Name
Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst Fürst
Namensvarianten
Kraft Ernst Fürst Oettingen-Wallerstein; Kraft Ernst Fürst zu Oettingen-Wallerstein; Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst Fürst zu; Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst Fürst; Wallerstein, Kraft Ernst Fürst zu; Kraft Ernst Judas <Oettingen-Oettingen, Fürst>; Kraft Ernst Judas <Oettingen-Wallerstein, Fürst>; Oettingen Wallerstein, Craft Ernst zu; Oettingen-Wallerstein, Craft Ernst zu; Oettingen-Wallerstein, Krafft Ernst; Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst von; Wallerstein, Craft Ernst zu Oettingen-; Wallerstein, Kraft Ernst von Oettingen-
Lebensdaten
1748 bis 1802
Geburtsort
Hohenaltheim
Sterbeort
Wallerstein
Beruf/Lebensstellung
Reichsfürst
Konfession
katholisch
Autor NDB
Volker von Volckamer
Autor ADB
-
GND
119375648

Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst Graf (seit 1774 Fürst) zu

* 3.8.1748 Hohenaltheim, 6.10.1802 Wallerstein. (katholisch)

  • Genealogie

    V Philipp Carl Dominicus (1722–66); M Charlotte Juliane (1728–91), T d. Kraft Anton Wilhelm Gf. zu O.-Baldern (1684–1751) u. d. Johanna Eleonore Gfn. v. Schönborn-Puchheim (1688–1763), 1) Trugenhofen (heute Taxis) 1774 Marie Therese (1757–76), T d. Fürsten Karl Anselm v. Thurn u. Taxis (1733–1805) u. d. Auguste Hzgn. v. Württ. (1734–87), 2) Weiltingen 1789 Wilhelmine Friederike (1764–1817), T d. Hzg. Ludwig Eugen v. Württemberg (1731–95) u. d. Sophie Gfn. v. Beichlingen (1718–1807); 1 T aus 1), 6 S (2 früh †) aus 2) u. a. Ludwig Kraft (s. 3), 6 T (2 früh †) aus 2).

  • Leben

    Als künftiger Landeserbe erhielt O. eine sorgfältige Erziehung auf der von Piaristen geleiteten Hzgl. Savoyschen Ritterakademie ir. Wien, die einem modernen, stark auf Praktisches ausgerichteten Lehrprogramm folgte. Ergänzt wurde dieses durch einen weltlichen Hofmeister, der seine Eleven auch in die Fabriken in und um Wien führte. Kürzeren Aufenthalten an den Universitäten in Straßburg und Göttingen folgte eine fast dreijährige Bildungsreise durch Europa. 25jährig trat O. 1773 die Regierung an. Aufgeschlossen für Reformen auf den verschiedensten Gebieten, betrieb er in seinem Anteil der Gfsch. Oettingen den Chausseebau, unterstützte die Gründung von Manufakturen und kümmerte sich um die Volksgesundheit (Hebammenausbildung, Pockenschutzimpfung). Die Erträge seiner überwiegend bäuerlichen Untertanen suchte O. durch zahlreiche Maßnahmen zur Intensivierung der Landwirtschaft und der Viehzucht zu fördern. Als Berater wirkte hierbei Johann Friedrich Mayer (1719–98), der als Ökonom berühmte Pfarrer von Kupferzell.

    O. war davon überzeugt, daß man die Menschen zu ihrem Glück nicht zwingen müsse, sondern sie durch Überredung und eigenes Beispiel zur Einsicht führen könne. Die Einführung der Normalschule nach dem Vorbild des Abts Johann Ignaz v. Felbiger (1724–88) sollte die nächste Generation zugänglicher für Veränderungen machen. Gerade im Hinblick auf die Anstrengungen zur Volksaufklärung im letzten Drittel des 18. Jh. hat die Forschung die Gfsch. Oettingen als „einen der geistig fortschrittlichsten Kleinstaaten Deutschlands“ (R. Schenda) bezeichnet. Freilich hat O., der in seinem Reformeifer jeden Schritt persönlich auslösen und begleiten wollte, den Erfolg ebenso behindert wie der Umstand, daß sein Territorium für eigenständige „Innenpolitik“ zu klein geworden war. Als Pflegestätte der Musik jedoch gewann O.s Hof einen Ruf, der über die Grenzen Schwabens weit hinausreichte. Wesentlichen Anteil am Aufbau seiner Hofkapelle hatte – neben dem württ. Dragoneroffizier Ignaz v. Beecke (1733–1803) als Intendanten – der aus Böhmen stammende Kapollmeister Anton Rosetti (Rößler) (um 1750–92). Sowohl Mozart als auch Haydn traten zu O. und seiner Hofkapelle in Beziehung, Schubart widmete ihr in seinen Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst ein eigenes Kapitel.

    • Literatur

      ADB 40; Johann Friedrich Mayer, Meine ökonom. Reise n. Öttingen-Wallerstein, in: Anhang z. meinen Btrr. u. Abhh. z. Aufnahme d. Haus- u. Landwirtsch. 1783, S. 1-92; Ch. F. D. Schubarts Ideen z. e. Ästhetik d. Tonkunst, hg. v. L. Schubart, 1806 (Nachdr. 1969), S. 166-69; L. Schiedermair, Die Blütezeit d. Öttingen-Wallerstein'schen Hofkapelle, Ein Btr. z. Gesch. d. dt. Adelskapellen, in: Sammelbde. d. Internat. Musikges., Jg. 9, 1907-08, S. 83-130; A. Diemand, J. Haydn u. d. Wallersteiner Hof, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 45, 1920-22, S. 1-40; A. v. Raumer, Der Rr. v. Lang u. seine Memoiren, 1923, S. 4-9, 91-96; E. J. Luin, Mozarts Beziehungen z. Hause O., in: Neues Augsburger Mozartbuch, ebd. 62/63, 1962, S. 469-86; R. Schenda, Volk ohne Buch, Stud. z. Gesch. d. populären Lesestoffe 1770-1910, 1970, S. 51; Die Memoiren d. Karl Heinrich Rr. v. Lang, Faks. d. Ausg. 1842 mit e. Nachw. v. H. v. Mosch, 1984; V. v. Volckamer, Aus d. Land d. Grafen u. Fürsten zu O., 1995, S. 105-56 (zahlr. P); New Grove; MGG2 VII.

  • Autor

    Volker von Volckamer
  • Empfohlene Zitierweise

    Volckamer, Volker von, "Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst Graf zu " in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 475 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119375648.html
ndb null

Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst Fürst

Oettingen-Wallerstein, Kraft Ernst Fürst