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Andermatt, Joseph Lorenz >>
Anderegg, Tobias
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Anderegg: Tobias
A.
, toggenburgischer Fabricant und Kaufmann, geb. zu
Ennatbüel 14. Nov. 1751, † in Wattwil 1. Nov. 1826. — Aus den bescheidensten
Verhältnissen und den untergeordnetsten Stellungen durch
unermüdlichen Fleiß, strengste Sparsamkeit und Rechtlichkeit sich
nach und nach emporarbeitend, gründete Tobias
A.
im J. 1790 (?) ein eigenes Geschäft in Wattwil. Er
handelte in Baumwolle, ließ Baumwolle zu Garn verspinnen und
verkaufte Garn, ließ Garn zu Tüchern verweben und verkaufte diese
Tücher hauptsächlich auf dem Markt zu St. Gallen. Als seine Söhne
Johann Georg und Friedrich (geb. 8. Juli 1792, † 21.
Mai 1856; geb. 12. Nov.
1797, † 28. Aug 1864)
herangewachsen waren, nahm der erstere seinen Wohnsitz in St.
Gallen selbst, um hier die Handlung zu betreiben, während der
Mittelpunkt der
Fabrication in Wattwil verblieb. Im J. 1820 erblindete der Vater
und die Söhne führten von hier an das Geschäft selbständig. Sie
verbanden mit demselben seit dem J. 1835 eine große Bleicherei,
Sengerei und Appretur nicht bloß zum eigenen Gebrauch, sondern als
sehr nothwendige Ergänzung der toggenburgischen Industrie
überhaupt. Der Hauptsitz des Geschäftes, besonders für den
Vertrieb der Weißwaaren, blieb fortwährend in der Stadt; daneben
aber begannen die Brüder seit den dreißiger Jahren in bunten
Geweben von Wattwil aus directe überseeische Geschäfte zu machen,
zuerst nach Nordamerika (New-York), dann vorzüglich nach Brasilien
(Rio de Janeiro), wo sie mit ihren in jeder Beziehung als
vollendet anerkannten Fabricaten unbestritten den ersten Platz
einnahmen. In seinen letzten Lebensjahren führte Johann Georg noch
mit großem Erfolg die Fabrication fertiger Leibwäsche (Hemden,
Unterhosen, Jacken) im Toggenburgischen ein, in der
ausgesprochenen Absicht, der Hausindustrie einen neuen Halt zu
geben; denn die auch im Thurthale immer unwiderstehlicher
eindringende Fabrikindustrie liebten die Anderegg's nicht und
konnten sich nicht mit derselben befreunden, obschon sie sehen
mußten, daß die neueren Rivalen (Raschle und Naef) ihnen mit deren
Hülfe nach und nach den Vorrang abgewannen. An dem öffentlichen
Leben des Kantons und der Eidgenossenschaft nahm vorzüglich Johann
Georg lebhaften Antheil und zeigte sich auch hier als
conservative, aber ebenso solide Kernnatur von unbedingtem
Pflichtgefühl. Als Nationalrath übte er sehr großen Einfluß auf
die möglichst freie Gestaltung des eidgenössischen Zollgesetzes
und ihm ist es hauptsächlich zu verdanken, daß alle wichtigen
Lebensbedürfnisse von Anfang an nur eine ganz geringe
Eingangsgebühr bezahlten. Den etwa 1000 Arbeitern, die das Haus
A.
in seiner Blüthezeit beschäftigte, war es eine
förmliche Heimath, wo Jeder, der es verdiente, nicht blos in
Zeiten lebhaften und matten Geschäftsverkehrs lohnende Arbeit,
sondern auch in Zeiten häuslicher Noth Rath und Hülfe zu finden
gewiß war.
Literatur ↑
F. M. Hungerbühler, Industriegeschichtliches über d. Landschaft
Toggenburg (in d. Verhandl. d. St. Gall.-Appenz. gemeinnütz.
Gesellsch. für 1851, St. Gallen und Bern 1852).
Autor ↑
Wartmann.
Empfohlene Zitierweise ↑
Wartmann, Hermann, „Anderegg, Tobias“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
428-429
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd13571785X.html?anchor=adb
Anderegg, Tobias
Name: Anderegg, Tobias
Lebensdaten: 1751 bis 1826
Beruf/Lebensstellung: schweizerischer Fabrikant
Konfession: keine Angabe
Autor ADB:
Wartmann, HermannPND: 13571785X