<< Clessin, Stephan
Cleyer, Andreas >>
Cleve, Johannes de
Komponist und Kapellmeister,
* um 1529,
† 14.7.1582 Augsburg. ((römisch)-katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Unbekannt, ob mit der in Antwerpen
u. Gent blühenden Malerfamilie van Cleve verwandt; vielleicht aus Cleve oder Bergen op Zoom;
⚭ 1565.
Leben ↑
Als Tenorist (1553–64) der Wiener Hofkapelle Ferdinands I. wurde Cleve um 1560 beauftragt, Sänger in den Niederlanden anzuwerben, was seine Vertrautheit mit dem dortigen Milieu beweist. Nach dem Tode Ferdinands I. (1564) war er Hofkapellmeister bei dessen Sohn Erzherzog Karl II. in Graz, schied aber 1570 von diesem Amt unter Zubilligung einer lebenslänglichen Pension. 1576 ist er in Wien und seit April 1579 in Augsburg nachweisbar, wo er ohne festes Amt bis zu seinem Tode lebte. Die weite Verbreitung seiner mit Ausnahme einiger Widmungsmotetten durchwegs geistlichen Werke bezeugt das hohe Ansehen dieses der Spätrenaissance angehörenden Meisters. Seine Hauptbedeutung liegt ähnlich jener Orlando di Lassos auf dem Gebiete der Motette; sein Beitrag zu dieser Gattung erstreckt sich auf viele geistliche und liturgische Texte, insbesondere Psalmen. Obwohl Cleve den für die Lasso-Generation charakteristischen, dichtgefügten 5- und 6stimmigen Satz kennt und ausgiebig pflegt, so sind doch rund die Hälfte seiner Werke bloß vierstimmig. Hierin offenbart sich seine konservative Gesinnung ebenso wie in der Vorliebe für linear-konstruktive Gestaltung, altniederländische Kanontechnik und Cantus-firmus-Arbeit. Auch in seinen 4stimmigen Chanson- und Liedmessen, die sich durch einfachere Faktur auszeichnen, macht sich die Neigung zu polyphoner Belebung bemerkbar. Für die Geschichte des mehrstimmigen Meßpropriums ist er durch 14 4stimmige, imitatorisch-polyphon gearbeitete Zyklen (Introitus, Alleluja, Communio) für die Hauptfeste des Kirchenjahres und das Commune Sanctorum wichtig. Zufolge ihrer Cantus-firmus-Technik bilden sie ein Seitenstück zu den zwanzig 4stimmigen Tenor-Cantus-firmus-Sätzen, die Cleve für die „Gesang Postill“ (2 Teile, 1569/74) des Grazer Stadtpfarrers Andreas Gigler, den ältesten Notendruck Steiermarks, geschrieben hat. Eine Gesamtwürdigung seines Schaffens steht noch aus.
Werke ↑
Weitere W Cantiones sacrae 4, 5 et 6
v., L. I et II, Augsburg 1559; Cantiones seu harmoniae sacrae 4, 5, 6, 7 et 10
v., ebenda 1579;
in Sammelwerken v. Susato (1553), Montanus (1555 und 1558), Voctus, Joanellus
u. Gardano (1568) Motetten
u. 1 Messe;
zahlr. hs. Qu.;
Neudr.: 2 Messen
u. zahlr. Motetten, in: R. J.
v. Maldeghem, Trésor musical, Brüssel 1865-93; Motetten, in: F. Commer, Collectio operum musicorum Bata
|vorum saec. XVI., 1840
ff.; Missa „Vous perdes temps“, in: H. Federhofer, Musik alter Meister, H. 1, 1949;
Faks.-
Ausg. v. Giglers Gesang Postill, Graz 1950; Introitus, Alleluja
u. Communio f. d. Fronleichnamsfest, in: H. Federhofer, Niederländ.
u. ital. Musiker d. Grazer Hofkapelle Karls II. 1564-1590, =
DTÖ,
Bd. 90, 1954.
Literatur ↑
L.
v. Köchel, Die kaiserl. Hofkapelle in Wien
v. 1543-1867, Wien 1868;
F. Bischoff,
Btrr. z. Gesch. d. Musikpflege in Steiermark, in:
Mitt. d.
Hist. Ver. f. Steiermark, H. 37, 1889, S. 133
ff.;
H. Leichtentritt,
Gesch. d. Motette, 1908;
P. Wagner,
Gesch. d. Messe I, 1913;
H. Kretzschmar, Führer durch d. Konzertsaal II/1,
51921;
H. Osthoff, Die Niederländer
u. d.
dt. Lied, 1938;
H. Federhofer, Zur Neuausg. d. vierstimm. A cappella-Messe „Vous perdes temps“
v. J. de
C., in: Aus Archiv
u. Chronik,
Bll. f. Seckauer Diözesangesch., 2, 1949, S. 52
ff.;
H. J. Moser, Die Musik im früh-
ev. Österr., 1954, S. 54
ff.;
Eitner II, S. 471;
H. Osthoff, in:
MGG II
(W, L);
Ch. van den Borren, in: Revue belge de musicologie 8, Antwerpen 1954, S. 135 f.
Autor ↑
Hellmut FederhoferEmpfohlene Zitierweise ↑
Federhofer, Hellmut, „Cleve, Johannes de“,
in: Neue Deutsche Biographie
3
(1957), S.
289 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd101383568.html