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<< Carabelli von Lunkaszprie, Georg     Carbach, Nikolaus Fabri von >>

Carathéodory, Constantin

Mathematiker, * 13.9.1873 Berlin, 2.2.1950 München. (griechisch-orthodox)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
Aus angesehener griechischer Fam. (Diplomaten, Ärzte, Techniker); V Stephanos (1834–1908), Sekr. der osmanischen Delegation auf dem Berliner Kongreß 1878, Botschafter der Pforte in Brüssel; M Despina Petrococchino (1850- v. 79); 1908 Euphrosyne (1884–1947, Tante 2. Grades), T des Alexander Carathéodory Pascha (1833–1906), Leiter der osmanischen Delegation auf dem Berliner Kongreß 1878; 1 S, 1 T.

Leben  
Carathéodory kam in Brüssel auf die Schule, besuchte 1886-91 das Gymnasium Athénée Royal d'Ixelles und 1891-95 die belgische Militärschule, wodurch ihm speziell auch ein Grundstock geometrischer Kenntnisse zuteil wurde, wie sie der Unterricht solcher Schulen im französischen Kulturbereich vermittelt. 1898-1900 in Ägypten in englischem Dienst als Ingenieur beim Bau der Staudämme des Nil, las Carathéodory in den durch die Überschwemmungen verursachten Arbeitspausen C. Jordans Cours d'Analyse, Salmon-Fiedlers analytische Geometrie und andere mathematische Werke, gab dann den Ingenieurberuf auf und studierte als neues Berufsziel Mathematik - besonders mit Erhard Schmidt, L. Fejér und E. Zermelo regen wissenschaftlichen Kontakt gewinnend - 1900-02 in Berlin (H. A. Schwarz und G. Frobenius, M. Planck und J. Bauschinger), 1902-04 bei F. Klein, D. Hilbert, H. Minkowski in Göttingen; dort noch vor dem Doktorexamen von F. Klein dazu aufgefordert und dadurch für Deutschland gewonnen, habilitierte sich Carathéodory 1905, 1908 nach Bonn umhabilitiert, wurde Carathéodory 1909 Professor an der Technischen Hochschule Hannover, 1910 an der neugegründeten Technischen Hochschule Breslau, 1913 ordentlicher Professor in Göttingen (Nachfolger von F. Klein), 1918 an der Universität Berlin. 1920-22 wirkte Carathéodory an der neu zu organisierenden Universität Smyrna und nach dem durch den türkischen Einmarsch bewirkten Zusammenbruch dieser von der Regierung Venizelos unternommenen Gründung in Athen an der Universität und Technischen Hochschule bis zu seiner Berufung an die Universität München. 1927/28 und (als Carl Schurz-Professor der Universität Wisconsin) 1936/37 war Carathéodory Gastprofessor in USA, wurde 1930 nach Athen beurlaubt, um dort, wo er stets besonderes Ansehen genoß und die Technische Hochschule 1939 ihn zum Professor Ehren halber ernannte, als Rektor der Universität Reorganisation und Instituts-Neubauten zu leiten.
Carathéodorys Hauptarbeitsgebiete sind Variationsrechnung, wo er unter anderem die Theorie „diskontinuierlicher Lösungen“ und einen neuen Aufbau der Feldtheorie schuf, die enge Verbindung mit den partiellen Differentialgleichungen entwickelte und auch in die Theorie mehrfacher Integrale vordrang, Funktionentheorie (unter anderem genaue Wertbestimmung einer Landauschen Schranke unter Heranziehung der schon von seinem Entdecker zum Beweis des „Picardschen Satzes“ verwendeten Modulfunktion, allgemeinere Koeffizientenprobleme, Einführung der Primenden in der Ränderzuordnung bei konformen Abbildungen, meromorphe Funktionen, Funktionen von mehreren komplexen Variablen) und die Theorie von Maß und Integral (Verallgemeinerung des Längenbegriffs beziehungsweise des mehrdimensionalen Maßes im höherdimensionalen Raum, Somentheorie). Dazu kommen zahlreiche Arbeiten über geometrische Optik (unter anderem über Spiegelteleskop und Projektionsapparat von B. Schmidt), Mechanik (Schlitten, Keplerbewegung), Thermodynamik, Differentialgleichungen und Differentialgeometrie. - Carathéodory war Mitglied zahlreicher in- und ausländischer Akademien und 1925-28 Mitherausgeber der Mathematischen Annalen.

Werke  
Vorlesungen üb. reelle Funktionen, 1918, 21928 (Neubearb.: Reelle Funktionen, 1939); Conformal representation, = Cambridge tracts No. 28, Cambridge 1932; Variationsrechnung u. partielle Differentialgleichungen erster Ordnung, 1935; Geometr. Optik, = Ergebnisse d. Math. u. ihrer Grenzgebiete, Bd. 4, H. 5, 1937; Elementare Theorie d. Spiegelteleskops v. B. Schmidt, = Hamburger Math. Einzelschrr. 28, 1940; Funktionentheorie, 2 Bde., = Lehrbb. u. Monogrr. aus d. Gebiete d. exakten Wiss., Math.R., Bd. 8, 9, Basel 1950; Maß u. Integral u. ihre Algebraisierung, ebenda, Bd. 10, 1955; außerdem, beginnend mit d. Göttinger Diss. „Üb. d. diskontinuierl. Lösungen in d. Variationsrechnung“ (1904), etwa 140 Abhh., Referate, Würdigungen u. Nekr. zus. mit nachgelassenen Arbb., in: Ges. math. Schrr., hrsg. v. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 5 Bde. (P), vgl. a.: Pogg. V, VI; Bull. de la Société Math. de Grèce, A. XXII, z. 70. Geburtstag C.s hrsg. Kat. seiner Publ.

Literatur  
E. Hölder, C. C. , Sein Btr. z. Axiomatik d. math. Physik, in: FF 26, 1950, S. 290-93; H. Tietze, Dem Andenken an C. C., in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., Math.-naturwiss. Kl., 1950, S. 85-101 (u. Berichtigungen); ders., in: Archiv d. Math. 2,|1949/50, S. 241-45 (P); Atti della Accademia Nazionale dei Lincei, Roma, ser. VIII, Classe di Scienze fisiche, vol. 9, 1950, S. 291-92; O. Perron, in: Jber. d. Dt. Mathematiker-Vereinigung 55, 1951, S. 39-51; J. Radon, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien f. d. J. 1950, 1951; K. Maltezos, D. Hondros, N. Kritikos, in: Αἰών τοῦ ἀ03C4;όμου 1950, S. 325 bis 334, 378 (P); N. Kritikos, in: Παιδεία H. 43, 1950, S. 160-64 (P); N. Sakellariu, in: Bull. de la soc. Math. de Grèce 26, Athen 1952, S. 1-13; A. Orlandos, K. Maltezos, P. Zervos, J. Kalitsumakis, G. Joakimoglu, in: Πρακτικά τῆϚ ἈκαδημίαϚ ἈΘήνῶν ἔτοϚ 1950, T. 25, 1952, S. 67-80; H. Boerner, C.s Eingang in d. Variationsrechnung, in: Jber. d. Dt. Mathematiker-Vereinigung 56, 1953, S. 31-58.

Portraits  
Rötelzeichnung v. Nelson, 1907 [?] (Tübingen, Math. Inst.); Ölgem. v. J. Moralis nach Phot., 1951 (TH Athen); Phot. in: Abhh. d. Hamburg Math. Seminars 5, 1926/27; Totenmaske (im Bes. d. Fam.).

Autor  
Heinrich Tietze
Empfohlene Zitierweise  

Tietze, Heinrich, „Carathéodory, Constantin“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 136 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118667076.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 3 (1957), S. 136 f.
Erwähnungen: 
NDB 20 (2001), S. 197 in Artikel Perron, Oskar
NDB 21 (2003), S. 91 in Artikel Rademacher, Hans: 211 in Artikel Peschl, Ernst
NDB 24 (2010), S. 6 in Artikel Schwarz, Hermann

PND: 118667076
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Index

Carathéodory, Constantin

Name: Carathéodory, Constantin
Lebensdaten: 1873 bis 1950
Geburtsort: Berlin
Sterbeort: München. (griechisch-orthodox)
Beruf/Lebensstellung: Mathematiker
Konfession: griechisch-orthodox
Autor NDB: Tietze, Heinrich
PND: 118667076

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Carathéodory, Constantin

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