<< Melde, Franz
Melichar, Alois >>
Melem, von
Frankfurter Kaufmannsfamilie, Großhändler. (katholisch, dann evangelisch)
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Leben ↑
Seit dem Beginn des 15.
Jh. gehörten Mitglieder der Familie zu den Besuchern der Frankfurter Messen und hatten im Haus zum Krebs, unweit des Römerbergs, ihr ständiges Quartier. Sie handelten vornehmlich mit den schweren Wolltuchen aus dem südbelg. Raum, die binnen weniger Jahrzehnte die zuvor bedeutende Produktion der Reichsstadt Frankfurt und vieler Kleinstädte in ihrem Umkreis zum Erliegen brachten. Gegenüber diesen wesentlich besseren Geweben konnten sich die einfacheren, groben Erzeugnisse der heimischen Weberzünfte nicht behaupten und verloren zusehends ihre bisherigen Absatzmärkte. Als Teilhaber einer Kölner Handelsgesellschaft ließ sich 1456
Johann (I.) (1433-84) in Frankfurt nieder, behielt jedoch Haus und Bürgerrecht in Köln bei. Zusammen mit seiner Frau Grede
v. Dorfelden errichtete er 1464 an der Marktstraße in Frankfurt ein prächtiges, zinnengekröntes Haus, das erst im 2. Weltkrieg zerstört, aber nach 1945 wiederaufgebaut wurde; dieses „Steinerne Haus“ gehörte zu den stolzesten Bauten des Frankfurter Großhandels und ist heute Sitz des Frankfurter Kunstvereins. 1473 erhielt Johann von Kaiser Friedrich III. in einem Wappenbrief die Bestätigung hohen gesellschaftlichen Ranges. Dieser basierte auf dem großen Umfang des Tuchhandels der Melem-Gesellschaft, die im Ausgang des 15.
Jh. auch das Geschäft mit Venedig aufnahm und von dort über Frankfurt und Köln den Handel mit dem
europ. Norden (Hanse) betrieb.
Johann (II.) (1455–1529) betätigte sich seit Beginn des 16.
Jh. auch im Kupfer- und Bleihandel und hielt in seinem Haus ein Lager mit Erzeugnissen mitteldeutscher Saigerhütten. Er war Mitglied der Patrizier-Gesellschaft Frauenstein und kam als deren Vertreter in den Frankfurter Rat. Seine Söhne
Ogier (1499–1575) und
Conrad (1514–69) verbanden sich mit bedeutenden Großkaufmannsfamilien der Reichsstadt und erlangten 1537 die Aufnahme in deren führende Patriziergesellschaft Alten-Limpurg. Ogier heiratete 1522 die Erbtochter der Brun
v. Brunfels und gab darauf den Auftrag zur Anlage einer Sippenchronik. Dieses
sog. Melemsche Hausbuch (heute im Stadtarchiv Frankfurt) ist eine der kostbarsten Bilderhandschriften deutscher Patrizierfamilien und mit seinen vielen Aquarellen auch für die Kenntnis der Mode des 16.
Jh. von besonderem Wert. Der darin repräsentierte Reichtum der Familie
M. und ihre vielfältigen Verbindungen mit dem Frankfurter Patriziat beruhten auf der erfolgreichen Fortsetzung des Großhandels, mit der auch der Einstieg in das Wechselgeschäft und damit der Beginn bankmäßiger Betätigung verbunden war. Ausmaß und Schwerpunkte dieser Tätigkeit sind bisher nur in Umrissen erfaßt. Mit
Philipp Ludwig (1604–54), seit 1636 mit Maria Christina
v. Holzhausen vermählt und als Jurist Mitglied des Frankfurter Rates, 1653/54 dessen Gesandter auf dem Reichstag in Regensburg, starb die Familie im Mannesstamm aus; seine Tochter
Anna Christina (1644–1720) vermählte sich 1665 mit dem Tuchhändler Johann Jakob Müller (1637–1704), der damit auch geschäftlich das Erbe der
M. antrat. Seine Nachkommen setzten deren Tradition als
v. Mühlen fort.
Literatur ↑
A. Dietz, Frankfurter
Handelsgesch. I-III, 1910 ff.;
H. Gerber, Das
M.sche Hausbuch, 1938;
F. Lerner, Bilder
z. Frankfurter
Gesch., 1950;
D. Andernacht, Die Familien
M. u. Brun, in: Frankfurt, Lebendige Stadt, 1964, H. 2, S. 22-26;
R. Walther, Das Hausbuch d.
Fam. M., 1968;
H. Körner, Frankfurter Patrizier, 1971.
Portraits ↑
Gem. v. Johann (II.) (München, Alte Pinakothek),
Abb. b. Lerner, s.
L, u. in: P. Wescher, Großkaufleute d. Renaissance,
o. J.Autor ↑
Franz LernerEmpfohlene Zitierweise ↑
Lerner, Franz, „Melem, von“,
in: Neue Deutsche Biographie
17
(1994), S.
14
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd12222499X.html
Melem
Name: Melem
Lebensdaten: unbekannt
Beruf/Lebensstellung: Frankfurter Kaufmannsfamilie; Großhändler
Konfession: katholisch; evangelisch
Autor NDB:
Lerner, FranzPND: 12222499X