<< Odkolek von Újezd, Adolf
Oechelhäuser, von >>
Oeben, Jean-François
Kunsttischler,
* 9.10.1721 Heinsberg (Herzogtum Jülich),
† 21.1.1765 Paris. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Franz, Postmeister;
M Mechthildis Peters;
B Simon (um 1722-um 1786), Kunsttischler in
P. (s.
L);
Schw Marie-Catherine (um 1741–99,
⚭ 1759 Martin Carlin, um 1730–85, Ebenist in
P.); –
⚭ 1749 Françoise-Marguerite Vandercruse (
⚭ 2] 1767 Jean-Henri Riesener, 1734–1806, Ebenist, s.
ThB;
Dict. of Art); 4
T ,
u. a. Victoire,
M d. Malers Eugène Delacroix (1798–1863).
Leben ↑
Über
O.s Ausbildung ist nichts bekannt. Um 1740 dürfte er – wie viele andere im 2. Viertel des 18.
Jh. aus dem niederdeutsch-
niederländ. Raum zugewanderte Kunstschreiner (van Risamburgh, Vandercruse,
gen. Lacroix, Criaerd, Latz, Dautriche) – nach Paris gekommen sein. Aufgrund stilistischer Ähnlichkeiten ist anzunehmen, daß
O. zunächst mit Jean-François Latz zusammenarbeitete. Er ließ sich in der rue Saint Antoine, im Schutz der gleichnamigen Abtei nieder, wo viele deutschstämmige Kunsttischler ihre Karriere begannen, weil sie dort nicht den Zunftregelungen unterlagen. 1751-54 arbeitete
O. selbständig als „compagnon Ebeniste et Menuisier du Roy“ in der Werkstatt von Charles-Joseph Boulle (1688–1754) in den Louvregalerien. Nach dem Tod Boulles erhielt er als „compagnon gaignant maitrise“ eine Wohnung mit Werkstatt und Laden in der Gobelinmanufaktur und gleichzeitig den Titel „Ebeniste du Roy“; 1756 übersiedelte
O. in ein größeres Logement im neu erbauten Komplex des Arsenals. 1759 erhielt er eine Bestätigung des Direktors der
kgl. Bauten, daß er nach achtjähriger Tätigkeit auf kroneigenem Areal die Berechtigung zur kostenlosen Aufnahme in die Pariser Zunft der „Menuisiers Ebenistes“ erworben habe.
O. machte davon keinen Gebrauch und ließ sich erst 1761 aufnehmen. Er signierte jedoch bisweilen, wie
|für die Meister Pflicht, seine Möbel schon vorher.
O., einer der berühmtesten Ebenisten unter Ludwig XV., machte sich einen Namen durch die hohe Qualität in der Fertigung und im Dekor. Für seine Blumenmarketerien, figürlichen Darstellungen und geometrischen Muster arbeitete er mit Hölzern in unterschiedlichen natürlichen und durch Beizung gefärbten Farbtönen und betonte das bildhafte Aussehen zusätzlich durch Gravierung. Als erster verwandte er großflächige Mahagonifurniere. Das Typenrepertoire seiner Möbel war sehr umfangreich, viele zeichneten sich durch neuartige mechanische Vorrichtungen aus. Dazu schuf
O. weitere Möbeltypen, wie den kombinierten Schreib- und Toilettentisch mit verschiebbarer Platte, die „Table à la Bourgogne“, mit nach oben ausfahrbarem Schubladen- und Fächertrakt sowie herausnehmbarem Schreibpult und abklappbarem Betpult in den Schubladen, und er trug zur Entwicklung des Zylinderschreibtischs bei. Die frühen Möbel
O.s gehören dem Louis XV-Stil an. Schon um 1760 entstanden Möbel im Übergangsstil vom Rokoko zum Neoklassizismus, darunter Kommoden mit Blumenkörben und Würfelmarketerie. An der Ausbildung dieses „style transition“ war er maßgeblich beteiligt.
Zu
O.s Kunden gehörten das Königshaus mit dem König, dessen Sohn und dessen Enkel, der junge Herzog von Burgund (nach ihm benannt ist die „Table à la Bourgogne“) sowie der Hochadel,
u. a. die Herzöge von Aumont, von Choiseul und von Richelieu und der Marquis de Marigny, ferner der Erbprinz Friedrich Michael von Pfalz-Zweibrücken, die Herzoginnen von Lauragais, von Brancas und von Valentinois, alle aus dem engen Kreis des Königs und der Marquise de Pompadour,
O.s bester Kundin. Für sie fertigte er
u. a. mehrere Toilettentische, darunter einen kombinierten Schreib- und Toilettentisch (heute Louvre), einen klassizistischen Gueridon (dargestellt auf einem Porträt der Marquise von Drouais, London,
Nat. Gallery) sowie mehrere mit Mahagoni furnierte Kommoden, für die die Marquise de Pompadour das Furnier stellte. Die letzteren waren beim Tod
O.s noch nicht alle geliefert, und auch sein bedeutendstes Möbel, der Zylinderschreibtisch für König Ludwig XV., war noch unfertig. Die Witwe mußte aufgrund der schlechten Zahlungsmoral der Kundschaft Bankrott anmelden, führte die Werkstatt aber unter Verwendung des Firmenstempels ihres Mannes weiter. 1767 heiratete sie den Altgesellen Jean-Henri Riesener, der 1768 selbst Meister wurde und seither seinen eigenen Stempel benutzte. Welche Möbel Riesener außer dem Bureau du Roi (vollendet 1769) und einer mit den Schlagstempeln beider signierten Kommode (heute Malibu, Paul Getty
Mus.) fertigstellte, läßt sich nicht mit Gewißheit sagen.
Werke ↑
Zylinderschreibtisch f. Ludwig XV. (Versailles);
zwei Mehrzwecktische mit Blumenmarketerien, ein Schreibtisch, ein Sekretär u. ein Chiffonier mit Würfelmarketerie (Louvre);
Schreibschrank u. zwei Mehrzwecktische mit Blumenmarketerien (München, Residenz);
Zylinderschreibtisch (Paris, Musée Nissim de Camondo);
zwei Eckschränke u. ein Mehrzwecktisch (London, Victoria & Albert
Mus.);
Schreibtisch mit Kartonnier (Tours, Musée);
weitere Möbel
u. a. in Amsterdam, Rijksmus., New York, Metropolitan
Mus., Washington,
Nat. Gallery, Malibu, Paul Getty
Mus., Lissabon, Gulbenkian
Mus., u. in Privatslgg.
Literatur ↑
ADB 24;
R. Stratmann, Der Ebenist J.-F.
O.,
Diss. Heidelberg 1971
(mit älterer L);
Die Möbel d. Residenz München, I, Die
franz. Möbel d. 18.
Jh.,
bearb. v. B. Langer, 1995;
ThB;
Dict. of Art. –
Zu Simon: R. Stratmann, Der Ebenist S.
O., in: Aachener Kunstbll. 43, 1972, S. 261-81;
ThB. –
Zur Fam.: R. Stratmann, Notices biographiques inédites sur la famille
O., in: Gazette des Beaux Arts, März 1980, S. 125-28.
Autor ↑
Rosemarie Stratmann-DöhlerEmpfohlene Zitierweise ↑
Startmann-Döhler, Rosemarie, „Oeben, Jean-François“,
in: Neue Deutsche Biographie
19
(1998), S.
420 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118786768.html
<< Obbarius, Lobegott Samuel
Obentraut, Hans Michael Elias von >>
Oeben, Johann Franz
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Oeben: Johann Franz O., Kunsttischler, arbeitete in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in Paris und stand in besonderer Gunst bei Frau v. Pompadour, durch deren Einfluß er Wohnung und Werkstatt in Staatsgebäuden und viele Aufträge erhielt. Er wird als ein Schüler von Boule bezeichnet.
O. starb 1766. Von seinen Arbeiten, welche besonders durch ihre Marqueterien Aussehen erregten, befindet sich ein Bureau im Louvre. Mehrere andere von ihm gefertigte Möbel werden in Auctionskatalogen des achtzehnten Jahrhunderts beschrieben. —
O. hatte einen gleichnamigen Sohn, welcher ebenfalls Kunsttischler war und 1764 in die Pariser Innung aufgenommen wurde. Zeitschrift für Kunst- und Antiquitätensammler Bd. I, Seite 242.
Autor ↑
R. Bergau.Empfohlene Zitierweise ↑
Bergau, R., „ Oeben, Johann Franz“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
24
(1887), S.
85 unter Oeben, Johann Franz
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118786768.html?anchor=adb