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NDB-Artikel

<< Busch, Johannes     Busch, Max Gustav Reinhold >>

Busch, Julius Hermann Moritz

Publizist, * 13.2.1821 Dresden, 16.11.1899 Leipzig. (evangelisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Jul. Herm., sächsischer Unteroffizier, S des Gärtners Joh. George; M Juliana Friederike Wilh., T des Lehrers u. Vorstehers der Armenschule Joh. Phil. Martini; Wilh. Therese Ehrlich.

Leben  
Busch studierte Theologie in Leipzig, nahm 1849 am Dresdener Maiaufstand teil und emigrierte 1851 in die Vereinigten Staaten. Dort lernte er den Mormonenstaat kennen. 1852 kehrte er zurück und unternahm 1856-59 im Auftrage des Österreichischen Lloyd Reisen nach Palästina, Ägypten und Griechenland. 1857-64 und 1865-66 redigierte er gemeinsam mit Gustav Freytag die „Grenzboten". Vom Herbst 1864 bis Februar 1865 war er Presseoffiziosus im Dienste des Herzogs von Augustenburg, 1866/67 Presseattaché des Zivilkommissars von Hannover und 1870 Pressebearbeiter im Auswärtigen Amt. Während des Frankreichfeldzuges gehörte er zu Bismarcks Umgebung und stand in unmittelbarem Verkehr mit diesem bis Juli 1871 (Eintritt L. Aegidis). 1873 wurde er auf Antrag pensioniert und (bis 1875) Chefredakteur des „Hannoverschen Kuriers". Seit 1875 lebte er als freier Schriftsteller und (bis 1890) offiziöser Publizist in Leipzig und Berlin („Friktionsartikel“ der „Grenzboten“ 1877).
Buschs publizistische Popularität über die Grenzen des deutschen Sprachgebiets hinaus beruht auf den Augen- und Ohrenzeugenberichten über das Zusammensein mit Bismarck, wie sie vor allem in den beiden Büchern „Graf Bismarck und seine Leute“ und „Tagebuchblätter“ niedergelegt sind. Busch war weder Historiker noch Biograph, aber er war imstande, Menschen und Dinge mit der Genauigkeit einer photographischen Platte zu verdeutlichen, der ideale Reporter. Er wollte eine geschichtliche Quelle publizieren und besaß die wichtigste Eigenschaft eines Herausgebers: Akribie; das sichert seiner Berichterstattung ein Höchstmaß von Glaubwürdigkeit. Gerade der häufig gegen ihn erhobene Vorwurf blinder Anbetung des Meisters, bei dem er sich im Interesse der Nachwelt auch um „das Geringste kümmert“, wird zur Bürgschaft für einen zuverlässigen Text. Vertrauen erweckt zudem die Ehrlichkeit, mit der eigene Fehler und Schwächen namhaft gemacht werden. Busch wollte freilich in seinem „brutalen Realismus", unter allen Umständen das „Ursprüngliche" festzuhalten, keine Abtönung und Retouche; er, der Verfasser einer Schrift über den deutschen Volkshumor, nahm bei Bismarck, das hat dieser selbst getadelt, alles tödlich ernst und übersah die weicheren Konturen, die der humorige Untergrund mancher Äußerung verlieh. Bei der Ausführung journalistischer Aufträge legte er sich oft zu hitzig ins Zeug, so daß Bismarck durch L. Bucher bremsen mußte. Sichtlich bereitete es dem „Büschlein“ auch Befriedigung, im Auftrage des „Chefs“ jemandem, an den er sonst nicht heranreichte, eins auswischen zu dürfen. Trotz solcher und anderer Vorbehalte verdanken die Nachlebenden dem treuen Eifer Buschs nicht nur die Kenntnis einer Fülle authentischer Bismarckgespräche ersten Ranges, vor allem von 1870/71, sondern auch die Beschreibung des Alltags einer großen Persönlichkeit, ihrer amtlichen und häuslichen Umwelt, nicht zuletzt der Methoden bismarekischer Pressepolitik, von den dokumentarischen Einschüben verschiedenster Art abgesehen.

Werke  
u. a. Gf. Bismarck u. seine Leute während d. Krieges mit Frankreich, 2 Bde., 1878 (zahlr. Aufl. u. Überss., die Korrekturfahnen Bismarcks in d. Berliner Staatsbibl., vgl. a. Boetticher [s. L]); Bismarck, Some Secret Pages of His History, 3 Bde., London 1898, Übers, d. v. B. an d. Verlag Macmillan verkauften Ms. seiner Aufzeichnungen bis 1893, dt. Fassung unter d. Titel Tagebuchbll., 3 Bde., 1899, hrsg. - B. war auf d. Tod erkrankt - v. d. Verlegern J. Grunow u. O. Kaemmel (die dt. Ausg. bringt d. Original unter Fortlassung v. Schärfen u. Klatschereien, die in d. engl. Ausg. ohne Rücksicht auf Bismarcks Streichungen u. Korrekturen an d. Buch v. 1878 enthalten sind, andererseits dort Fehlendes, so daß f. wiss. Zwecke beide Ausg. nebeneinander benutzt werden müssen).

Literatur  
E. Marcks, Bismarck u. d. Bismarcklit. in d. letzten Jahren, in: Dt. Rdsch. 25, 1899; J. Grunow, B.s Tagebuchbll. u. d. dt. Presse, 1899 (üb. d. heft. lit. Kampf, der um d. Veröff. entbrannte); K. Samwer, in: Die Nation, Nr. 46, 12.8.1899; G. Boetticher, Bismarck als Zensor, 1907; J. v. Eckardt, Lebenserinnerungen I, 1910; E. Goetz,|in: BJ IV, S. 20-24 (u. Tl. 1899, L). - Qu.: Nachlaß im Dt. Zentralarchiv II Merseburg.

Portraits  
Hschn. in: LIZ 113, 1899, S. 719.

Autor  
Heinrich Otto Meisner
Empfohlene Zitierweise  

Meisner, Heinrich Otto, „Busch, Julius Hermann Moritz“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 63 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118665421.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 3 (1957), S. 63
Erwähnungen: 
NDB 20 (2001), S. 451 in Artikel Pindter, Emil

PND: 118665421
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Index

Busch, Moritz

Name: Busch, Moritz
Namensvariante: Busch, Julius Hermann Moritz
Lebensdaten: 1821 bis 1899
Geburtsort: Dresden
Sterbeort: Leipzig
Beruf/Lebensstellung: Publizist
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Meisner, Heinrich Otto
PND: 118665421

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Busch, Moritz

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118665421

Normdaten
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