Name
Oppenheim, Abraham Freiherr von
Namensvarianten
Oppenheim, Abraham (bis 1868); Oppenheim, Abraham
Lebensdaten
1804 bis 1878
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Köln
Beruf/Lebensstellung
Bankier
Konfession
jüdisch
Autor NDB
Gabriele Teichmann
Autor ADB
-
GND
117742147

Oppenheim, Abraham Freiherr von (preußischer Freiherr 1868)

Bankier, * 24.5.1804 Köln, 9.10.1878 Köln, Bassenheim bei Koblenz. (israelitisch)

  • Genealogie

    V Salomon O. (s. 1); M Therese Stein; B Simon (1803–80, österr. Frhr. 1867), Dagobert (1809–89); – 1834 Charlotte (1811–87), T d. Bankiers Siegmund Leopold Beyfus (1786–1845) u. d. Babette Rothschild (1784–1869); kinderlos; Gvm d. Ehefrau Meyer Amschel Rothschild (1743/44-1812), Bankier in Frankfurt/Main; N u. Pflege-T Antonie (1846–87, ev., Heinrich v. Kusserow, s. Gen. 1), T d. Ernst Springer (1806–49), Bankier u. Kaufm. in Offenbach, Wien u. Frankfurt/Main, u. d. Sophie Beyfus; Gr-N Max (s. 3).

  • Leben

    Nach dem Besuch eines Kölner Gymnasiums begann O. 1820 ein Jurastudium an der Univ. Bonn. Bereits ein Jahr darauf wurde er jedoch von seinem Vater in die Bank zurückgerufen und trat nach dessen unerwartetem Tod 1828 zusammen mit seiner Mutter, der Haupterbin, und seinem Bruder Simon das väterliche Erbe an. Den vorgezeichneten Einstieg ins Gründergeschäft führte O. konsequent und erfolgreich weiter. Zumeist agierte die Bank dabei in einer Doppelrolle als Vermittler zwischen Kapital und Industrie und als Großaktionär der neuen Unternehmen. Im Bergbau und in der Schwerindustrie sowie im Verkehrs- und Versicherungswesen gehörte O. zusammen mit seinem Bruder Simon zu den Mitgründern zahlreicher Aktiengesellschaften, deren Aufsichtsrat er in der Regel angehörte. Dazu zählen die „Aktiengesellschaft für Bergbau und Zinkfabrikation zu Stolberg“, die „Phoenix AG“, die „Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe“, die „Rheinische Eisenbahn AG“, die „Köln-Mindener Eisenbahn AG“, die „Gotthardbahn-Gesellschaft“ sowie zahlreiche weitere Bahnlinien in Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien, die „Colonia Kölnische Feuerversicherung AG“, die „Concordia Lebensversicherung AG“ und die „Kölnische Rückversicherung AG“ als erste Rückversicherung der Welt. Besondere Verdienste erwarb sich O. um die Entwicklung des modernen Bankwesens: Er gehörte zu den Gründern der ersten Großbanken („Crédit Mobilier“ in Paris 1852, „Darmstädter Bank für Handel und Industrie“ 1853, „Internationale Bank von Luxemburg“ 1856). Durch die Vielseitigkeit seiner Engagements besaß er einen einzigartigen Einfluß in der rhein.-westfäl. Wirtschaft, mit Gustav Mevissen (1815–99) war er eng befreundet. Die geschäftliche und verwandtschaftliche Verbindung zum Pariser Bankhaus B. L. Fould & Fould-O. war bis zur Jahrhundertmitte unentbehrlich zur Plazierung von Gründerkapital auf dem franz. Markt. Bei allen Unternehmungen war sein Bruder Simon kongenialer Partner.

    O. kämpfte politisch für die gesellschaftliche und rechtliche Gleichstellung der Juden. 1841 richtete er zusammen mit seinem Bruder Simon eine Petition in dieser Sache an den preuß. König. 1847 wirkte er als Interessenvertreter der rhein. Juden auf dem Vereinigten Preuß. Landtag. 1856 stiftete er in Köln eine neue Synagoge (Architekt; Dombaumeister Zwirner). Gleichzeitig war er zusammen mit seinem Bruder Simon einer der bedeutendsten Förderer der Vollendung des Kölner Doms. An seiner Religion hielt er, anders als viele andere Angehörige der zeitgenössischen jüd. Führungsschicht, zeitlebens fest. Als erster Jude wurde er 1868 nach erheblichem Widerstand der preuß. Bürokratie in den erblichen Freiherrnstand erhoben. Im Laufe der Jahre entwickelte sich O., der bis 1848 für die Liberalen im Kölner Stadtrat saß, zum eher konservativen preuß. Patrioten mit guten Verbindungen zum Herrscherhaus. Sein Bruder Dagobert, Präsident der „Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft“, eröffnete mit seinem Vorschlag, den staatlichen Anteil an dieser Bahnlinie zu privatisieren, dem preuß. Staat die wichtigste Geldquelle zur Finanzierung des Krieges von 1866. Die Privatisierung selbst verlief jedoch ohne Beteiligung des Bankhauses.

    O. nutzte die immensen wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich für die Banken durch den Wandel Deutschlands vom Agrar- zum|Industriestaat ergaben, wie kein Zweiter und gab dadurch der Entwicklung weiteren Antrieb. Umfang, Vielschichtigkeit und Kreativität seiner Tätigkeit machen ihn zu einem der bedeutendsten Bankiers des 19. Jh.|

    • Auszeichnungen

      KR (1855); Geh. KR (1858); Roter Adlerorden IV. Kl. (1859), II. Kl. mit Eichenlaub (1871); hess. Ludwigsorden I. Kl. (1859); preuß. Kronenorden II. Kl. (1864), mit Stern (1874).

    • Werke

      Unterthänigste Immediat-Eingabe d. zu Cöln wohnenden Banquiers Abraham u. Simon O., d. Rechtsverhältnisse d. Juden in d. Monarchie, insbes. in d. Rheinprov. betr., o. J. [1841], abgedr. in: Der Rhein. ProvinzialLT u. d. Emanzipation d. Juden im Rheinland 1825-1845, Eine Dokumentation, bearb. v. D. Kastner, T. 1, 1989, S. 299-322.

    • Literatur

      s. Fam.art.; W. Treue, in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogrr. VIII, 1962, S. 1-31; ders., Die Gründung d. Internat. Bank v. Luxemburg vor 125 J., in: Bankhist. Archiv 7, 1981, S. 3-15; ders., Die Bankiers Simon u. A. O. 1828-1880, Der private Hintergrund ihrer beruf. Tätigkeit, ihre Rolle in d. Pol. u. ihre Nobilitierung, in: ZUG 31, 1986, S. 31-72; G. Teichmann, Das Bankhaus O. u. d. industrielle Entwicklung im Aachener Revier 1836-1855, in: M. Köhler u. K. Ulrich (Hg.), Banken, Konjunktur u. Pol., Btrr. z. Gesch. dt. Banken im 19. u. 20. Jh., 1994.

    • Portraits

      Gem. v. O. Begas, Gem. v. F. Volkhardt, Abb. (beide) in: Stürmer u. a. (Hg.), 31994 (s. L z. Fam.art.).

  • Autor

    Gabriele Teichmann
  • Empfohlene Zitierweise

    , "Oppenheim, Abraham Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 561-562 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117742147.html
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Oppenheim, Abraham Freiherr von

Oppenheim, Abraham Freiherr von