Logo der Deutschen Biographie
schwarzer Menuepunkt Schnellsuche
schwarzer Menuepunkt Erweiterte Suche
roter Menuepunkt Namen A-Z
schwarzer Menuepunkt Aktuelles
schwarzer Menuepunkt Hilfe
schwarzer Menuepunkt Über das Projekt
schwarzer Menuepunkt Impressum

NDB-Artikel

<< Clam-Gallas, Eduard Graf von     Clapmarius, Arnold >>

Clam-Martinic, Heinrich Karl Maria Graf von|

österreichischer Politiker, * 1.1.1863 Wien, 7.3.1932 Clam. ((römisch)-katholisch)


GenealogieLebenLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Richard (1832–91), k. u. k. WGR, Vizepräsident des österr. Abgeordnetenhauses, S des Karl (1792–1840), FML, Militärschriftsteller (s. Wurzbach), u. der Lady Selina Meade, Oberhofmeisterin der Erzherzogin Sophie, T des Richard Lord Guilford, Earl of Clanwilliam, u. der Carol. Gfn. v. Thun u. Hohenstein; M Luisa (1836–91), T des Heinr. Gf. Bombelles ( 1850, s. NDB II*) u. der Sophia a. d. H. d. Barone Fraser of Saltoun (1804–84); Ov Heinr. Jaroslaw (1826–1887), Führer der tschechischen Nationalisten, Reichsrat, hatte jedoch keinen dauernden Erfolg, da er weder den Deutschen noch Tschechen gerecht wurde (s. ÖBL); Wien 1895 Anna (* 1875), T des Otto Gf. v. Abensperg u. Traun (1848–99) u. der Therese Gfn. Trauttmansdorff (1852–1914); kinderlos.

Leben  
Als dynastietreuer Tscheche stieg Clam-Martinic im Böhmischen Landtag und im Herrenhaus „auf der Rechten“ zu einem Führer seiner Standesgenossen, aber auch der Tschechen überhaupt auf. Längst war er dem Thronfolger Franz Ferdinand, den er auf seiner Weltreise 1892/93 begleitet hatte, persönlich und politisch nahegetreten. Als Landsturmkompanieführer im Weltkrieg (1914–16) gewann Clam-Martinic ein noch lebendigeres Verhältnis zum Staat und seinen Völkerfragen. Weit realistischer als bisher sah er nun auch die deutsch-tschechisch-österreichischen Probleme an. Mit der politischen Linie des Ministerpräsidenten Karl Graf von Stürgkh nicht einverstanden, wurde er nach dessen Ermordung von dem Nachfolger|Ernst von Koerber als Repräsentant der ausgleichsbereiten Tschechen zum Ackerbauminister (31.10.-13.12.1916) berufen, einem unter dem Kriegsnotstand doppelt verantwortlichen Amt. Da sich Kaiser Karl bald von Koerber trennte und der altbewährte Alexander Freiherr von Spitzmüller die Regierungsbildung ablehnte, berief der junge Kaiser, der nach politisch unverbrauchten Kräften Ausschau hielt, Clam-Martinic zum ersten Ministerpräsidenten seines Vertrauens (20.12.16). Er behielt selbst das Landwirtschaftsressort und nahm Spitzmüller als Finanzminister, Max Ritter von Hussarek als Unterrichtsminister und den besonders an der südslavischen Frage interessierten Joseph Baernreither zum Minister ohne Geschäftsbereich; den zivilen Ernährungsminister tauschte er gegen den General Anton Hoefer aus. Doch in dem von Wünschen für innere und äußere Befriedung und den Tatsachen der unerbittlichen Wirklichkeit wechselhaft bestimmten Milieu um den noch unerfahrenen Kaiser konnte sich auch Clam-Martinic nur unzureichend durchsetzen. Ohne die von ihm und den Deutschen für notwendig befundenen gesetzgeberischen Vorbereitungen durch die Autorität der Krone wurde das Parlament zu einer stürmischen Kriegstagung für Mai 1917 einberufen. Clam-Martinics Appell „Seien wir vor allem Österreicher!“ wurde eine Zeitlang zum geflügelten Wort, aber seine Idee eines Völkerministeriums scheiterte an dem Widerstand der Polen und Tschechen. Unter diesen Enttäuschungen räumte er 19.6.1917 das unfruchtbar gewordene politische Feld. Zum Militärgouverneur von Montenegro ernannt, lernte Clam-Martinic den besetzten Balkan kennen und bemühte sich auch da um ein humanes Regiment.

Literatur  
A. v. Czedik, Zur Gesch. d. k. u. k. österr. Ministerien 1861-1916 IV, 1920; J. Redlich, Österr.s Regierung im Weltkrieg, 1925, Kap. 8; ders., Schicksalsjahre Österr.s 1908-1919, hrsg. v. F. Fellner, Bd. 2, 1954; A. Gf. Polzer-Hoditz, Kaiser Karl, 1929, bes. Kap. 5 u. 9; J. Baernreither, Der Verfall d. Habsburgerreichs u. d. Deutschen, Fragmente eines pol. Tageb., 1897-1917, hrsg. v. O. v. Mitis, Wien 1939; Uhlirz III; R. A. Kann, The Multinat. Empire, Nationalism and Nat. Reform in the Habsburg Monarchy 1848-1918, Bd. 2, New York 1950, S. 241 f. (L); ÖBL (L).

Autor  
Reinhold Lorenz
Empfohlene Zitierweise  

Lorenz, Reinhold, „Clam-Martinic, Heinrich Karl Maria Graf von“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 259-260 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd140067302.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 3 (1957), S. 259-260
Erwähnungen: 
NDB 2 (1955), S. 440*
NDB 24 (2010), S. 724 in Artikel Spitzmüller von Harmersbach, Alexander Freiherr

PND: 140067302
Artikel drucken

Index

Clam-Martinic, Heinrich

Name: Clam-Martinic, Heinrich
Namensvariante: Clam-Martinic, Heinrich Graf von
Namensvariante: Clam-Martinic, Heinrich Karl Maria Graf von
Lebensdaten: 1863 bis 1932
Geburtsort: Wien
Sterbeort: Clam
Beruf/Lebensstellung: österreichischer Politiker; Ministerpräsident
Konfession: katholisch
Autor NDB: Lorenz, Reinhold
PND: 140067302

Weitere Informationen

Informationsangebote zu

Clam-Martinic, Heinrich

PND
140067302

Normdaten
Personennamendatei (PND)
Virtual International Authority File (VIAF)

Lexika

Bibliothekskataloge und Bibliographien
Bibliotheksverbund Bayern (BVB)

Nachlässe
Kalliope