<< Orlik, Emil
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O'Rourke, Eduard Graf
Bischof von Danzig,
* 26.10.1876 Basin bei Minsk,
† 27.6.1943 Rom.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus alter irischer, im 18.
Jh. über Frankreich ins Baltikum eingewanderter
Adelsfam.;
V Michael (
† 1893),
Gutsbes.,
russ. Seeoffz.;
M Angelika
v. Bochwitz.
Leben ↑
O. wuchs in einer multinationalen, offenen Atmosphäre auf, die auch die Entwicklung seines Sprachtalents förderte. Der Jesuitenschüler (1898 Reifeprüfung) studierte Nationalökonomie und Handelswissenschaften in Riga sowie Rechtswissenschaften in Freiburg (Schweiz) (1904 Lizentiat), dann – vermutlich durch den Einfluß des Wilnaer Bischofs Eduard
Frhr. v. der Ropp (1851–1939) – Theologie in Innsbruck. Nach der Priesterweihe in Wilna 1907 wurde er als Professor für Kirchengeschichte an das Priesterseminar des Erzbistums Mohilev in
St. Petersburg berufen. Während seiner Pfarrtätigkeit in der dortigen fünfsprachigen
St. Stanislaus-Gemeinde erlebte er die
russ. Revolution, die zeitlebens seine ablehnende Haltung zu Kommunismus und Bolschewismus bestimmte. Unter der gemäßigten Kerenski-Regierung wurde
O. 1917 zum Administrator der Diözese Minsk und zum vorläufigen Leiter der
kath. Kirche Rußlands ernannt. Während der Unabhängigkeitsbestrebungen Lettlands setzte ihn Papst Benedikt XV. am 29.9.1918 zum Bischof der wiedererrichteten Diözese Riga ein, die er erst im Frühjahr 1919 mit deutscher Hilfe betreten konnte. Seine Tätigkeit stand im Zeichen des innerkirchlichen Aufbaus: Vermehrung des Klerus, Etablierung von Orden, Konkordatsverhandlungen. Trotz seelsorglicher Erfolge räumte der landfremde
O. im April 1920 nach einem Regierungswechsel den Bischofsstuhl und wurde Apostolischer Delegat für die
balt. Staaten.
Nachdem am 24.4.1922 für das Territorium der Freien Stadt Danzig, das bisher zu den Diözesen Kulm und Ermland gehörte, eine Apostolische Administratur eingerichtet worden war, wurde
O. wegen seiner nationalen Neutralität zum Oberhirten berufen. Am 2.1.1926 wurde er zum ersten Bischof der neuerrichteten Diözese Danzig mit Sitz in Oliva ernannt. 1938 resignierte er auf das Bistum, nachdem seine bislang konstruktive Kooperation mit den deutschen Behörden nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten unmöglich geworden war,
u. a. infolge der Auseinandersetzung um die
poln. Nationalpfarreien in Danzig.
O. zog sich als Domkapitular nach Gnesen zurück, 1939 schließlich nach Rom. Sein auf Harmonie und Vermittlung bedachtes Wesen war nicht geeignet, sich in den Brennpunkten nationalpolitischer Konfliktzonen durchzusetzen, zumal er letztlich weder seitens der politischen Machthaber noch aus dem Vatikan Rückendeckung erhielt.
Literatur ↑
F. Steffen, Die Diözese Danzig, ihr erster Bischof E.
Gf. O. u. ihre Kathedralkirche zu Oliva, 1926
(P);
A. Baciński, in: Miesięcznik Diecezjalny Gdański 6, 1962, S. 157-67;
E. Sodeikat, Die Verfolgung u. d. Widerstand d.
Kath. Kirche in d. Freien Stadt Danzig
v. 1933 bis 1945, 1967;
G. Reifferscheid, Der Bischof
v. Danzig, E.
Gf. O., im Kampf gegen d.
NS, in: G. Adriányi u. J. Gottschalk (
Hg.),
FS f. Bernhard Stasiewski, 1975, S. 186-202;
St. Samerski, Die
Kath. Kirche in d. Freien Stadt Danzig 1920-1933, 1991
(P);
Altpreuß. Biogr. III;
Polski Slownik Biograficzny 24;
Gatz II
(P);
BBKL.
Autor ↑
Stefan SamerskiEmpfohlene Zitierweise ↑
Samerski, Stefan, „O'Rourke, Eduard Graf“,
in: Neue Deutsche Biographie
19
(1998), S.
593
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd137781024.html
O'Rourke, Eduard Graf
Name: O'Rourke, Eduard Graf
Lebensdaten: 1875 oder 1876 bis 1943
Geburtsort: Basin bei Minsk
Sterbeort: Rom
Beruf/Lebensstellung: Bischof von Danzig; Bischof von Riga
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Samerski, StefanPND: 137781024