<< Rasmussen, Harald Henry Sophus
Rasp, Fritz Heinrich >>
Rasmussen, Jörgen Skafte
Ingenieur, Unternehmer,
* 30.7.1878 Nakskov (Insel Falster, Dänemark),
† 12.8.1964 Kopenhagen. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Fam., seit
ca. 1800 auf Falster urkundl. erwähnt (Rasmus);
V Hans Peter (1834–69), Reeder in
N.;
M Karen Johanne Skafte (1841–97);
⚭ Leipzig 1904 Therese (1884–1973),
T d. Emil Clemens Liebe (
* 1852) u. d. Johanna Caroline Grosse (
* 1862); 3
S, 1
T ,
u. a. Hans Werner (1906–45),
techn. Dir. u. Geschäftsführer d. „Framo-Werke
GmbH“ in Hainichen (Sachsen), Ove (1909–95), Dr. oec.
publ.,
Dr. rer. pol., 1937-45 Alleinvorstand d. „Metallwerke Zöblitz
AG“, 1949 Gründer d. „Rasmussen
GmbH“ in Hochstadt/Maintal.
Leben ↑
R. kam 1900 nach Sachsen und absolvierte das Technikum Mittweida als Maschinenbauer. 1904 gründete er in Chemnitz eine Firma zur Herstellung von Dampfarmaturen, aus der 1907 die „Zschopauer Maschinenfabrik“ hervorging, die seit 1913 als
GmbH organisiert war. 1914 gründete
R. zusammen mit Georg Günther (
† 1945) die „Elite Motorenwerke
AG“ in Brand-Erbisdorf
b. Freiberg (Sachsen). Mit Ove Mathiesen baute er 1916/17 Dampfkraftwagen, daher die Marke „DKW“. 1918 begann er die Serienfertigung eines 38 ccm Zweitakt-Spielzeugmotors mit 1/4 PS und 1919 eines 118 ccm Fahrrad-Hilfsmotors von 1 PS. 1919 entstanden die „Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen“ (1923
AG). 1921 brachte
R. den ersten
dt. Motorroller („Gnom“) auf den Markt, 1922 das „Lomos“-Sesselrad. Seit 1921 lieferte er auch Zweitaktmotoren zum Einbau in andere Markenmotorräder (
z. B. an „Ernst Eichler u.
Co.“ in Berlin). 1922 erzeugte seine Firma 10 000 Leichtkrafträder mit 1 PS und 200 ccm Hubraum. Im selben Jahr übernahm Carl Hahn (1894–1961) den Vertrieb. 1926 bot
R. ein volles Motorradprogramm mit Motoren von 250-500 ccm Hubraum an.
R.s erster Konstrukteur war Hugo Ruppe (1897–1949); in der Konstruktion wirkten
u. a. Arnold Zoller (1882–1934) und Richard Küchen (1897–1974). Von Anfang an unterhielt
R. eine Versuchs- und Rennabteilung, die mit ihren Erfolgen DKW auch international bekanntmachen sollte. 1922 errang Walter Ebstein (1881–1956) mit einem DKW-Motorrad den ersten Rennsieg auf der Avus. 1927 stellte
R. August Prüssing (1896–1967) ein, der den Hochleistungszweitakter bis 1940 weiterentwickelte. Gleichzeitig kaufte er die „Rickenbacker Motor Comp.“ in Detroit (Michigan) und verlagerte sie nach Scharfenstein im Erzgebirge, wo in seiner „
Dt. Kühl- u. Kraftmaschinen
GmbH“ auch Preßteile für den Fahrzeugbau sowie Kühlschränke hergestellt wurden. 1928 übernahm er die „Audi-Werke
AG“ in Zwickau.
R. befaßte sich schon früh auch mit dem Automobilbau. 1919-26 baute er
ca. 1000 Elektrowagen, erstmals mit Sperrholzkarosserie. Konstrukteur war Rudolf Slaby (1880–1963), der Elektro-Taxis für die AEG und die „Accumulatorenfabrik
AG“ (AFA) in Berlin-Spandau baute. 1927 begann
R. in Spandau den Automobilbau unter DKW-Zeichen mit einem Zwei- und Viersitzer aus Sperrholz mit Kunstlederbezug und Zwei-
bzw. Vierzylinder-Zweitaktmotoren. 1931 kam ein nach dem Muster von Jean-Albert Grégoire (1899–1992) konzipierter Serienwagen mit Frontantrieb („DKW-Front“, seit 1933 „Reichsklasse“) auf den Markt. 1936 produzierte DKW 100 000 Autos, 1939 255 000 sowie eine halbe Million Motorräder. 1932 brachte
R. die Betriebe in Zschopau, Berlin-Spandau und
|Zwickau in die im selben Jahr gegründete „Auto Union
AG“ ein, in deren Vorstand er das Ressort Technik übernahm. Differenzen
R.s mit dem übrigen Vorstand verhinderten bei der Hauptversammlung 1934 seine Entlastung. Daraufhin schied
R. aus der Auto Union
AG aus und widmete sich den zehn von ihm gegründeten
bzw. übernommenen Firmen seiner Söhne, die im Fahrzeugbau, in der Zulieferindustrie und im Kühlschrankbau tätig waren (
z. B. die „Framo
GmbH“ in Hainichen, 1925, und die „Metallwerke Zöblitz“, 1922). Seit 1938 lebte er in Saarow bei Berlin, seit 1948 in Kopenhagen.
R.s Konzern gehörte als größter Motorrad- und zweitgrößter Automobil-, Einbaumotoren- und Kühlschrankhersteller zu den bedeutendsten Unternehmen im
Dt. Reich.
|Auszeichnungen ↑
Dr.-
Ing. E. h. (
TH Dresden 1938).
Literatur ↑
Allg. Automobil-
Ztg. 1930,
Nr. 8;
Automobiltechn.
Zs. 41, 1938, S. 436 f.
(P), 55, 1953, S. 259
(P), 65, 1963, S. 252
(P);
A. Christ, in: Das Schnauferl, 1958;
H. Ch.
v. Seherr-Thoß, Die
dt. Automobilind.,
21979;
S. Rauch, DKW, 1981
(P);
Findbuch zu d. Beständen d. Auto Union
AG, Horchwerke
AG, Audi-Automobilwerke
AG u. Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen
AG,
bearb. v. M. Kukowski,
hg. v. Sächs. StA Chemnitz, 2000.
Autor ↑
Hans Christoph Graf von Seherr-ThoßEmpfohlene Zitierweise ↑
Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, „Rasmussen, Jörgen Skafte“,
in: Neue Deutsche Biographie
21
(2003), S.
162-163
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd128831715.html