<< Byloff, Fritz
Cabanis, Jean Louis >>
Byß, Johann Rudolf
Maler,
* 11.5.1660 (nicht Solothurn),
† 11.12.1738 Würzburg. ((römisch)-katholisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Franz
Jos. (1634–83), Maler, aus verarmtem Zweig eines Patriziergeschlechtes in Solothurn;
M Kath. Sturm aus Feldkirch;
⚭ 1) 1689 Maximiliana Wagner (
† 1712),
T eines kaiserlichen Beamten, 2) Bamberg 1714 Theresia
Barb. Crepini, lebten getrennt;
S aus 2)
Joh. Jak. Rudolf.
Leben ↑
Byß ging zu seinem Vater in die Lehre, war aber im wesentlichen Autodidakt und bildete sich auf Reisen durch Deutschland, Holland, England und Italien, bis er um 1689 nach Prag kam. Dort erwarb er 1692 das Bürgerrecht und 1694 die Aufnahme in die Malerzunft. Er entfaltete in Prag eine ausgedehnte Tätigkeit als Dekorationsmaler für den böhmischen Adel (unter anderem Malereien im Stracka-Palais, Prag) und führte die Aufsicht über die Gemäldegalerie des Grafen Czernin. Byß' Prager Arbeiten müssen in so hohem Ansehen gestanden haben, daß ihn 1704 Kaiser Leopold I. für die Ausmalung des Residenzsaales und der Bibliothek der Hofburg nach Wien
|holte. 1707 machte er eine Reise nach Italien und trat 1713 in die Dienste des Reichskanzlers Lothar Franz von Schönborn, Erzbischof von Mainz, Bischof von Bamberg, für dessen Schloß Pommersfelden (Franken) er zahlreiche Dekorationen schuf, zugleich die Schönbornschen Galerien in Pommersfelden und Gaibach ordnete und 1719 den ersten deutschen Galeriekatalog veröffentlichte. Im Dienste dieser Fürsten malte er teils in Franken (1713-18 Fresken im Vorsaal und Stiegenhaus zu Pommersfelden und Gaibach, 1720 Ausmalung des Saales in Wiesentheid), teils im Schloß Tettnang (Württemberg) und Breslau (1723 Deckengemälde im Treppenhaus des Hatzfeldschen Palais). Seit 1729 war Byß für den Reichsvizekanzler und Bischof von Bamberg und Würzburg, Friedrich Karl von Schönborn, in Wien tätig, der ihn mit der Ausmalung der Decke im Hauptsaal der Reichskanzlei beauftragte (im 18. Jahrhundert zerstört). Im Stift Göttweig (Niederösterreich) malte Byß im gleichen Auftrag 1730/31 den Sommerspeisesaal, 1734 zusammen mit einem Verwandten die Deckenfresken des Altmannssaales und 1739 die Architekturmalereien der Kaiserstiege. Graf Schönborn hatte ihn 1736 als Leiter der dekorativen Ausstattung der Würzburger Residenz berufen, für deren Inneneinrichtung (1735 Schloßkapelle und Spiegelkabinett) er ebenso selbständig und umsichtig wie erfindungsreich in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten Balthasar Neumann wirkte. - Byß war ein äußerst fleißiger und vielseitiger Künstler, dessen Malereien neben dem Sinn für das Dekorative einen gemäßigten Realismus verraten, der auch in seinen Tafelgemälden, meist Blumenstilleben von miniaturhafter Feinheit, zur Geltung kommt.
Literatur ↑
ADB III;
J. C. Füssli,
Gesch. d. besten Künstler d. Schweiz, Zürich 1769;
H. Tietze, in:
Jb. d.
k. k. Zentralkomm. f. Erforschung d. Kunst-
u. hist. Denkmale 4, 1906;
ders., Progrr.
u. Entwürfe
z. d. großen
österr. Barockfresken, in:
Jb. d.
Slgg. d. Allerhöchsten Kaiserhauses 30, Wien 1912, S. 9, 25;
J. L. Broder, J. R.
B. als Stillebenmaler. Basel 1939;
ders., J. R.
B.,
Diss. Zürich, Basel 1940;
H. Tintelnot, Die barocke Freskomalerei in
Dtld., 1951, S. 103 f.;
H. Kreisel, Das Schloß zu Pommersfelden, 1953;
SKL I;
ThB (auch f. V Franz Jos.);
HBLS II.
Portraits ↑
Fresko (Altmannssaal d. Stiftes Göttweig).
Autor ↑
Margarete Braun-RonsdorfEmpfohlene Zitierweise ↑
Braun-Ronsdorf, Margarete, „Byß, Johann Rudolf“,
in: Neue Deutsche Biographie
3
(1957), S.
86 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118939483.html
<< Bye, Marcus de
Byssander, Adam >>
Byß, Johann Rudolf
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Byß: Johann Rudolf B., Maler, geb. zu Solothurn 1660 von adelichen Eltern, angeblich aus dem altrömischen Geschlechte de Bysonibus (Pisonibus?!), † zu Würzburg 1738, ging nach Italien, wo er den 18. März 1700 den Pantoffel des Papstes Clemens XI. küßte. Im J. 1704 berief ihn Kaiser Leopold I. nach Wien, um die Plafonds des großen Audienzsaales und der t. Bibliothek zu bemalen. Das Bibliothekgebäude wurde aber wieder niedergerissen. Im J. 1712 oder 1715 folgte
B. einer Einladung des Mainzer Kurfürsten und Bamberger Fürstbischofes Lothar Franz v. Schönborn. Für denselben malte er im Schlosse Gaibach ein Paradies, und als das Schloß zu Pommersfelden ausgebaut war, wurde ihm die Oberaufsicht über die Gemäldegallerie daselbst übertragen.
B. gab 1719 zu Bamberg eine Beschreibung derselben heraus, die jedoch wegen falscher Angaben mehrerer Copien als Originalien größtentheils unterdrückt wurde. Im J. 1774 erschien zu Ansbach ein Nachdruck derselben. Nach dem Tode seines Gönners ging
B. nach Würzburg, wo ihn der Neffe desselben protegirte.
B. erfreute sich eines bedeutenden Rufes als Künstler und vermochte dadurch ein großes Vermögen zu sammeln. Seine Gemälde bestehen in Fresken und Oelbildern, in denen sich jedoch der gesunkene Geschmack der Zeit kundgibt. Sein Stil ist ein seltsames Gemisch von Nachahmung des alten Jan Brueghel und A. van der Werff's, sein Fleischton ist elfenbeinartig, sein Ausdruck süßlich, seine Behandlung fleißig aber glatt und gedeckt. In Bamberg, Schleißheim, Wien, Pommersfelden etc. finden sich Bilder von ihm.
Autor ↑
W. Schmidt.Empfohlene Zitierweise ↑
Schmidt, Wilhelm, „Byß, Johann Rudolf“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
3
(1876), S.
679 unter Byß
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118939483.html?anchor=adb