<< Adelheid, Adalheid
Adelheid, Aleid >>
Adelheid, Aleidis
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Adelheid: Aleidis,
Gemahlin Graf Dietrichs VII. von Holland,
geb. Gräfin v. Cleve, tritt schon unter der Regierung ihres
Gemahls hervor, indem sie in dem Krieg desselben mit seinem
Bruder, dem Grafen Wilhelm von Friesland, das gegen letzteren
ausziehende Heer befehligte und ihn, mit dem sie eines geheimen
Einverständnisses beschuldigt worden war, 1195 am Flüßchen de
Reker schlug. — Als Graf Dietrich sich 1203 dem Tode nahe fühlte,
wünschte er die Grafschaft seiner einzigen Tochter Ada zu
hinterlassen. Aber Holland war damals noch Mannlehen und Graf
Wilhelm von Friesland hatte daher als Dietrichs Bruder unleugbar
die nächste Anwartschaft, wenn auch nach damaligem Stand des
Lehenrechts kein unzweifelhaftes Recht. Der Kaiser hätte immerhin
das Lehen als ein eröffnetes betrachten und einem Anderen, z. B.
also einem Tochtermann des Erblassers, übertragen können. Um
Wilhelms Widerspruch gegen eine solche Wendung zu beseitigen,
dachte Dietrich ihm die Vormundschaft über Ada zu übertragen. Dies
mißhagte aber seiner herrschsüchtigen Gemahlin. Sie wußte Wilhelms
Erscheinen am Sterbebett zu hintertreiben und hatte zugleich auch
in dem kriegerischen und durch Verwandtschaft mächtigen Grafen
Ludwig von Loon (od. Looz) im Lüttichschen einen ihren Plänen
geneigten Gatten für die Tochter bereit. Dieser hielt sich in der
Nähe verborgen und ward, sobald Dietrich gestorben, ja während man
ihn in Egmond beisetzte, in anstößiger Hochzeitsfeier mit Ada
vermählt, worauf er die Grafschaft als ihr Erbe in Anspruch nahm.
Wilhelm, dem die Schwägerin das freie Geleit zu seines Bruders
Leichenfeier verweigert hatte, erschien dennoch heimlich im Lande
und ein Theil des Adels erkannte ihn sofort als Grafen an, während
ein anderer Theil auf Graf Ludwigs Seite blieb. Fast wäre es Graf
Wilhelm geglückt, seine Gegner gleich anfangs auf der Fahrt zu
einer Leichenfeier in Egmond gefangen zu nehmen;
A.
und Ludwig wurden jedoch durch Gijsbrecht van Amstel
gerettet, während Ada in die soeben von ihren Anhängern besetzte
Burg von Leyden flüchtete; hier aber ward sie belagert und
gefangen (1203). Der Oheim schickte sie zuerst in anständigen
Verwahrsam nach Texel, später infolge von Unterhandlungen mit
A.
und Ludwig nach England, indem er ihre Ehe, weil seine
agnatische Zustimmung gefehlt habe, für ungültig erklärte. — Der
Krieg in Holland, für den beide Parteien das Aeußerste aufboten,
zog sich durch manches Jahr hin; im Anfang war Wilhelm, obwol auch
von König Philipp als rechter Lehnserbe anerkannt, nahe daran zu
unterliegen, bis ihm 1204 ein Sieg über Ludwig bei Rijswijk den
Besitz von Holland sicherte, freilich ohne den Krieg zu enden.
1206 ward ein für Wilhelm verhältnißmäßig ungünstiger Vergleich
geschlossen, aber eben darum auch nachmals von diesem trotz
päpstlicher Acht nicht gehalten. Der Streit dauerte bis ans
Lebensende der Streitenden. Ludwig empfing inzwischen 1207 von
König Johann von England, nachdem er sich diesem und seinem Neffen
König Otto IV. zum Dienst verpflichtet
hatte, seine Gemahlin Ada zurück. Sie hat seitdem in Loon gelebt
und ist wol nicht lange nach dem 1218 eingetretenen Tode des
Gemahls gestorben. Es heißt, daß jenen sein Bruder vergiftete.
Länger hat ihn
A.
überlebt, denn noch 1237 erscheint ihr Name in einer
Stiftung; sie blieb aber fortan ohne Einfluß und hat ihr Leben in
Vergessenheit beschlossen. — (Arend, Allgem.
Geschied. des Vaderl. II. 1.)
Autor ↑
Alberdingk Thijm.
Empfohlene Zitierweise ↑
Alberdingk, Thijm, „Adelheid, Aleidis“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
77
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd138529299.html?anchor=adb