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Burián von Rajecz, Stephan Graf (seit 1918)

österreichisch-ungarischer Staatsmann, * 16.1.1851 Stampfen bei Preßburg, 20.10.1922 Wien. ((römisch)-katholisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
Aus altungarischem Adel; V Stephan (1818–87), herrschaftlicher Fiskal, S des Ignaz u. der Juliana v. Pitroff; M Barb., T des Franz Horváth v. Nemesvis u. der Barb. v. Takács; Wien 1891 Olga (1867–1931), T des Gen. Géza Frhr. Fejérváry v. Komlós-Keresztes ( 1914), ungarischer Ministerpräsident 1905/06; kinderlos.

Leben  
An der Wiener Konsularakademie ausgebildet, erhielt Burián von Rajecz seine ersten diplomatischen Verwendungen in Alexandrien, Bukarest, Belgrad, Sofia und leitete 1882-86 das Generalkonsulat Moskau. 1887-95 war er Gesandter in Sofia, 1896 in Stuttgart, 1897 in Athen. Als Repräsentant der ungarischen Reichshälfte war Burián von Rajecz 1903-12 Gemeinsamer Finanzminister und als solcher auch oberster Chef der bosnisch-herzegovinischen Zivilverwaltung während der Annexionskrise 1908/09. Seine dortigen wirtschaftlichen und politischen Reformen (Landtagswahlen) wurden zum Teil als zu weitgehend kritisiert. Vom Juni 1913 an wirkte Burián von Rajecz bis über das erste Kriegsneujahr 1915 hinaus als Minister am Ungarischen Hoflager in Wien. Nach dem Rücktritt Leopold Graf Berchtolds wurde er Außenminister als Vertrauensmann des ungarischen Ministerpräsidenten Stefan Graf Tisza (15.1.1915-21.12.1916). Territorialen Zugeständnissen auf Kosten der Monarchie wie Kaiser Franz Joseph selbst abgeneigt, konnte Burián von Rajecz weder den Kriegseintritt Italiens (Mai 1915) noch Rumäniens (August 1916) verhindern, gewann aber Bulgarien zum Verbündeten (Oktober 1915). Sein Eintreten für die austropolnische Lösung, gegen die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges und für ein entgegenkommendes Friedensangebot der Mittelmächte (Belgien!) führte zu Reibungen mit dem deutschen Verbündeten. Kaiser Karl berief nach seinem Regierungsantritt alsbald Ottokar Czernin auf den Ballhausplatz und übertrug Burián von Rajecz das ihm von früher vertraute Gemeinsame Finanzministerium. Nach Czernins Sturz aber kehrte Burián von Rajecz ins Außenministerium zurück (18.4.-24.10.1918). In sehr schwierig gewordener Lage suchte er vergebens einen ehrenvollen Weg zur Beendigung des Krieges mit den Westmächten durch Verständigung mit Wilson (‚Aufruf an alle!', 14.9.1918). Als Gegner eines Sonderfriedensangebotes zog sich dieser namhafte, jeder Popularität abholde und eher zum Zaudern neigende Staatsmann der dualistischen Ära der österreichischen Geschichte unmittelbar vor der Katastrophe endgültig zurück.

Werke  
W Drei J. aus d. Zeit meiner Amtsführung im Kriege, 1923 (geschrieben 1919/20), engl.: Austria in Dissolution, London 1925.

Literatur  
Neue Freie Presse, Wien, 21.10.1922; E. v. Glaise-Horstenau, Die Katastrophe, 1929 (P); Enc. Italiana VIII, Mailand-Rom 1930; Enc. Britannica IV, London 1946; Schweiz. Lex. II, Zürich 1946; ÖBL.

Autor  
Reinhold Lorenz
Empfohlene Zitierweise  

Lorenz, Reinhold, „Burián von Rajecz, Stephan Graf“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 52 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd124541755.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 3 (1957), S. 52

PND: 124541755
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Index

Burián von Rajecz, Stephan Graf

Name: Burián von Rajecz, Stephan Graf
Lebensdaten: 1851 bis 1922
Geburtsort: Stampfen bei Preßburg
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: österreichisch-ungarischer Staatsmann
Konfession: katholisch
Autor NDB: Lorenz, Reinhold
PND: 124541755

Weitere Informationen

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Burián von Rajecz, Stephan Graf

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124541755

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