeit verfaßte er Gedichte und Erzählungen. Nach verschiedenen redaktionellen Tätigkeiten studierte
P. seit 1902 Volkswirtschaft, Jura, Geographie und Philosophie in Heidelberg, später in München und Jena und promovierte 1908 zum Doktor der Staatswissenschaft mit dem Thema „Das Ausstellungsproblem in der Volkswirtschaft“. Im selben Jahr arbeitete
P. am „Wilhelm-Merton-Institut für Gemeinwohl und Gemeinschaft“ in Frankfurt, 1911-14 bei den „Deutschen Werkstätten“ in Hellerau. Seit 1904, verstärkt seit 1916 war
P. in verschiedenen Funktionen für die Frankfurter Zeitung (FZ) tätig (Korrespondent, Redaktion des Stadtblattes und des Feuilletons), bis diese 1943 ihr Erscheinen einstellen mußte. In das literarische Leben der Zeit war
P. durch seinen Vorsitz im „Bund
rhein. Dichter“, durch seine Arbeit als Sekretär des Goethepreis-Kuratoriums und 1932 durch die Wahl in die
Preuß. Akademie der Künste, Sektion für Dichtkunst, eingebunden (Antrittsrede: Der Weg e. Schriftstellers). Ein Jahr später trat er wieder aus, da er sich weigerte, die Solidaritätserklärung für das
NS-Regime zu unterzeichnen.
P. war in der Folgezeit Repressalien ausgesetzt, eine Verhaftung während einer Reise nach Schweden 1935 wurde durch die Intervention des Auswärtigen Amtes, in dem Freunde aus früheren Jahren tätig waren, aufgehoben. Seine guten, langjährigen Verbindungen zur FZ ermöglichten ihm eine publizistische Arbeit in
|engen Grenzen; politische Themen sparte er aus.
Das schriftstellerische Werk von
P. umfaßt Gedichte (
u. a.: Auf Erden, 1906; Held Namenlos, 1912; Drei Balladen, 1922), Erzählungen, Romane (
u. a.: Kamerad Fleming, 1911,
21921,
Neuaufl. 1926), Theaterstücke (
u. a.: Fahnen, 1923; Sturmflut, 1926), Reisebeschreibungen, Reportagen, Essays und Vorträge. Es ist geprägt von poetischer Sachlichkeit, in der Lyrik gelegentlich Hymnik und Realismus verbindend, von Humanität, sozialer Christlichkeit und einem ausgeprägten Interesse am Menschen als soziales und politisches Wesen. In allen Werken, vor allem in den Reisebeschreibungen, macht
P. historisch-politische, soziale und geographischwirtschaftliche Zusammenhänge sichtbar. Dreimal bereiste
P. Asien (Sibirien, China 1903/08/10), ebenso häufig den Vorderen Orient und Kleinasien (1905/13/21), zweimal Amerika (1904/37). In Moskau wurde
P. 1918 Augenzeuge der
russ. Revolution und berichtete darüber in „Der Geist der
russ. Revolution“ (1919). Das in dieser Zeit geführte Tagebuch wurde Grundlage des Romans „Von November bis November“ (
Ms. im Nachlaß). Inspiriert von den Erfahrungen in Amerika und ausgehend von der Idee eines die angrenzenden Länder vereinenden Rheinlands, entwickelte
P. die Vision der Vereinigten Staaten von Europa und einer
europ. Friedensordnung (Der Rhein als Schicksal, 1920; Antwort des Rheines, 1928).
Werke ↑
Weitere W u. a.
Schutzmann Mentrup u. anderes –
Erzz., 1901;
Lieder u. Gesänge, 1902;
Asiat. Reibungen – Polit.
Stud., 1909;
Südsibirien u. die Nordwestmongolei – Reiseber., 1909;
Li
od. im neuen Osten, 1912;
Der Kaisergedanke, 1915;
In Palästina, 1915,
Neuaufl. 1923;
Im kommunist. Rußland, Briefe aus Moskau, 1919;
Delph. Wanderungen, 1922;
Der Rhein, e. Reise, 1923;
Amerika. Hymnen, Gedichte, 1925;
William Penn – Schauspiel, 1927, Städte, Landschaften u. ewige Bewegung, 1927;
Besuch am Gr. Hirschgraben, 1932;
Und Berlin?, 1934;
Fluggast
üb. Europa, 1935;
Der Frankfurter Rundhorizont, 1937;
Amerika unter d. Regenbogen, 1938;
Der Rhein, Vision u. Wirklichkeit, 1940;
Die Botschaft d. Rheins, 1941;
Ges. Werke, 3
Bde., 1970. –
Aufss., Vorträge, Reden: u. a. in FZ 1904-43;
Skizze zu e. Selbstbildnis, in: Der eiserne Steg, 1925;
Die Katastrophe (postum), in: Die Gegenwart, April 1946.
|Nachlass ↑
Nachlaß: Stadt- u.
Univ.-bibl. Frankfurt/M.
Literatur ↑
Bibliogr. A. P., 1958
(P);
V. Niebuhr, in: Archiv f. Frankfurter
Gesch. u. Kunst, H. 57, 1980;
A. P., 1881-1944, Begleith.
z. Ausst. 1981,
Neuaufl. 1994;
K. Korn, in: Rhein. Profile, 1988;
G. Cepl-Kaufmann, Ein paar Tropfen Rheinwasser, in:
Lit. Schreiben aus regionaler Erfahrung, 1996;
dies., Phoenix aus d. Asche, in: Eurovisionèn, 1996;
G. Koenen, Vom Geist d.
russ. Rev., in:
Dtld. u. d.
russ. Rev., 1998;
Nassau. Biogr.;
Frankfurter Biogr. (P);
Kosch, Lit.-Lex.3;
Killy.
Autor ↑
Bernhard KoßmannEmpfohlene Zitierweise ↑
Koßmann, Bernhard, „Paquet, Alfons“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
59 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118591673.html