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<< Boltze, Johann Gottfried     Bolz, Eugen Anton >>

Boltzmann, Ludwig Eduard

Physiker, * 20.2.1844 Wien, 5.9.1906 Duino bei Triest. (katholisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturPortraitsAutorZitierweise

Genealogie  
V Ludwig (evangelisch), Steuerberater, S des Ludwig, der als Spieluhrenfabrikant von Berlin nach Wien übersiedelte; M Katharina, T des Spezereihändlers Pauernfeind in Salzburg; Graz 1876 Henriette, T des Landgerichtssekretärs Hugo Edler von Aigentler aus steiermärkischer Juristenfamilie und der Henriette Fischer; S Arthur (* 1881, Wien 1922 Paula, T des Laryngologen Ottokar Freiherr von Chiari, 1853–1918, in Wien und der Marie Seidl), Regierungsdirektor des Amtes für Eichwesen in Wien, naturwissenschaftlicher Schriftsteller, im 1. Weltkrieg Kommandant der Ballonkompanien, stellte einen Rekord der längsten Soloballonfahrt auf; 3 T, u. a. Elsa ( 1920 Ludwig Flamm, Professor der Physik an der TH Wien).

Leben  
Boltzmann studierte bei J. Stefan und J. Loschmidt, promovierte 1866 an der Universität Wien und wurde 1867 dort Assistent am Physikalischen Institut. 1869 wurde er Professor der theoretischen Physik an der Universität Graz, 1873 für Mathematik an der Universität Wien, 1876 Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Graz, dann Professor der theoretischen Physik an den Universitäten München (1889), Wien (1894), Leipzig (1900),|seit 1902 lehrte er wieder theoretische Physik und Naturphilosophie in Wien.
Boltzmanns Lebensarbeit galt der Einordnung der Thermodynamik in das Weltbild der klassischen Mechanik. Die Einseitigkeit der Wärmevorgänge (Ausgleich von Temperaturunterschieden, so genannter zweiter Hauptsatz der Thermodynamik) schien dem Charakter der allgemeinen Mechanik (Umkehrbarkeit der Zeitfolge, Reversibilität aller rein mechanischen Vorgänge) zu widersprechen. Die Auflösung des Widerspruches gelang auf dem Boden der kinetischen Gastheorie (gegründet von D. Bernoulli, 1738, entwickelt besonders von Rud. Clausius und James Clark Maxwell). Durch schärfere Fassung des Wahrscheinlichkeitsbegriffes konnte Boltzmann das Maxwellsche Gesetz der Geschwindigkeits-Verteilung in einatomigen Gasen auf beliebige Gase und Gasgemische (auch unter dem Einfluß äußerer Kräfte) verallgemeinern. Damit legte er den Grund zu einer umfassenden Statistik des physikalischen Geschehens.
Das Ehrengrab Boltzmanns auf dem Zentralfriedhof in Wien trägt als Quintessenz seines Werkes die Aufschrift S = k log W. S ist das übliche Symbol für die thermodynamische Entropie, die durch den zweiten Hauptsatz bestimmt wird; k ist die so genannte Boltzmann-Konstante, die mit der universellen Gaskonstanten zusammenhängt; W bedeutet die Wahrscheinlichkeit des betrachteten Zustandes, eine Zahl, die Boltzmann rein arithmetisch, durch Abzählung aller Zustandsmöglichkeiten zu berechnen gelehrt hatte. Durch diese Begriffsbildung wurde Boltzmann ein Wegbereiter der Quantentheorie, was Max Planck stets freudig anerkannt hat.
Das mit der Wahrscheinlichkeit engstens zusammenhängende Boltzmannsche H-Theorem zeigt in prägnanter Form, daß das Weltgeschehen von unwahrscheinlichen Anfangszuständen zu wahrscheinlicheren Endzuständen fortschreitet, wodurch der einseitige Verlauf der thermodynamischen Prozesse seine Erklärung findet, nicht als notwendige, sondern als eine an Gewißheit grenzende wahrscheinliche Folge der allgemeinen Mechanik. - Daneben hat Boltzmann zur Strahlungstheorie, zur Maxwellschen Elektrodynamik u. a. hervorragend beigetragen; auch als experimenteller Physiker war er in jüngeren Jahren erfolgreich. - Sein gütiges Wesen war gepaart mit einer großen Liebe zur Musik; er war ein vorzüglicher Klavierspieler. - Boltzmann war Mitglied der Akademien Göttingen, Wien, Berlin, Stockholm, Upsala, Turin, Rom, Amsterdam, Petersburg, New York, London, Paris, Washington, St. Louis und Ehrendoktor der Universität Oxford.

Werke  
u. a. Vorlesungen üb. Maxwell's Theorie d. Elektrizität u. d. Lichts, 2 T., 1891 u. 1893; Vorlesungen üb. Gastheorie, 2 Bde., 1896 u. 1898, 21910 u. 1912 (franz., Paris 1902 u. 1905); Vorlesungen üb. Prinzipe d. Mechanik, 2 T., 1897 (31922) u. 1904 (21922); Populäre Schrr., 1905, 21919; Wiss. Abhh. im Auftrag d. Kaiserl. Dt. Ak. d. Naturforscher zu Halle, hrsg. v. F. Hasenöhrl, 3 Bde., 1909; s. a. Pogg. III, IV, V.

Literatur  
Festschr. L. B. z. 60. Geburtstag, 1904; H. A. Lorenz, in: Verhh. d. Dt. Physikal. Ges., Bd. 9, 1906; Mhh. f. Math. 18, 1907, S. 3-7; V. v. Lang, in: Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 57, 1907, S. 307-09 (P); C. v. Voit, in: Berr. d. Bayer. Ak. d. Wiss., Bd. 37, 1907, S. 262-67; W. Ostwald, Große Männer I, 1909; P. Lenard, Große Naturforscher, 1930 (P); M. v. Laue, Zu L. B.s 100. Geburtstag, in: FF, 1944, S. 46; A. Sommerfeld, Das Werk B.s, in: Wiener Chemikerztg., Bd. 47, 1944, S. 25; L. Flamm, ebenda, S. 27; ders., L. B., v. d. klass. z. modernen Physik, in: Österr. Naturforscher u. Techniker, hrsg. v. d. Ak. d. Wiss. Wien, 1951, S. 49-51 (L, P); A. Lampa, in: BJ XI, S. 96-104 (u. Totenliste 1906, W, L); G. Jäger, in: NÖB II, 1925, S. 117-37 (P).

Portraits  
Denkmal im Arkadenhof d. Univ. Wien; Büste v. Brandeisky, 1912; Kohlezeichnung v. Auguste Santel.

Autor  
Arnold Sommerfeld
Empfohlene Zitierweise  

Sommerfeld, Arnold, „Boltzmann, Ludwig Eduard“, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 436 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118513109.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 2 (1955), S. 436 f.
Erwähnungen: 
NDB 3 (1957), S. 203*
NDB 20 (2001), S. 498 in Familienartikel Planck
NDB 23 (2007), S. 172 in Artikel Schmidt, Wilhelm
NDB 23 (2007), S.  578 in Artikel Schrödinger, Erwin

PND: 118513109
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Index

Boltzmann, Ludwig

Name: Boltzmann, Ludwig
Namensvariante: Boltzmann, Ludwig Eduard
Lebensdaten: 1844 bis 1906
Geburtsort: Wien
Sterbeort: Duino bei Triest
Beruf/Lebensstellung: Physiker
Konfession: katholisch
Autor NDB: Sommerfeld, Arnold
PND: 118513109

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Boltzmann, Ludwig

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118513109

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