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NDB-Artikel

<< Pick, Heinz     Pieck, Wilhelm Friedrich Reinhold >>

Pick, Ludwig

Pathologe, * 31.8.1868 Landsberg/Warthe, 3.2.1944 Theresienstadt. (jüdisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Hermann (* 1839), Kaufm., S d. Neumann (1803–95) u. d. Recha Lewy; M Bertha (1843-1924), Tochter d. Moritz (Moses) Isaak Schoenflies (1812–86), aus Schwerin/Warthe, Zigarrenfabrik(ant) in Landsberg/Warthe, u. d. Johanna (Nache) Hirschfeld (1817–79); Schwager Arthur Schönflies (1853–1928), Math.; – 1955 (postum) Anna Clara König (1891–1967).

Leben  
P. besuchte das Gymnasium in Landsberg und studierte seit 1886 Medizin in Heidelberg, Leipzig, Berlin und Königsberg, wo er 1892 sein Staatsexamen ablegte. 1893 wurde er in Berlin pathologischer Assistent an der privaten Frauenklinik Leopold Landaus (1848–1921); in Leipzig wurde er bei Max Birch-Hirschfeld promoviert (Ein Btr. zu Aetiologie, Genese u. Bedeutung d. hyalinen Thrombose). Als Externer habilitierte er sich 1899 an der Univ. Berlin für Pathologische Anatomie (ohne Habil.schr., auf Grund e. Gutachtens Rudolf Virchows). 1906 übernahm P. die Prosektur am Berliner Städt. Krankenhaus in Friedrichshain, wurde 1933 pensioniert und war dann als beratender Pathologe der Berliner Krankenkassen tätig. Während des 1. Weltkriegs Oberstabsarzt und Armeepathologe, wurde er mit dem EK I und II ausgezeichnet. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gab P. 1933 seine Venia legendi zurück; die „offizielle Beurlaubung“ und schließlich der Entzug der Lehrbefugnis erfolgten 1935/36. 1943 wurde P. verhaftet und nach Theresienstadt deportiert, wo er 1944 starb. Anna Clara König, die Lebensgefährtin seiner späten Jahre, wurde 1946 als Erbin und 1955 als Ehefrau anerkannt.
P. beschrieb erstmals das Adenoma tubulare ovarii („Picksches Adenom“), den Hermaphroditismus verus des Menschen, die Karbolochronose, die Hyperostose des Schädels beim Morbus Paget, die ossäre Form des Morbus Gaucher, Adenomyome der Frau und Karzinome bei Tieren (Salamander, Hühner, Salmoniden). P. klassifizierte die Uterussarkome und die Schweißdrüsentumoren der Vulva. Er prägte den „Typus der atypischen Amyloidose“ („Morbus Königstein-Lubarsch-Pick“). Wegweisend waren seine Arbeiten über Neurome (mit Max Bielschowsky), den Uterus duplex, die Tumoren der Marchandschen Nebennieren, die Ostitis deformans syphilitica und die Melanosis coli. P. erschloß das „unbekannte Krankheitsbild“ Albert Niemanns (1880–1921) als Lipidose („Morbus Niemann-Pick", „Niemann-Pick-Zellen“). Er prägte neue Termini und erfand methodische Neuerungen wie ein Schnellschnittverfahren und die Verwendung von Karlsbadersalz als „Picksche Konservierungsflüssigkeit“. Ferner entwickelte er die damals führende Technik für pathologische Museen|

Auszeichnungen  
Tit.-Prof. (1908), Honorarprof. (1921) Berlin.

Werke  
u. a. Zur Histiogenese u. Classification d. Gebärmuttersarkome, in: Archiv f. Gynäkol. 48, 1895, S. 24-79; Zur Anatomie u. Genese d. doppelten Gebärmutter, ebd. 57, 1899, S. 596-634; Die Marchand'schen Nebennieren u. ihre Neoplasmen nebst Unteres. üb. glykogenreiche Eierstocksgeschwülste, ebd. 64, 1901, S. 670-838; Über Adenomyame d. Epoophoron u. Paroopheron (mesonephrische Adenomyome), in: Archiv f. patholog. Anatomie, Physiol. u. klin. Med. 156, 1899, S. 507-28; Über Hidradenoma u. Adenoma hidradenoides, in: Virchows Archiv 175, 1904, S. 312-64; Über d. System d. Neurome u. Beobachtungen an einem Ganglioneurom d. Gehirns, in: Zs. f. d. ges. Neurol. u. Psychiatrie 6, 1911, S. 391-437 (mit M. Bielschowsky); Über d. wahren Hermaphroditismus d. Menschen u. d. Säugetiere, in: Archiv f. Mikroskopie u. Anatomie II 84, 1914, S. 119-242; Anleitung z. Konservierung u. Aufstellung d. Sektionsmaterials, in: C. Nauwerck (Hg.), Sektionstechnik f. Studierende u. Ärzte, 1921, S. 206-43; Der Morbus Gaucher u. d. ihm ähnl. Erkrankungen, in: Ergebnisse d. Inneren Med. u. Kinderheilkde. 29, 1926, S. 519-627; Die Skelettform d. Morbus Gaucher, 1927; Über atyp. Amyloidose u. ihr klin. Bild, in: Dt. med. Wschr. 58, 1932, S. 1664 f.

Literatur  
G. B. Gruber, in: Verhh. d. Dt. Ges. f. Pathol. 52, 1968, S. 574-80; H. H. Simmer, in: Der Pathologe 15, 1994, S. 65-68 (P); ders., Der Berliner Pathologe L. P., Leben u. Werk e. jüd. Deutschen, 2000 (W, P).

Autor  
Hans H. Simmer
Empfohlene Zitierweise  

Simmer, Hans H., „Pick, Ludwig“, in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 420 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117685992.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 20 (2001), S. 420
Erwähnungen: 
NDB 19 (1999), S. 135 in Artikel Neumann, Ernst
NDB 23 (2007), S. 412*

PND: 117685992
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Index

Pick, Ludwig

Name: Pick, Ludwig
Lebensdaten: 1868 bis 1944
Geburtsort: Landsberg/Warthe
Sterbeort: Theresienstadt
Beruf/Lebensstellung: Pathologe; Prosektor
Konfession: jüdisch
Autor NDB: Simmer, Hans H.
PND: 117685992

Weitere Informationen

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Pick, Ludwig

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