<< Wallenstein, Albrecht Wenzel Eusebius von Wynnebald. >>
Leben | Autor | Zitierweise
Wilde Ros' im grünen Hag,Wilde Ros'!
Einsam durch den Sommertag
Träumst Du hin Dein Leben,
Viele, die am Weg' Dich seh'n,Wilde Ros'!
Achtlos weiter an Dir geh'n,
Strahlst im Glanz nicht eben,
Sonnenbrand und Wetter schierWilde Ros'!
Nehmen Schmelz und Krone Dir,
Wirst gar bald verderben,
Wilde Ros' im grünen Hag,Wilde Ros'!
Nur ein Vöglein schluchzt wie zag
Um Dein frühes Sterben,
Darum sei stets in Liebe der Natur,Die "sanfte Lehre", die ihm Ruhe und Frieden zufächelte, gipfelt darin, daß das Schicksal nichts Anderes ist als die Natur, nur subjectiv angeschaut. Objectiv oder sub specis aeternitatis betrachtet, gehört es zu den Ergebnissen einer unverbrüchlichen, ehernen Nothwendigkeit, zur Unausbleiblichkeit alles Geschehenden. Das ursprünglich Eine fällt in einzelne, gesonderte Momente auseinander, in deren Beziehungen zu einander sich ihre Zusammengehörigkeit abspiegelt. Höhe und Tiefe mit Allem, was darin sich regt, ist dem Ursprunge nach Alles — Eins, Alles ist gleich wichtig oder unwichtig, Alles tritt mit gleicher Nothwendigkeit als Sein, Werden, Veränderung in die Erscheinung.|Alles Eins! Der Tiefsinn der deutschen Sprache hat mit diesem Ausdrucke eine Wahrheit geschaffen, die zugleich Metaphysik und Lebensklugheit ist. Alles Eins — und welche Gemüthsstimmung kann erhabener sein über die Qualen und Unbilden des Daseins, als diejenige, der Alles Eins ist! Gott ist als absolutes Sein auch alles Sein, es gibt kein Sein außer ihm, er ist zugleich die bewirkende und die bewirkte Natur. Gott wohnt der Welt inne, er ist in ihr und sie in ihm. Alles Endliche taucht in ihm aus, taucht in ihm unter, es hat nur relative, vorübergehende Existenz. Da Gott das Vollkommene ist, so löst sich das Böse in bloßen Schein aus. An sich, in seinem Verhältniß zu Gott ist Alles gut; böse wird es durch die Beziehung, welche ihm die Einbildungskraft für unsere Wünsche, Gefühle, Affecte überhaupt verleiht. Diese überwindet die beseligende Erkenntniß der Alleinigkeit, welche die Liebe Gottes in sich birgt. So ist die "sanfte Lehre" im Grunde ein Preis auf Spinoza, den selbst Jacob: voll Verzückung den großen, ja heiligen Benedictus nennt und dem Schleiermacher den Tribut seiner Bewunderung in den Worten: "Opfert mit mir ehrerbietig eine Locke den Manen des heiligen, verstoßenen Spinoza! Ihn durchdrang der hohe Weltgeist, das Unendliche war sein Anfang und Ende, das Universum seine einzige und ewige Liebe; darum steht er auch da allein und unerreicht, Meister in seiner Kunst, aber erhaben über die profane Zunft, ohne Jünger und ohne Bürgerrecht" darbringt. Die intellectuelle Liebe Gottes, der amor Dei intellectualis war es, welcher unserem unglücklichen Dichter den Stempel eines Uebermenschen aufdrückte, ihn zu den ergreifenden Versen begeisterte:
Gleichwie ein Kind der Mutter, zugethan
Und folge sinnend ihrer lichten Spur,
Dann schaust Du ihr ins Herz. Der stumme Bann,
Der sonst sie fesselt, weicht: sie spricht mit Dir,
Sie freut sich mit Dir, und sie lächelt Dir
Der Schöpfung herrlichste Gedanken zu,
Wenn Du Dich freust. Und so Dich Trauer saht,
Empfindet sie mit Dir das herbe Weh
Und schmeichelt Dir den trüben Kummer weg,
Den sie Dir lind zu sanfter Wehmuth dämpft,
Eh' Du es selber weißt.
Dein Sinn erhebt sich; flücht'ges Erdenleid,Angesichts dieser tiefsinnigen Verse fühlen wir erst recht, wie zutreffend die schönen Worte Heine's sind: "Nur Unverstand und Böswilligkeit konnten der spinozistischen Lehre das Beiwort 'atheistisch' beilegen. Keiner hat sich jemals erhabener über die Gottheit ausgesprochen wie Spinoza. Statt zu sagen, er leugne Gott, könnte man sagen, er leugne den Menschen". Wir haben unseren Hiob vorhin einen Uebermenschen genannt. Ja wol, er strahlt in übermenschlichem Lichte, drängt es ihn doch in dem erschütternden Gedichte "An das Schicksal", geradewegs und unangekränkelt von jeder Skepsis seinem unsäglichem Mißgeschicke die fromme Deutung zu geben, Gott habe ihn durch strenge Prüfungen von den ihm anhaftenden Schlacken reinigen wollen, sein Herz zu sich emporgeläutert, die Seele ihm gestimmt "zu ernster Feier, zu guter Thaten heil'ger Andachtübung, der Tugend Pfad, des Rechtes Bahn zu wandeln". Seine Theodicee lautet: Wen der Herr liebt, den züchtigt er.
Das kurz zuvor die Brust Dir noch beengt,
Es sinkt wie Schatten vor dem Sieg des Lichts,
Und heil'ge Schauer weh'n Dich mächtig an:
Du ahnst, Du fühlst, Du denkst und glaubst jetzt — Gott.
............
............
.... Du selbst, Du lernst
Nachgiebigkeit und Milde und Verzeih'n
Und Frömmigkeit und Demuth und Geduld,
Auch Seelenstärke, Großmuth und Verzicht
Auf tausend Dinge, die nur äuß'rer Schein,
Aus denen erst das Ew'ge sich verklärt,
Wenn sie zerstört und todt.
Münz, Bernhard, „Weiß, Samuel Ami“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 45 (1900), S. 641-643 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd139098712.html?anchor=adb
Quelle/Vorlage:
ADB 45 (1900), S. 641-643
PND: 139098712
Artikel drucken
PND
139098712
Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)
Lexika
Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)
Nachlässe
Kalliope