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NDB-Artikel

<< Ohly, Dieter     Ohm, Georg Simon >>

Ohly, Ernst Friedrich

Germanist, Mediävist, * 10.1.1914 Breidenbach (Hessen), 5.4.1996 Münster. (evangelisch)


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturNachlassAutorZitierweise

Genealogie  
V Ludwig Heinrich Emil (1867–1928), Pfarrer in B., S d. Apothekers Gottlieb Ludwig Ernst (1834–88) in Wehen (Taunus) u. d. Caroline Wiskemann (1826–1901); M Luise (1881–1981), T d. Advokaten Friedrich Keding (1845–1919) in Rostock u. d. Kathinka Struve (1853–1916); 1) Frankfurt/M. 1940 Dr. phil. Johanna Auguste Marga (1912–45), T d. Johann Carl Gottfried Barthel (* 1882) u. d. Emmy Johanna Elisabeth Bornemann (* 1888), 2) Laubach (Hessen) 1954 Dr. phil. Marianne Alwine (* 1913), T d. Weinbauinsp. Ernst Nikolaus Steimer (1879–1961) u. d. Alwine Helene Christmann (1886–1962); 1 S, 2 T (1 früh ) aus 1), u. a. Dr. phil. Sibylle (* 1943), wiss. Mitarbeiterin in Berlin, 1 T aus 2) Dr. Marga Voss (* 1955), Chefärztin in Rheine.

Leben  
O. studierte seit 1932 deutsche und griech. Philologie sowie Geschichte in Wien, Königsberg und Frankfurt/M., wo – nach einer Begegnung mit seinem Lateinlehrer Otto Schumann, dem Editor der „Carmina Burana“ – dann Paul Hankamer (1891–1945) und Julius Schwietering (1884–1962) seine wichtigsten akademischen Lehrer wurden. Schwieterings Forschungen zur mittelalterli|chen Frömmigkeits- und Formengeschichte entwickelte O. weiter. Seine Dissertation „Sage und Legende in der Kaiserchronik“ (1940) und seine 1944 zwischen Fronteinsätzen eingereichte Habilitationsschrift „Hohelied-Studien, Grundzüge einer Geschichte der Hoheliedauslegung des Abendlandes bis um 1200“ (1958) zeigen eine deutliche Distanz zu ideologischen Tendenzen ihrer Entstehungszeit und bedeuten zugleich den Einstieg in das neue Forschungsgebiet der Allegorie und Typologie mit seinem weiten lat. Uberlieferungshorizont.
Die mittelalterliche Lehre von der Signifikanz der Dinge in Welt und Schrift als einen zentralen hermeneutischen Ansatz und als Gegenstand mediävistischer interdisziplinärer Grundlagenforschung erkannt und etabliert zu haben, ist das Hauptverdienst des Germanisten und Komparatisten O. Diesen Forschungsansatz verfolgte er nach seiner Heimkehr aus neunjähriger russ. Gefangenschaft 1953 in Frankfurt, Chicago, Mainz (ao. Prof. 1957) und Kiel (o. Prof. 1958). 1964 erhielt er einen Ruf nach Münster, wo er 1968 zusammen mit dem Historiker Karl Hauck (* 1916) einen mediävistischen Sonderforschungsbereich gründete und den eigenen Forschungsschwerpunkt „Mittelalterliche Bedeutungsforschung“ darin ausbildete (Schrr. z. ma. Bedeutungsforsch., 1977, 21983).
Komparatistisch wie die Allegorieforschungen sind O.s Arbeiten auch in seinen ausgedehnten, diachron angelegten Motiv- und Metaphernstudien, die oft bis ins 19. Jh. reichen und überwiegend anthropologisch relevanten Themen gelten: Gedächtnis, Ehrfurcht, Liebe, Suche, Erkenntnis, Schuld, Verzweiflung, Verrat, Formeln vom Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Hiermit kommt er z. T. der Toposforschung von E. R. Curtius nahe, betont jedoch stärker die christlichen und die individuellen Formen. In dem Interesse für Daseins-, Welt- und Dichtungsmetaphern (Buch der Natur, Goldene Kette Homers, Deus geometra u. a.) steht er Hans Blumenberg wie Harald Weinrich nahe. – O.s Bedeutung und seine ungewöhnliche Wirkung wird auch an der großen Schülerzahl sowie an der Übersetzung seiner Schriften in mehrere Sprachen (ital., franz., engl., ungar.) manifest|

Auszeichnungen  
Brüder-Grimm-Preis (1967); korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (1968) u. d. Medieval Ac. of America (1979); Mitgl. d. Nordrhein-Westfäl. Ak. d. Wiss. (1970), d. Acc. Senese degli Intronati (1979) u. d. Acc. Peloritana (Messina) (1983); Ehrenmitgl. d. Modern Language Association of America (1973); Dr. h. c. (Chicago 1985).

Werke  
Weitere W u. a. Ausgew. u. neue Schrr. z. Lit.gesch. u. z. Bedeutungsforsch., hg. v. U. Ruberg u. D. Peil, 1995 (Vollst. W-Verz. bis 1995, P); Text, Übers. u. Kommentar d. St. Trudperter Hohenliedes (u. weitere Schrr. aus d. Nachlaß in Vorbereitung).|

Nachlass  
Nachlaß: Seminar f. Mittellat. Philol. in Münster.

Literatur  
H. Fromm, W. Harms u. U. Ruberg, Verbum et Signum, F. O. z. 60. Geb.tag, 1975, I, S. 9-14 (P); K. Stackmann, in: SZ v. 10.1.1994; ders., ebd. v. 10.4.1996; Christel Meier, De thesauro suo nova et vetera, in: Frühma. Stud. 30, 1996, S. 419-24; dies., Zw. hist. Semiotik u. philol. Komparatistik, F. O.s Werk u. Wirkung, in: Das MA u. d. Germanisten, hg. v. E. C. Lutz, 1998 (im Erscheinen); M. Wehrli, in: NZZ v. 9.4.1996; ders., In der Mitte d. Dinge, in: Mittellat. Jb. 31, 1996, S. 1 f.; C. S. Jaeger u. a., in: Speculum 72, 1997, S. 941-43; F. J. Worstbrock, in: ZDA 126, 1997, S. 1 f.; J. Bumke, in: Jb. d. Nordrhein-Westfäl. Ak. d. Wiss. 1996 (1997), S. 55-58; Kosch, Lit.-Lex.3

Autor  
Christel Meier
Empfohlene Zitierweise  

Meier, Christel, „Ohly, Ernst Friedrich“, in: Neue Deutsche Biographie 19 (1998), S. 488-489 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118589660.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 19 (1999), S. 488-489
Erwähnungen: 
NDB 24 (2010), S. 84 in Artikel Schwietering, Julius

PND: 118589660
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Index

Ohly, Friedrich

Name: Ohly, Friedrich
Namensvariante: Ohly, Ernst Friedrich
Lebensdaten: 1914 bis 1996
Geburtsort: Breidenbach (Hessen)
Sterbeort: Münster
Beruf/Lebensstellung: Germanist; Mediävist
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Meier, Christel
PND: 118589660

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Ohly, Friedrich

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