<< Salin, Edgar Bernhard Jacques
Salis-Seewis, Johann Gaudenz Gubert Graf von >>
Salis (Salice), von
Graubündener Adelsfamilie. (katholisch, reformiert)
Leben ↑
Die
S. mit Stammsitz Soglio sind gegen Ende des 13.
Jh. im Bergell (Graubünden) nachweisbar. Sie gehen wohl auf ein Geschlecht der Führungsschicht von Como (Lombardei) zurück, das im 12.
Jh. bezeugt ist. Ende des 13. und im 14.
Jh. Lehens- und Herrschaftsträger des Hochstifts Chur (Erstbezeugung f.
Rudolf zu Soglio 1300), hatten sie jedoch noch keine dominante Stellung im Bergell inne; erst 1396 erscheint mit
Augustin ein
S. erstmals im Amt des Bergeller Talrichters. Die Familie erwarb bedeutenden Grundbesitz in der Region von Chiavenna und Plurs (Veltlin) und engagierte sich im Handel Südgraubündens mit dem
Hzgt. Mailand; seit 1393 erwarb sie mehrere mailänd. Handelsprivilegien, die 1440, 1457 und 1544 bestätigt wurden. Gleichzeitig traten Mitglieder der Familie als Söldnerführer in Oberitalien
|hervor (Augustin 1391 in Mailand) und betätigten sich im Notariat von Südgraubünden. Im 15.
Jh. gelang es der Familie, sich in der Führungschicht des Hochstifts Chur (Gotteshaus/Gotteshausbund) zu etablieren und den Besitz über das Bergell hinaus auszudehnen.
Neben der weiterhin fortbestehenden Stammlinie „Soglio“ kam es – über ganz Graubünden verteilt – zur Gründung mehrerer Linien: „Samaden“ (Gründer
Friedrich [1510-70]), „Grüsch“ (Gründer:
Herkules [1503-78]), „Jenins-Maienfeld“ (Gründer:
Gilbert [1512-91]). „Malans/Zizers“ (Gründer:
Rudolf [
† 1579]), „Marschlins“ (Gründer:
Ulysses [1594–1674, s.
ADB 30];
Frhr. 1582), „Rietberg-Chur“ (Gründer:
Anton [
† 1554]).
Gubert (um 1544) ist der Gründer einer zeitweilig bestehenden Linie in Regensburg. Weitere Zweige bestanden im Veltlin, das seit dem frühen 16.
Jh. Untertanenland der III. Bünde war.
Die Blütezeit der
S. beginnt im 16.
Jh., unmittelbar nach Entstehung der Republik der III. Bünde (Graubünden). Die Familie gehörte zum innersten Kreis der Oberschicht von Graubünden und verfügte über gute Beziehungen zum Haus Habsburg (1556–73 war
Dietegen österr. Landvogt d. Prättigaus). Daneben waren Mitglieder der Familie weiterhin als Söldnerführer in den Diensten der
europ. Großmächte erfolgreich tätig:
Anton (
† 1558) war
ksl. General,
Rudolf (
ca. 1560–1600) Oberst, dann General in
franz.,
venezian. und
ksl. Diensten. Als erfolgreicher Montanunternehmer und Großkaufmann trat
Johann hervor (1546-1624). Seit Einführung der Reformation in Graubünden zu Beginn des 16.
Jh. sind die
S. gemischtkonfossionell. Mehrere Versuche, den Erzpriester
Bartholomäus (1501–70, s.
Gatz III) zum Bischof von Chur zu erheben, scheiterten.
Franz Rudolf (1654–1739) war Generalvikar in Chur.
Nach 1500 nutzten die
S. besonders erfolgreich die Möglichkeiten für die Ämterlaufbahn innerhalb ihrer Heimat und deren Untertanenland im Veltlin, wo sie bereits im 16.
Jh. neben der Familie Planta die meisten Amtsleute stellten, sowie in den III. Bünden.
Aufgrund ihrer Stellung im Transitland Graubünden gerieten die
S. im frühen 17.
Jh. in den strategischen Konflikt zwischen Frankreich und Österreich-Spanien sowie Venedig, wobei sie sich politisch stärker für Frankreich und Venedig engagierten. So vertrat
Herkules (1565–1620) als Diplomat und Politiker die Interessen Venedigs. Sein Sohn
Ulysses (1594–1674), Offizier in
franz. Diensten (erster
schweizer. Gen. in Frankreich), unterstützte in Graubünden die Politik Frankreichs und Venedigs.
Rudolf (1589–1625, s.
ADB 30) war 1622 Oberbefehlshaber der aufständischen Bündner gegen Österreich. Vom 16. bis Ende des 18.
Jh. waren die
S. das erfolgreichste Offiziers- und Ämtergeschlecht ihrer Heimat:
Jakob (1615–59) war
ksl. Oberst,
Hans Wolf (1597–1640)
ksl. General,
Johann Baptista (1646–1702)
franz. Oberst,
Carl Ulysses (1707–77)
franz. General.
Nach dem 30jährigen Krieg nahm der Einfluß der Familie in den III. Bünden zu. In den Untertanen-Landen, wo sie über umfangreichen Grundbesitz verfügte und das Beziehungsgeflecht zu dortigen Eliten und zur Bündner Aristokratie ausbaute, stellte sie im 18.
Jh. die höchste Anzahl an Amtsleuten.
Herkules (1650–1727) und
Peter (1675–1749, s.
Schweizer Lex.), Gründer einer
engl. Linie, lehnten sich politisch an Frankreich an, ebenso
Johann Lucius (1672–1722), der Freiherr zu Haldenstein bei Chur und Gründer dieser Nebenlinie wurde, die bis zum Untergang der III. Bünde im Besitz von Haldenstein blieb. Besondere Erwähnung verdient die Gelehrte und Theologin
Hortensia,
verh. Gugelberg
v. Moos (1659–1715, s.
L).
Mehrerer Familien aus der übrigen Führungsschicht Graubündens wandten sich im 18.
Jh. gegen die überbordende Machtposition der
S. in Graubünden und in den Untertanenlanden, was zur Gründung der Gruppierung der ‚Patrioten' führte. Seit 1774 war
Ulysses (1728–1800, s.
L), ein besonders einflußreicher Politiker,
franz. Ministerresident in Graubünden. Sein Bruder
Johann Baptista (1731–97) stand als General in
holländ. Diensten.
Peter (1729–83) war Inhaber von Bündner Landeszöllen und Bankier.
Im 19.
Jh. traten folgende
S. hervor:
Gaudenz (1825–86) als Ständerat und Nationalrat.
Johann Gaudenz (1762–1834, s. 1), erster
schweizer. Generalstabschef, als Offizier und Dichter, und sein Bruder
Johann Ulrich Dietegen (1777–1817, s.
L) als Historiker, Mitbegründer der Ökonomischen Gesellschaft Graubünden und Redaktor von „Der neue Sammler“ (1805-12). Besondere Erwähnung verdient die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin
Meta (1855–1929, s.
W,
L).
Johann Ulrich (1790–1871, s.
ADB 30;
Schweizer Lex.) war 1848 Befehlshaber des
schweizer. Sonderbunds.
Adolf (1818–91) und
Friedrich (1825–1901) waren Wasserbauer (s. Franke/Kleinschrot, Kurzbiogrr. Hydraulik u. Wasserbau, 1991;
Schweizer Lex.)
|Im 20.
Jh. machten sich die Historiker
Jean Rudolf (1901–96, s. 2), der Archäologe
Arnold (1881–1958, s.
Drüll I; R. Lullies u. W. Schiering, Archäologenbildnisse, 1988, S. 210 f.), der Jurist
Ludwig Rudolf (1863–1934, s. A. Staehelin [
Hg.], Professoren d.
Univ. Basel, 1960
[W, P]) und der Physiker
Gubert (1899–1977, s.
Schweizer Lex.) einen Namen.
Von dem in Österreich lebenden Zweig seien genannt
Rudolf Gf (1779–1840, s.
Wurzbach; G. Kugler, Staatskanzler Metternich u. seine Gäste, 1991), Obersthofmeister von
Ehzg. Franz Karl sowie die
österr. Generäle
Karl (1836–1915),
Daniel (1826–1919) und
Johann Ulrich (1862–1940, alle drei s.
ÖBL). Mitglieder der Familie leben außerdem in Deutschland und England.
Salis-Seewis, Johann Gaudenz Gubert Graf von
Salis, Jean Rudolf von