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Aerssen, Franz
Leben
| Autor
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Leben ↑
Aerssen: Franz von
A.
, Staatsmann, Sohn des Cornelis v.
A.
(s. d.), geb. zu Brüssel
1572, † 27. Dec. 1641 im Haag, ein Staatsmann von
scharfem Verstand, der aber unter dem äußeren Schein der Gradheit
eine gefährliche Zweideutigkeit barg; dabei ein gewandter und
feiner Stilist. Nachdem er zu Leiden zum Doctor der Rechte
promovirt war, gab ihn der Vater einige Zeit in die Leitung des
berühmten französischen Protestantenführers Philipp Duplessis
Mornay, wobei er in Frankreich Land und Leute gut kennen lernte.
Dann kehrte er nach einer Reise durch Italien 1596 nach Holland
zurück. 1598 begleitete er als Secretär die Gesandtschaft, welche
unter Olden Barnveld nach Frankreich ging, um Heinrich IV. vom Frieden mit Spanien zurückzuhalten und
da eben jetzt der staatische Gesandte in Paris starb, ward der
erst 26jährige
A.
zu seinem Nachfolger ernannt, mit der Instruction, die
guten Beziehungen zwischen den Staaten und Frankreich aufs
sorgsamste zu pflegen. Indessen machte der zu Vervins am 2. Mai
1598 geschlossene Frieden zwischen Spanien und Frankreich seine
Stellung höchst schwierig. Seine Schreiben (herausgegeben von
Vreede 1846) geben eine klare und lehrreiche Darstellung der
politischen Verhältnisse dieser Zeit. Wenn
A.
den König Heinrich nicht zur Erneuerung seines Krieges
gegen Spanien zu bewegen vermochte, so erwirkte er wenigstens
Geldunterstützungen für die Staaten, welche die von diesen
letzteren während der Kriege Heinrichs mit Spanien und der Ligue
ihm vorgestreckten Summen bei weitem übertrafen. Nur sah der
Gesandte, je mehr die Noth der Staaten in ihrem Kriege mit den
Spaniern stieg, um so bestimmter bei dem Könige die Absicht, seine
Hülfe sich durch territorialen Gewinn bezahlen zu lassen,
hervortreten. Seine Berichte über diese Wendung der französischen
Politik haben Olden Barneveld in dem Entschlusse bestärkt, mit den
Spaniern sich zu vertragen. Als am 9. April 1609 der
Waffenstillstand zwischen Spanien und den Niederlanden geschlossen
war, blieb
A.
als Gesandter am französischen Hofe und ward von
Heinrich IV. mit Auszeichnung behandelt.
Des Königs Tod aber, 1610, erschütterte seine Stellung. Denn Maria
v. Medicis, der spanischen Allianz geneigt, mißtraute ihm und dem
Staatskanzler Villeroy war er schon durch seine zu tiefen
Einblicke in die französischen Angelegenheiten im Wege. Als er
daher 1613 seinen Abschied, wol kaum im Ernste, forderte, benutzte
man dies gerne, um ihn unter ehrenvollsten Formen zu beseitigen,
und als er seine Rücksendung nach Frankreich im Haag durchzusetzen
trachtete, ward sie durch offene Schritte des französischen
Gesandten du Maurier hintertrieben. Vielleicht maß
A.
nicht mit Unrecht Olden Barneveld einen Hauptantheil
an seinem Fall bei; er tritt
|seitdem als dessen
erbittertster Gegner auf und trug hauptsächlich zu den gewaltsamen
Maßregeln gegen ihn bei. Er galt auch für den Verfasser der
Pamphlete, welche Olden Barneveld des Einverständnisses mit den
Spaniern und des Verrathes am Vaterland anklagten. Olden
Barneveld's Entgegnungen gegen diese und ähnliche Schriften
bezichtigten
A.
wiederum, in Paris das Interesse der Staaten
verrathen, ja die Unterwerfung der Staaten unter den König von
Frankreich geplant zu haben. Olden Barneveld erlag bekanntlich in
diesem Kampfe.
A.
, auf nicht rechtsgültige Weise naturalisirt, ward 1619
vom Prinzen Statthalter nicht nur in die Generalstaaten trotz
lebhaften Widerspruchs innerhalb derselben, sondern auch in die
Zahl der Richter über den gefangenen Olden Barneveld gebracht,
dessen Haupt am 13. Mai 1619 fiel.
Am französischen Hofe war man höchst erbittert gegen
A.
; ja als dieser 1620 zur Ratification eines Vertrags
nach Venedig geschickt, sich zugleich an verschiedenen deutschen
Höfen für die Interessen des Königs von Böhmen, Friedrichs v. d.
Pfalz, zu verwenden hatte, verbot Ludwig XIII. seinem Gesandten in Deutschland mit
A.
zusammenzutreffen. Während dieser Abwesenheit vom Haag
fiel sogar auf
A.
der Verdacht, an dem Verbrechen zweier Falschmünzer,
die man dort enthauptete, nicht ganz unbetheiligt zu sein. Im J.
1625 finden wir jedoch
A.
wieder auf seiner Gesandtschaft in Frankreich und von
dem inzwischen eingetretenen Richelieu mit allen Ehren empfangen,
ohne daß es ihm doch gelang, den Cardinal zu einer Allianz gegen
Oesterreich zu bereden.
Seit Moritzens Tod (1625) tritt
A.
im Uebrigen wenig mehr hervor. Im J. 1640 wählte ihn
die holländische Ritterschaft noch einmal in die Generalstaaten,
und im Jahre seines Todes (1641) finden wir ihn mit einer
Botschaft an den englischen Hof betraut, um für Wilhelm, den Sohn
des Statthalters Friedrich Heinrich, um die Hand Maria's, der
Tochter Karls I., zu werben.
Autor ↑
Alberdingk Thijm.
Empfohlene Zitierweise ↑
Thijm, Alberdingk, „Aerssen, Franz“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
131-132
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd12584252X.html?anchor=adb